Israel-Wahl: Netanjahu-Lager führt mit 54 Sitzen
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 12:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheitsbildung in der Knesset
- Die Auszählung betrifft rund 77 Prozent der Stimmen aus der israelischen Parlamentswahl.
- Netanjahus Likud liegt mit 27 Sitzen vor Jaschar mit 22 Mandaten.
- Die arabischen Parteien erreichen zusammen 17 Sitze und könnten für eine Mehrheit entscheidend sein.
Netanjahu-Lager führt nach Auszählung von 77 Prozent
Nach der Parlamentswahl in Israel hat der rechtsreligiöse Block von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Auszählung von rund 77 Prozent der Stimmen seinen Vorsprung gefestigt. Eine klare Mehrheit erreicht das Lager aber nicht, sodass offenbleibt, wer künftig die Regierung stellen wird.
Likud stärkste Einzelpartei
Nach gegenwärtigem Stand kommt Netanjahus Lager auf 54 der 120 Sitze in der Knesset. Das gegnerische Lager von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot erreicht 49 Sitze; für eine Mehrheit sind 61 Mandate nötig.
Netanjahus Likud-Partei wird mit 27 Parlamentssitzen stärkste Kraft. Dahinter liegt Eisenkots Mitte-Partei Jaschar mit 22 Sitzen.
Arabische Parteien könnten entscheidend werden
Die arabischen Parteien kommen nach dem Zwischenstand zusammen auf 17 Sitze. Eisenkot wäre für die Bildung einer Regierung auf ihre Unterstützung angewiesen, was mehrere Oppositionsparteien bislang ablehnen.
Netanjahu rief zur Bildung einer starken rechtsgerichteten Regierung ohne Beteiligung der arabischen Parteien auf. Wie die Koalitionsgespräche verlaufen und wer den künftigen Ministerpräsidenten stellen wird, ist noch ungewiss.
Das Ergebnis zeichnet ein Parlament ohne klare Mehrheitsachse. Zwar liegt das rechtsreligiöse Bündnis von Benjamin Netanjahu vorn, doch fehlen ihm nach dem Zwischenstand sieben Sitze zur absoluten Mehrheit von 61 Mandaten.
Damit hängt die Regierungsbildung von Verhandlungen zwischen mehreren Parteien ab. Netanjahus Lager müsste zusätzliche Abgeordnete gewinnen oder eine tragfähige Vereinbarung mit politischen Kräften außerhalb des bisherigen Bündnisses schließen. Gadi Eisenkots Mitte-Partei steht vor einem ähnlichen Problem: Für einen Machtwechsel wäre die Opposition auf arabische Parteien angewiesen, deren Unterstützung mehrere Oppositionsparteien bislang ablehnen.
Koalitionen werden entscheidend
Die Zahlen können sich bis zum Abschluss der Auszählung noch verändern. Politisch entscheidend ist jedoch schon jetzt, dass keine Seite eine eigene Mehrheit erreicht und die arabischen Parteien mit zusammen 17 Sitzen eine wichtige Rolle bei möglichen Mehrheitsbildungen spielen.
Für Israel bedeutet der Zwischenstand zunächst eine Phase politischer Unsicherheit. Netanjahus Forderung nach einer starken rechten Regierung ohne arabische Beteiligung schränkt den Kreis möglicher Partner ein, während Eisenkot zwischen einem Regierungsbündnis und einer von arabischen Parteien gestützten Lösung abwägen müsste.
Auswirkungen über die Koalitionsfrage hinaus
Die Regierungsbildung wird auch die künftige innen- und außenpolitische Linie Israels prägen. Besonders bei Sicherheits-, Sozial- und Minderheitenfragen könnten die Koalitionsverhandlungen deshalb über die personelle Besetzung des Ministerpräsidentenamts hinausweisen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Wahl in Israel: Netanjahu fordert starke rechte Regierung“ (28.10.2026)
Der Liveblog ordnet den Wahlausgang als Patt ohne klaren Sieger ein und berichtet über Netanjahus Forderung nach einer Regierung ohne arabische Parteien. Einen anderen Schwerpunkt setzt er auf Reaktionen aus Opposition und Ausland sowie auf die schwierige Suche nach einer Koalition.
stern: „Wahl in Israel: Netanjahu-Lager liegt vorn“ (28.10.2026)
Der Artikel bestätigt den Vorsprung des Netanjahu-Lagers ohne Mehrheit und hebt die schwierige Regierungsbildung hervor. Anders als der Zwischenstand der dpa-Meldung beschreibt der Beitrag einen früheren Auszählungsstand und stellt mögliche Koalitionsmodelle mit arabischen Parteien stärker heraus.
Einigkeit besteht über den Vorsprung von Netanjahus Lager und das Fehlen einer eigenen Mehrheit. Unterschiede ergeben sich vor allem aus dem jeweiligen Auszählungsstand und der Gewichtung möglicher Koalitionsvarianten.
