Israel-Wahl: Likud liegt mit 25 Sitzen vor Eisenkot
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRegierungsbildung nach der Knesset-Wahl
- Likud erreichte laut Prognosen 24 bis 25 der 120 Parlamentssitze.
- Das Eisenkot-Lager lag zwei bis drei Mandate vor dem Netanjahu-Lager.
- Die offiziellen Wahlergebnisse sollen acht Tage nach der Abstimmung veröffentlicht werden.
Likud liegt vorn, Mehrheit bleibt offen
Bei der Parlamentswahl in Israel ist die rechtskonservative Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut Prognosen stärkste Kraft geworden. Die TV-Prognosen sehen Likud bei 24 bis 25 der 120 Sitze, während die Mitte-Partei Jaschar des früheren Militärchefs Gadi Eisenkot auf 21 bis 23 Mandate kommt.
Kein Lager erreicht die absolute Mehrheit
Weder Netanjahus Lager noch das Bündnis seiner politischen Gegner erreicht demnach die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Das Eisenkot-Lager liegt zwei bis drei Mandate vor dem Netanjahu-Lager, das auf 50 Sitze kommt.
Arabische Parteien könnten entscheidend werden
Die arabischen Parteien kommen den Prognosen zufolge auf 17 bis 18 Mandate. Rechnerisch wäre mit ihrer Unterstützung eine Mehrheit möglich, doch mehrere Parteien aus beiden Lagern lehnen eine Zusammenarbeit ab.
Eisenkot kündigte an, die Regierung Netanjahus ablösen zu wollen. Oppositionsführer Jair Lapid erklärte, der Netanjahu-Block habe eine vernichtende Niederlage erlitten.
Wahlbeteiligung erreicht hohen Zwischenstand
Bis 19.00 Uhr MEZ hatten 74,3 Prozent der rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt. Bei der vorherigen Wahl waren es zum gleichen Zeitpunkt 66,3 Prozent gewesen; insgesamt lag die Beteiligung damals bei 70,6 Prozent.
Wahl unter dem Eindruck des Gaza-Kriegs
Die Abstimmung war die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg. Im Mittelpunkt standen die Sicherheitslage, die Zukunft der Demokratie, der Justizumbau, die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer und Netanjahus politische Verantwortung.
Netanjahu, der seit Jahrzehnten die israelische Politik prägt, steht zudem wegen eines seit 2020 laufenden Korruptionsprozesses unter Druck. Er weist die Vorwürfe zurück. Gegen Eisenkot sprechen sich unter anderem die Ablehnung eines palästinensischen Staates und einer israelischen Wiederbesiedlung des Gazastreifens aus.
Endergebnis wird in den nächsten Tagen erwartet
Mit vorläufigen Ergebnissen wird am Donnerstag gerechnet. Die offiziellen Resultate sollen acht Tage nach der Wahl veröffentlicht werden; anschließend beauftragt Präsident Izchak Herzog den Kandidaten mit den besten Chancen auf eine Mehrheit mit der Regierungsbildung.
Die Wahl markiert den ersten landesweiten Urnengang seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg. Dadurch überlagern Sicherheitsfragen die klassischen innenpolitischen Konflikte, zugleich bleibt die persönliche Verantwortung Netanjahus für das Versagen vor dem Angriff ein zentrales Thema.
Die Prognosen zeigen ein fragmentiertes Parteiensystem. Selbst die stärkste Partei liegt deutlich unter der Schwelle von 61 Sitzen, die für eine eigene Mehrheit in der 120-köpfigen Knesset erforderlich wäre. Entscheidend werden deshalb Koalitionsverhandlungen und die Bereitschaft kleinerer Parteien, sich einem der beiden Lager anzuschließen.
Koalitionsbildung entscheidet über Regierungswechsel
Besondere Bedeutung haben die arabischen Parteien, deren Mandate rechnerisch eine Mehrheit ermöglichen könnten. Zugleich lehnen mehrere Parteien aus beiden Lagern eine Zusammenarbeit mit ihnen ab. Damit dürfte nicht allein die Stärke von Likud oder Jaschar über den künftigen Regierungschef entscheiden, sondern auch die Frage, welche Bündnisse politisch tragfähig sind.
Ein Regierungswechsel würde nach der dpa-Meldung nicht automatisch einen grundlegenden Kurswechsel in der Palästinenserpolitik bedeuten. Eisenkot gilt als sicherheitspolitisch konservativ und lehnt sowohl eine israelische Wiederbesiedlung des Gazastreifens als auch einen palästinensischen Staat ab.
Hohe Beteiligung erhöht politischen Druck
Die hohe Wahlbeteiligung unterstreicht die Mobilisierungskraft der Abstimmung. Für die nächste Regierung stehen neben dem Gaza-Krieg auch der umstrittene Justizumbau, die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer und Netanjahus Korruptionsprozess auf der Agenda.
Mit vorläufigen Endergebnissen wird am Donnerstag gerechnet; die offiziellen Ergebnisse sollen acht Tage nach der Wahl veröffentlicht werden. Erst danach wird Präsident Izchak Herzog den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Laut Prognosen keine klare Mehrheit bei Parlamentswahl in Israel“ (27.10.2026)
Der Beitrag bestätige, dass weder Netanjahu noch Eisenkot eine Mehrheit in der 120 Sitze umfassenden Knesset erreiche. Er konzentriere sich auf den fehlenden eindeutigen Wahlsieger und lasse die im dpa-Bericht genannten Mandatsspannen sowie die weiteren Koalitionsoptionen weitgehend offen.
Stern: „Israel: Bei Parlamentswahl liegt laut Prognose Netanjahu-Lager vorn“ (27.10.2026)
Der Artikel ordne Likud ebenfalls als stärkste Kraft und Jaschar als zweitstärkste Partei ein. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf die zuvor hohe Wahlbeteiligung und den erwarteten engen Wettbewerb; offen bleibe auch dort der Ausgang der Regierungsbildung.
Einigkeit bestehe über die führende Position des Likud und das Fehlen einer klaren Mehrheit. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von Wahlbeteiligung, Mandatszahlen und Koalitionsfragen.
