Israel gedenkt Hamas-Massaker und fordert Untersuchung
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDrei Jahre nach dem Hamas-Massaker im SĂŒden Israels hat das Land am 7. Oktober der Opfer des Terrorangriffs gedacht, wĂ€hrend Demonstranten eine staatliche Untersuchung der Ereignisse forderten.
Gedenken um 6.29 Uhr
PrĂ€sident Izchak Herzog entzĂŒndete um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Residenz in Jerusalem eine Kerze fĂŒr die Toten und Verletzten. Zu dieser Uhrzeit begann am 7. Oktober 2023 der Ăberfall, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden.
âDrei Jahre seit diesem schrecklichen Morgen, drei Jahre Schmerz, Verlust und Erinnerung, die nicht ausgelöscht wirdâ, schrieb Herzog auf der Plattform X. In mehreren StĂ€dten erinnerten Menschen an die Opfer.
Forderungen nach Untersuchung
Demonstranten verlangten eine staatliche Untersuchungskommission zu dem Ăberfall. Sie kritisierten, dass die Regierung die Frage, wie es zu dem Angriff kommen konnte und welche Fehler Sicherheitsapparat und Politik machten, bisher nicht umfassend aufgearbeitet habe.
Proteste gab es nach Medienberichten unter anderem vor der Residenz von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu und vor der Knesset in Jerusalem. Protestierende blockierten demnach zudem kurzzeitig eine Stadtautobahn bei Tel Aviv.
Gedenken am Nova-Festival
Auch auf dem GelÀnde des Nova-Musikfestivals nahe dem Kibbuz Reim kamen Trauernde zusammen. Dort waren bei dem Angriff viele Menschen getötet worden. An einer zentralen Gedenkfeier in einem Park in Tel Aviv sollten am Abend rund 50.000 Menschen teilnehmen.
Jahrestag im Wahlkampf
Der Gedenktag fĂ€llt in die heiĂe Phase des Wahlkampfs. In drei Wochen wĂ€hlen die Israelis erstmals seit dem Massaker wieder ein Parlament. Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition vor, keine persönliche Verantwortung fĂŒr das politische und militĂ€rische Versagen wĂ€hrend des Hamas-Ăberfalls zu ĂŒbernehmen.
Bei dem Angriff wurden auĂerdem 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Im anschlieĂenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 PalĂ€stinenser getötet; die Behörde unterscheidet dabei nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern.
Auch Deutschland erinnert
In Deutschland waren ebenfalls Gedenkveranstaltungen geplant. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte Deutschlands UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel: âDeutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zĂ€hlen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt.â
Auch EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen bekundete SolidaritÀt mit Israel. Die EU sei bereit, dazu beizutragen, dass aus dem fragilen Waffenstillstand ein dauerhafter Frieden auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung werde.
Toter bei Konfrontation im Westjordanland
Bei einer Konfrontation zwischen radikalen Siedlern, israelischen Soldaten und PalÀstinensern wurde im besetzten Westjordanland ein PalÀstinenser erschossen. Nach Darstellung der israelischen Armee sei der Mann mit einem verdÀchtigen Gegenstand auf SicherheitskrÀfte zugerannt; ein Soldat habe daraufhin geschossen.
Das Gesundheitsministerium in Ramallah erklĂ€rte hingegen, Siedler und Soldaten hĂ€tten das Dorf Burka bei Nablus angegriffen. Die Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. PalĂ€stinensischen Medien zufolge handelte es sich bei dem 44-JĂ€hrigen um einen Offizier der palĂ€stinensischen SicherheitskrĂ€fte.
MilitÀr nennt Angriffe auf 100.000 Ziele
Nach Angaben der israelischen StreitkrÀfte wurden seit Beginn des Krieges rund 100.000 Ziele in der Region angegriffen. Davon seien 65.000 im Gazastreifen, 28.000 im Libanon und in Syrien sowie 4.500 im Iran gewesen, berichtete das israelische Radio unter Berufung auf das MilitÀr.
