Israel: Netanjahu fordert Koalition trotz Eisenkot-Vorsprung
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 20:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWSParlamentarische Empfehlungen und nÀchste Schritte
- PrÀsident Izchak Herzog will am Sonntag den Auftrag zur Regierungsbildung vergeben.
- Gadi Eisenkot erhielt Empfehlungen von Parteien mit zusammen 67 der 120 Parlamentssitze.
- Benjamin Netanjahu bekam die UnterstĂŒtzung von 46 Abgeordneten und warnt vor arabischer Beteiligung.
Netanjahu wirbt vor Regierungsauftrag fĂŒr breite Koalition
Israels amtierender MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu ruft die Oppositionsparteien zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit auf. Der Koalition sollen neben seinem rechtskonservativen Likud und den beiden ultraorthodoxen Parteien auch die beiden rechtsextremen Parteien seiner bisherigen Regierung angehören.
PrÀsident Herzog entscheidet am Sonntag
Netanjahu sagte in einer Videobotschaft nicht, wer eine solche Regierung fĂŒhren solle. Zugleich warnte er vor einer Regierung, die auf die UnterstĂŒtzung der beiden arabischen Parteien angewiesen wĂ€re, und erklĂ€rte, eine solche Regierung wĂŒrde Israel von innen heraus zerstören.
Der Aufruf erfolgte einen Tag vor der geplanten Vergabe des Auftrags zur Regierungsbildung durch PrÀsident Izchak Herzog. Nach Informationen des Nachrichtenportals N12 soll Herzog den Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot beauftragen.
Eisenkot weist VorstoĂ zurĂŒck
Bei den Beratungen mit dem PrĂ€sidenten hatten Parteien mit insgesamt 67 der 120 Parlamentssitze Eisenkot empfohlen. Netanjahu erhielt die UnterstĂŒtzung von 46 Abgeordneten.
Eisenkot, Vorsitzender der neu gegrĂŒndeten Mitte-Partei Jaschar, bezeichnete Netanjahus Rede auf X als âbillige PR-Mascheâ. Netanjahu habe die israelische Gesellschaft gespalten und spreche erst dann von Einheit, wenn ihm bewusst werde, dass seine Tage im Amt gezĂ€hlt seien, sagte Eisenkot.
Opposition fordert klare Trennung von Rechtsextremisten
Netanjahu habe nach Eisenkots Darstellung nie eine Vereinbarung eingehalten, die er mit politischen Partnern unterzeichnet habe. Wenn Likud und seine VerbĂŒndeten an einer breiten Regierung interessiert seien, könnten sie ihr BĂŒndnis mit den Extremisten öffentlich auflösen und ihre Bereitschaft zu einer Regierung unter MinisterprĂ€sident Eisenkot erklĂ€ren.
Die Regierungsbildung steht im Zeichen eines ungewöhnlich engen parlamentarischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisses. Zwar erhielt Gadi Eisenkot bei den Konsultationen Empfehlungen von 67 der 120 Abgeordneten und damit deutlich mehr als Benjamin Netanjahu. Diese Zahl bildet jedoch zunĂ€chst eine politische UnterstĂŒtzung fĂŒr den Auftrag ab, nicht automatisch eine tragfĂ€hige Koalition mit mindestens 61 Stimmen.
KoalitionshĂŒrden und Streitpunkte
Eisenkot mĂŒsste unterschiedliche Lager zusammenfĂŒhren: Parteien aus seinem Mitte- und OppositionsbĂŒndnis, arabische Abgeordnete sowie möglicherweise weitere Partner. Gerade die Einbindung arabischer Parteien lehnt Netanjahu scharf ab; zugleich erschweren Differenzen ĂŒber die Wehrpflicht fĂŒr ultraorthodoxe MĂ€nner eine Zusammenarbeit zwischen sĂ€kularen und religiösen KrĂ€ften.
Netanjahus VorstoĂ zielt deshalb nicht nur auf eine mögliche Einheitsregierung, sondern auch auf die politische Abgrenzung Eisenkots. Der amtierende MinisterprĂ€sident warnt vor einer Regierung mit arabischer UnterstĂŒtzung, wĂ€hrend Eisenkot die Initiative als Versuch zurĂŒckweist, den Machtverlust abzuwenden. Damit verschĂ€rft sich der Konflikt noch vor der formalen Vergabe des Regierungsauftrags.
Frist setzt Parteien unter Druck
Mit dem Auftrag beginnt fĂŒr Eisenkot ein begrenztes Verhandlungsfenster. Gelingt keine Regierungsbildung, kann der Auftrag weitergegeben werden; wiederholtes Scheitern könnte schlieĂlich eine neue Parlamentswahl auslösen. FĂŒr die israelische Bevölkerung betrifft der Streit daher nicht nur die Besetzung des MinisterprĂ€sidentenamts, sondern auch den kĂŒnftigen Kurs bei Sicherheit, Wehrpflicht und dem VerhĂ€ltnis zwischen jĂŒdischen und arabischen Parteien.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag bestĂ€tigt den Vorsprung Eisenkots bei den Empfehlungen und hebt zugleich hervor, dass daraus noch keine sichere Regierungsmehrheit folgt. Im Mittelpunkt stehen die schwierigen Koalitionsverhandlungen und der Streit um die Wehrpflicht fĂŒr Ultraorthodoxe.
tagesschau.de: âRegierungskonsultationen beendet Israels PrĂ€sident Herzog zieht ernĂŒchterndes Fazitâ (06.11.2026)
Der Bericht stellt die politische Zerrissenheit wÀhrend der Konsultationen heraus und beschreibt die gegensÀtzlichen Positionen des rechten Lagers, der arabischen Parteien und Eisenkots Partei. Offen bleibt danach vor allem, ob Eisenkot aus den Empfehlungen eine stabile Koalition formen kann.
Beide BeitrĂ€ge sehen Eisenkot vor dem Regierungsauftrag, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Die Frankfurter Rundschau betont die rechnerischen und politischen HĂŒrden, tagesschau.de die Konfrontation der Lager und die Rolle des PrĂ€sidenten.
