Israel-Wahl, Benjamin Netanjahu

Israel-Wahl: Enges Rennen zwischen Netanjahu und Eisenkot

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Rund 7,3 Millionen Menschen sind zur Abstimmung über die 120 Sitze der Knesset aufgerufen. Wegen der erwarteten knappen Mehrheitsverhältnisse könnten die Koalitionsverhandlungen länger dauern.

Wahlabend und Regierungsauftrag

  • Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte bestimmen die 120 Abgeordneten der Knesset.
  • Die Wahllokale sollen um 21.00 Uhr MEZ schließen, erste Nachwahlprognosen werden danach erwartet.
  • Präsident Izchak Herzog beauftragt nach den offiziellen Ergebnissen einen Kandidaten mit der Regierungsbildung.
  • Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ruft seine Anhänger auf, zur Wahl zu gehen. Foto aktuell - Bild: Yonatan Sindel/Pool Flash90 via AP/dpa
  • Gadi Eisenkot, wichtigster Herausforderer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, kündigt im Fall einer Regierungsübernahme einen neuen Politikstil an. Foto aktuell - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa
  • Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnete sich eine hohe Beteiligung ab. Vielerorts bildeten sich vor den Wahllokalen Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa
  • Auch in der arabisch geprägten Stadt Taibe bildeten sich in Wahllokalen lange Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ruft seine Anhänger auf, zur Wahl zu gehen. Foto aktuell - Bild: Yonatan Sindel/Pool Flash90 via AP/dpa Gadi Eisenkot, wichtigster Herausforderer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, kündigt im Fall einer Regierungsübernahme einen neuen Politikstil an. Foto aktuell - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnete sich eine hohe Beteiligung ab. Vielerorts bildeten sich vor den Wahllokalen Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa Auch in der arabisch geprägten Stadt Taibe bildeten sich in Wahllokalen lange Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa

Israels Wähler entscheiden über die nächste Regierung

Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich eine hohe Beteiligung und ein enges Rennen zwischen dem Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinen politischen Gegnern ab. Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, die 120 Abgeordneten der Knesset zu bestimmen.

Die Abstimmung gilt als Schicksalswahl für die innenpolitische Ausrichtung des Landes, während ein grundlegender Kurswechsel in der Palästinenserpolitik unwahrscheinlich erscheint.

Hohe Beteiligung am Wahltag

Nach Angaben der zentralen Wahlkommission lag die Beteiligung um 13.00 Uhr MEZ bei 44,9 Prozent. Das waren sechs Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2022; vor Wahllokalen in Tel Aviv und in arabisch geprägten Städten bildeten sich lange Schlangen.

Medienberichten zufolge reisten mehr als 70.000 Israelis aus dem Ausland an, um ihre Stimme abzugeben. Netanjahu rief seine Anhänger auf der Plattform X zur Wahl auf und begründete dies mit einer aus seiner Sicht zu niedrigen Beteiligung im rechten Lager.

Auszählung zieht sich bis Donnerstag

Die Wahllokale sollen um 21.00 Uhr MEZ schließen. Danach werden erste Prognosen auf Grundlage von Nachwahlbefragungen erwartet.

Die Stimmen von Hunderttausenden Soldaten und Reservisten werden turnusmäßig erst ab Mittwoch ausgezählt. Mit vorläufigen Endergebnissen wird am Donnerstag gerechnet; die offiziellen Ergebnisse sollen acht Tage nach der Wahl veröffentlicht werden.

Koalitionsverhandlungen dürften schwierig werden

Letzten Umfragen vom Freitag zufolge zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahu und seinem wichtigsten Herausforderer Gadi Eisenkot ab. Eisenkot steht an der Spitze der Mitte-Partei Jaschar und war früher Militärchef.

Voraussichtlich wird keines der politischen Lager die für eine Regierungsbildung nötigen 61 Stimmen erreichen. Deshalb könnten lange Koalitionsverhandlungen folgen; auch eine Pattsituation mit einer Übergangsregierung ist möglich.

Sicherheits- und Demokratiethemen prägen Wahlkampf

Es ist die erste Wahl seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg. Nach der Wahl von 2022 bildete Netanjahu mit religiösen und rechtsextremen Kräften die bislang am weitesten rechts stehende Regierung in der Geschichte Israels.

Der umstrittene Umbau der Justiz und der Streit über die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe führten zu tiefen gesellschaftlichen Spaltungen und anhaltenden Massenprotesten. Im Wahlkampf ging es außerdem um Sicherheit, Demokratie und Netanjahus politische Verantwortung für den Terrorangriff.

Regierungswechsel hätte begrenzte Außenwirkung

Die meisten israelischen Oppositionsparteien lehnen ebenso wie Netanjahus Likud die Gründung eines palästinensischen Staates ab. Ein Regierungswechsel dürfte daher nicht automatisch eine grundlegende Änderung der Palästinenserpolitik bedeuten.

Beim Gaza-Plan könnten sich nach Einschätzung von Experten neue Fortschritte ergeben. Im Libanon-Konflikt hält auch Eisenkot daran fest, dass die Hisbollah zunächst entwaffnet werden müsse, bevor Israel seine Truppen aus dem Süden des Nachbarlandes abzieht.

Herzog erteilt Auftrag zur Regierungsbildung

Nach Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse beauftragt Präsident Izchak Herzog den Kandidaten mit den besten Aussichten auf eine Koalition. Dieser hat zunächst vier Wochen Zeit, eine Regierung zu bilden.

Die verzögerte Auszählung der Soldatenstimmen und die Stärke kleiner Parteien können dabei entscheidend sein. Bis zur Bildung einer neuen Regierung könnte Netanjahu im Fall eines Patts an der Spitze einer Übergangsregierung im Amt bleiben.

Die Wahl ist die erste landesweite Abstimmung Israels seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg. Damit verbindet sich die Entscheidung über die künftige Regierung unmittelbar mit Fragen der Sicherheits- und Kriegspolitik, zugleich aber auch mit dem Zustand der israelischen Demokratie.

Das israelische Wahlsystem erschwert klare Mehrheiten: Die Knesset umfasst 120 Sitze, für eine Regierungsbildung sind mindestens 61 Mandate nötig. Parteien müssen zudem die Sperrklausel von 3,25 Prozent überwinden. Selbst ein Vorsprung eines Lagers kann deshalb in langwierige Koalitionsverhandlungen münden.

Koalitionen entscheiden über den Ausgang

Im Zentrum stehen neben der Sicherheitslage Netanjahus Verantwortung für das Versagen vor dem Hamas-Angriff, der umstrittene Justizumbau und der Streit über die Wehrpflicht ultraorthodoxer Männer. Ein Regierungswechsel könnte den politischen Stil und den Umgang mit innenpolitischen Konflikten verändern, würde aber nicht automatisch einen grundlegenden Kurswechsel in der Palästinenserpolitik bedeuten.

Für die Nachwahlphase sind die verzögert ausgezählten Stimmen von Soldaten und Reservisten sowie die Position kleiner Parteien entscheidend. Präsident Izchak Herzog beauftragt anschließend den Kandidaten mit den besten Aussichten auf eine Koalition; bis zur Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse und darüber hinaus bleibt die Regierungsbildung ein mehrstufiger Prozess.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Israel wählt: Fünf Szenarien für die Regierungsbildung“ (27.10.2026)

Der Artikel ordne die Wahl über mehrere mögliche Koalitionsszenarien ein und verweise auf die Bedeutung der Sperrklausel von 3,25 Prozent. Damit liege der Schwerpunkt stärker auf dem Wahlsystem und der Regierungsbildung als auf der reinen Konfrontation zwischen den Spitzenkandidaten.

Frankfurter Rundschau: „Letzte Umfrage vor der Israel-Wahl sieht Verluste für Netanjahu“ (27.10.2026)

Die Frankfurter Rundschau habe die letzte Umfrage und den Druck auf Netanjahu in den Mittelpunkt gestellt. Sie bestätige damit die knappe Ausgangslage, setze den Akzent aber stärker auf mögliche Verluste des Regierungschefs als auf die hohe Wahlbeteiligung.

Übereinstimmend steht ein enges Rennen im Mittelpunkt. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung: Während ein Beitrag die komplizierte Mehrheitsbildung erklärt, betont der andere die Umfragewerte und Netanjahus politische Lage.

Disclaimer...
de | ausland | 70420654 |