Israel-Wahl, Benjamin Netanjahu

Israel-Wahl: Netanjahu-Lager verfehlt mit 53 Sitzen Mehrheit

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 23:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Israels Knesset steht nach der AuszĂ€hlung vor einer schwierigen Regierungsbildung. Beide politischen Lager mĂŒssen fĂŒr eine Mehrheit von 61 Sitzen Partner gewinnen, wobei besonders die arabischen Parteien eine SchlĂŒsselrolle spielen.

Mandate und Bedingungen der Koalitionssuche

  • Die Likud-Partei bleibt mit 27 Mandaten stĂ€rkste Kraft, verliert aber fĂŒnf Sitze.
  • Die arabischen Parteien gewinnen zusammen 19 Mandate nach zehn Sitzen im Jahr 2022.
  • Eisenkot verlangt von möglichen Partnern ein Bekenntnis zu Staat, Dienstpflicht und Hamas-Einstufung.
Das Lager von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu liegt nach der AuszÀhlung aller Stimmen vorn, verfehlt aber wie auch das Lager seines Gegenspielers die Mehrheit im Parlament. (Archivbild) - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa

Israels Knesset steht vor schwieriger Regierungsbildung

Nach AuszĂ€hlung aller Stimmen haben bei der Parlamentswahl in Israel sowohl die Regierungskoalition von Benjamin Netanjahu als auch das Oppositionslager von Gadi Eisenkot eine absolute Mehrheit verfehlt. Die Zentrale Wahlkommission teilte in der Nacht mit, dass die bisherige Koalition auf 53 Sitze kommt, wĂ€hrend das OppositionsbĂŒndnis 48 Mandate erreicht.

Likud bleibt stÀrkste Partei

FĂŒr eine Mehrheit in der Knesset sind 61 Sitze erforderlich. Die rechtskonservative Likud-Partei von MinisterprĂ€sident Netanjahu verliert fĂŒnf Sitze, bleibt mit 27 Mandaten aber stĂ€rkste Kraft.

Als zweitstĂ€rkste Partei geht den Angaben zufolge Eisenkots neu gegrĂŒndete Mitte-Partei Jaschar mit 21 Sitzen aus der Wahl hervor. Das Ergebnis fĂŒhrt zu einem Patt im Parlament.

Arabische Parteien könnten entscheiden

Um die notwendige Mehrheit zu erreichen, wĂ€re Eisenkots Oppositionslager rechnerisch auf die UnterstĂŒtzung vorwiegend arabischer Parteien angewiesen. Diese kommen zusammen auf 19 Mandate und erzielten damit ein historisch gutes Ergebnis; 2022 hatten sie zehn Sitze erreicht.

Eisenkot stellt Bedingungen

Innerhalb der Opposition gibt es Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit arabischen Vertretern. Eisenkot knĂŒpft eine Regierungsbildung an die Bedingung, dass mögliche Partner den jĂŒdischen und demokratischen Charakter Israels anerkennen, eine allgemeine Dienstpflicht akzeptieren und die islamistische Hamas als Terrororganisation einstufen.

Das Wahlergebnis verschiebt die politische Statik Israels deutlich: Netanjahus bisherige Koalition verliert ihre Mehrheit und kommt nur noch auf 53 Sitze. Zugleich erreicht das Oppositionslager um Gadi Eisenkot trotz seines starken Abschneidens keine eigene Regierungsmehrheit.

FĂŒr die Bildung einer Koalition sind 61 der 120 Knesset-Mandate nötig. Rechnerisch könnten die 19 Sitze der vorwiegend arabischen Parteien den Ausschlag geben. Ihre UnterstĂŒtzung wĂ€re fĂŒr Eisenkots Lager jedoch an politische Bedingungen und innerhalb der Opposition an erhebliche Vorbehalte gebunden.

Schwierige Mehrheitsbildung

Besonders anspruchsvoll ist Eisenkots Forderung, dass mögliche Partner den jĂŒdischen und demokratischen Charakter Israels, eine allgemeine Dienstpflicht und die Einstufung der Hamas als Terrororganisation anerkennen. Diese Bedingungen erschweren eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien, die fĂŒr eine Mehrheit rechnerisch notwendig wĂ€re.

Auch Netanjahu steht vor einer schwierigen Aufgabe. Seine bisherige Koalition verliert elf Sitze gegenĂŒber 2022, wĂ€hrend der Likud zwar stĂ€rkste Einzelpartei bleibt, aber selbst deutlich unterhalb der Mehrheitsmarke liegt. Damit könnte die Regierungsbildung von Verhandlungen ĂŒber einzelne Abgeordnete, parteiĂŒbergreifenden Absprachen oder einer breiteren Koalition geprĂ€gt werden.

Bedeutung fĂŒr die Politik

Das Patt dĂŒrfte zentrale innenpolitische Fragen wie die Wehrpflicht, das VerhĂ€ltnis zu arabischen Parteien und den Umgang mit der Hamas in den Mittelpunkt rĂŒcken. Solange keine tragfĂ€hige Mehrheit zustande kommt, bleibt offen, wer die nĂ€chste Regierung fĂŒhrt und wie stabil sie sein kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Wahlen in Israel 2026: Netanjahu und Eisenkot suchen Partner“ (29.10.2026)

Der Artikel ordne das Ergebnis als Patt ein und stelle die anstehende Suche beider Lager nach Koalitionspartnern in den Mittelpunkt. Einen anderen Akzent setze er mit dem Vorwurf, Gegner hÀtten Netanjahu Angstmache vorgeworfen.

Bayerischer Rundfunk: „Israel-Wahl: Netanjahu ohne Mehrheit, Eisenkot verpasst Sieg“ (28.10.2026)

Der Beitrag hebe hervor, dass Eisenkots Lager mit 48 Mandaten ebenfalls keine Regierungsmehrheit erreicht habe. Damit bestÀtige er den gemeinsamen Kern des Ergebnisses, wÀhrend die dpa-Meldung zusÀtzlich die Sitzverteilung der bisherigen Koalition und die Bedingungen Eisenkots nenne.

Beide BeitrĂ€ge stellten heraus, dass kein Lager allein regieren könne. Offen bleibe, ob Netanjahu oder Eisenkot die erforderlichen Partner fĂŒr mindestens 61 Sitze finde.

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