In den vergangenen drei Jahren seien zudem 970 israelische Soldaten im Dienst getötet worden.
Ein Jahrestag mit politischer Bedeutung
Der 7. Oktober bleibt in Israel nicht nur ein Gedenktag, sondern auch ein PrĂŒfstein fĂŒr das VerhĂ€ltnis zwischen Staat und Gesellschaft. Der Angriff erschĂŒtterte das Sicherheitsversprechen, auf dem das Vertrauen vieler BĂŒrger in Regierung und Armee beruht. Die Forderung nach einer unabhĂ€ngigen Untersuchung zielt deshalb auf mehr als die Rekonstruktion einzelner AblĂ€ufe: Sie berĂŒhrt die Frage, wer politische und militĂ€rische Verantwortung fĂŒr Warnungen, Entscheidungen und VersĂ€umnisse trĂ€gt.
Trauma und offene Aufarbeitung
Die Folgen reichen weit ĂŒber die unmittelbar Betroffenen hinaus. Familien von Getöteten, Geiseln und Soldaten, Ăberlebende des Nova-Festivals sowie breite Teile der Bevölkerung verbinden mit dem Jahrestag Verlust, Unsicherheit und ungelöste Fragen. Eine systematische Untersuchung könnte nach derzeitigem politischen Streit dazu beitragen, Verantwortlichkeiten zu klĂ€ren und Lehren fĂŒr den Schutz der Zivilbevölkerung zu ziehen.
Gedenken in der Wahlkampfphase
Die anstehende Parlamentswahl verleiht den Protesten zusĂ€tzliche Bedeutung. Die Regierung muss sich an ihrem Umgang mit dem Massaker, dem anschlieĂenden Krieg und der Sicherheitslage messen lassen; die Opposition kann die Forderung nach AufklĂ€rung zum Wahlkampfthema machen. FĂŒr die Bevölkerung geht es damit zugleich um Erinnerung, Vertrauen in staatliche Institutionen und die kĂŒnftige Sicherheits- und AuĂenpolitik Israels. Der Jahrestag fĂ€llt auĂerdem in eine fragile regionale Lage, in der ein Waffenstillstand und die Perspektive einer politischen Regelung weiterhin eng miteinander verbunden sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht lasse die Psychologin Einat Yehene erklĂ€ren, der seelische Stress in Israel habe drei Jahre nach dem Massaker nicht abgenommen, sondern seine Form verĂ€ndert. Als zentrale Belastungen nenne sie die Geiselnahmen, die weiterhin nicht vollstĂ€ndig abgeschlossene RĂŒckfĂŒhrung sterblicher Ăberreste und die fehlende Untersuchung des 7. Oktober; damit vertiefe der Artikel den in der dpa-Meldung beschriebenen Streit ĂŒber die Aufarbeitung um die Perspektive der Traumafolgen.
NDR: âDrei Jahre nach Hamas-Angriff: Gedenken und Demos in Hamburgâ (07.10.2026)
Der Bericht beschreibe Gedenkveranstaltungen in Hamburg und eine gleichzeitig geplante propalÀstinensische Demonstration. Er bestÀtige den Jahrestag und die fortdauernde gesellschaftliche Spannung, setze den Schwerpunkt jedoch auf die deutsche Innenperspektive sowie auf Warnungen vor israelfeindlichen und antisemitischen Protesten, wÀhrend die dpa-Meldung die Forderungen nach einer staatlichen Untersuchung in Israel hervorhebe.
Beide Berichte stellten den 7. Oktober als fortwirkendes Trauma dar; der erste konzentriere sich auf individuelle und gesellschaftliche Verarbeitung, der zweite auf öffentliche Erinnerung und Konflikte in Deutschland. Offen bleibe insbesondere, wann und in welcher Form eine umfassende staatliche Untersuchung in Israel eingesetzt werde.
