Israel-Wahl: Arabische Parteien holen 19 von 120 Sitzen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFristen und Kräfteverhältnis in der Knesset
- Die arabischen Parteien sichern sich nach vorläufiger Auszählung 19 der 120 Parlamentssitze.
- Das amtliche Endergebnis muss spätestens am 4. November veröffentlicht werden.
- Die konstituierende Sitzung des Parlaments soll bis zum 10. November stattfinden.
Israel-Wahl löst Streit über ausländische Hilfe aus
Nach dem starken Abschneiden arabischer Parteien bei der Parlamentswahl in Israel haben Polizei und Wahlkommission Vorwürfe des Wahlbetrugs zurückgewiesen. Aus Reihen der Regierungskoalition wurden dennoch Forderungen laut, die konstituierende Sitzung zu verschieben und die Wahlergebnisse gegebenenfalls zu annullieren.
Ermittlungen ohne veröffentlichte Belege
Polizeichef Daniel Levy kündigte an, jeden Verdacht auf eine Straftat gründlich und unparteiisch zu untersuchen. Die Wahlkommission erklärte, es gebe nach bestem Wissen keine Grundlage für Behauptungen über eine systematische Beeinträchtigung der Wahl.
Nach Informationen von „ynet“ bat Schin-Bet-Chef David Zini am Mittwoch um ein vertrauliches Treffen mit dem Vorsitzenden der zentralen Wahlkommission, Richter Noam Sohlberg. Dabei soll er über den Verdacht einer ausländischen Einmischung informiert haben.
Arabische Parteien verdoppeln Ergebnis nahezu
Nach dem vorläufigen Auszählungsstand kommen die arabischen Parteienbündnisse auf 19 der 120 Sitze. Damit verdoppeln sie nahezu ihr Ergebnis von 2022.
Das Regierungsbündnis der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verfehlt ebenso wie das Oppositionslager die Mehrheit von 61 Mandaten. Dadurch gewinnen die arabischen Parteien erheblichen Einfluss auf die anstehende Regierungsbildung.
Hinweise auf Katar zurückgewiesen
Der öffentlich-rechtliche Sender Kan berief sich auf eine ungenannte Quelle aus Sicherheitskreisen, wonach Katar Gruppen zur Mobilisierung in der arabischen Gemeinschaft finanziert haben soll. Das Außenministerium Katars wies die Vorwürfe auf der Plattform X zurück.
Beweise für eine ausländische Einflussnahme oder Verfehlungen arabischer Parteienvertreter wurden bislang nicht veröffentlicht. Präsident Izchak Herzog forderte eine gründliche Untersuchung und warnte zugleich davor, eine ganze Gemeinschaft zu verleumden.
Streit über die konstituierende Sitzung
Kommunikationsminister Schlomo Karhi vom Likud forderte, die konstituierende Sitzung bis zur Klärung der Vorwürfe zu verschieben. Sollten Stimmen mit ausländischem Geld gekauft worden sein, müsse dies Konsequenzen für die Wahlergebnisse bis hin zu deren Annullierung haben, erklärte er.
Das amtliche Endergebnis soll bis spätestens 4. November veröffentlicht werden, die Knesset bis zum 10. November zusammentreten. Oppositionsführer Gadi Eisenkot bezeichnete Einzelheiten und Umfang der Verdachtsmomente als unklar und warf Netanjahu vor, die Veröffentlichung der Ergebnisse zu verzögern.
Der Streit trifft Israel in einer Phase, in der die Sitzverteilung keine klare Regierungsmehrheit hervorbringt. Die arabischen Parteien kommen nach dem vorläufigen Ergebnis auf 19 der 120 Sitze und haben damit deutlich mehr Gewicht als nach der Wahl von 2022. Für eine Mehrheit in der Knesset sind 61 Mandate erforderlich.
Politisch erhöht das Ergebnis den Einfluss arabischer Abgeordneter auf die Regierungsbildung. Sowohl das Likud-Lager als auch das Oppositionslager verfehlen die Mehrheit, sodass Gespräche über Unterstützung, Koalitionen oder eine Minderheitsregierung entscheidend werden können. Zugleich droht der Streit über die Legitimität der Wahl die ohnehin schwierige Regierungsbildung zu überschatten.
Fristen bestimmen den weiteren Ablauf
Das amtliche Endergebnis soll bis zum 4. November vorliegen, die konstituierende Sitzung der Knesset ist bis zum 10. November vorgesehen. Bis dahin stehen die Untersuchungen zu den erhobenen Vorwürfen neben der politischen Auseinandersetzung. Für die Öffentlichkeit ist entscheidend, ob aus einzelnen Verdachtsmomenten belastbare Belege werden und ob die staatlichen Institutionen die Fristen und das Wahlergebnis wahren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Israels Sicherheitsminister Ben Gvir fordert Festnahme der Chefs israelisch-arabischer Parteien“ (29.10.2026)
Der Artikel berichtet über die Forderung Itamar Ben Gvirs, die Chefs israelisch-arabischer Parteien festzunehmen. Zugleich hebt er hervor, dass öffentlich weiterhin keine Belege für die Anschuldigungen vorgelegt worden seien, und beschreibt die arabischen Listen als möglichen Schlüssel für die Regierungsbildung.
BR24: „Nach Israel-Wahl: Keine Mehrheit - Likud spricht von Wahlbetrug“ (28.10.2026)
Der Beitrag stellt die fehlende Mehrheit und die 19 Sitze der arabischen Listen in den Mittelpunkt. Anders als die aktuelle Meldung behandelt er vor allem die möglichen Wege zur Regierungsbildung und die Rolle von Präsident Izchak Herzog; die offenen Vorwürfe des Likud bleiben auch dort ohne veröffentlichte Belege.
Beide Beiträge schildern den Konflikt über die Wahllegitimität und die gestiegene Bedeutung der arabischen Parteien. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Der Stern beschreibt die Zuspitzung durch Ben Gvir, BR24 die Mehrheitsverhältnisse und den nächsten Schritt der Regierungsbildung.
