Israel-Wahl: Netanjahu liegt mit 53 Sitzen vor Eisenkot
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 03:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHerzog entscheidet ĂŒber den nĂ€chsten Auftrag
- Netanjahus Lager kommt nach rund 90 Prozent AuszÀhlung auf 53 der 120 Parlamentssitze.
- Eisenkots BĂŒndnis erreicht 48 Sitze und will eine zionistische Regierung mit allgemeinerer Wehrpflicht bilden.
- Nach dem endgĂŒltigen Ergebnis beauftragt StaatsprĂ€sident Izchak Herzog einen Abgeordneten mit der Regierungsbildung.
Israel sucht nach der Wahl eine Regierungsmehrheit
Israels MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu und sein Herausforderer Gadi Eisenkot suchen nach der Parlamentswahl erste Koalitionspartner. Netanjahus rechtsreligiöses Lager liegt nach der AuszÀhlung der meisten Stimmen vorn, verfehlt aber bislang eine klare Mehrheit.
Netanjahu spricht mit bisherigen Partnern
Netanjahu habe bereits mit Bezalel Smotrich vom Religiösen Zionismus und Itamar Ben-Gvir von Ozma Jehudit gesprochen. Beide Parteien gehören der bisherigen Regierung an; weitere GesprÀche mit ultraorthodoxen Parteien sollen folgen.
Nach AuszĂ€hlung von rund 90 Prozent der Stimmen kommt Netanjahus Lager auf 53 der 120 Sitze. Das mehrere Parteien umfassende Lager des frĂŒheren MilitĂ€rchefs Eisenkot erreicht 48 Sitze.
Eisenkot wirbt fĂŒr politischen Wandel
Eisenkot bekrĂ€ftigte auf der Plattform X seinen Willen, eine âzionistische Regierungâ zu bilden. Dazu gehöre eine Wehrpflicht auch fĂŒr ultraorthodoxe MĂ€nner, ein seit Jahren umstrittenes Thema.
Er erklĂ€rte, die WĂ€hler hĂ€tten der fĂŒr Wehrdienstverweigerung und das Massaker vom 7. Oktober 2023 verantwortlichen Regierung ihr Misstrauen ausgesprochen. Zugleich verwies er auf zahlreiche GesprĂ€che und die Verantwortung, die er nach eigener Darstellung spĂŒre.
Arabische Parteien werden zum Machtfaktor
Netanjahus Likud verlor im Vergleich zur Wahl im November 2022 einige Sitze, blieb aber stÀrkste Einzelkraft vor Eisenkots Mitte-Partei Jaschar. Die arabischen Parteien kamen zusammen auf 19 Sitze.
Der frĂŒhere MinisterprĂ€sident Ehud Olmert sagte dem ZDF, die entscheidende Frage sei, ob das OppositionsbĂŒndnis auf die arabischen Parteien zugehe. Diese seien nach seiner EinschĂ€tzung bereit, Teil einer israelischen Regierung zu werden.
Likud erhebt VorwĂŒrfe gegen arabische Parteien
Der Likud warf arabischen Parteien Wahlbetrug, Bestechung, Drohungen, Gewalt, FĂ€lschungen und den Einsatz verbotener Software vor. Die Partei ĂŒbermittelte nach eigenen Angaben der Polizei, dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet und dem Zentralen Wahlkomitee Hunderte Zeugenaussagen und Beweise.
Das Zentrale Wahlkomitee soll die Beschwerde prĂŒfen. Die ĂberprĂŒfung von Eingaben zu möglichen UnregelmĂ€Ăigkeiten gehört zum regulĂ€ren Verfahren nach einer Wahl.
Herzog muss Regierungsauftrag vergeben
Das endgĂŒltige amtliche Wahlergebnis muss spĂ€testens acht Tage nach der Wahl vorliegen. Danach konsultiert StaatsprĂ€sident Izchak Herzog die im Parlament vertretenen Parteien und beauftragt einen Abgeordneten mit der Regierungsbildung.
Herzog rief dazu auf, eine Neuwahl wegen der Patt-Situation zu vermeiden. Netanjahu warnte zugleich vor der Gefahr durch Iran und erklĂ€rte, Israel mĂŒsse die Bedrohung gemeinsam mit den USA endgĂŒltig beseitigen.
Das Wahlergebnis schafft ein kompliziertes KrĂ€fteverhĂ€ltnis im israelischen Parlament. Nach der AuszĂ€hlung von rund 90 Prozent der Stimmen liegen Netanjahus Lager und das BĂŒndnis um Eisenkot deutlich unter der Marke von 61 Sitzen, die fĂŒr eine eigenstĂ€ndige Mehrheit in der 120 Sitze umfassenden Knesset erforderlich ist.
Damit gewinnen kleinere Parteien und insbesondere die arabischen Fraktionen an Gewicht. Ihre 19 Sitze könnten fĂŒr die Regierungsbildung entscheidend sein, zugleich erschweren politische GegensĂ€tze eine Zusammenarbeit. Netanjahu hat eine von arabischen Parteien gestĂŒtzte Regierung ausgeschlossen, wĂ€hrend Eisenkot eine zionistische Regierung mit einer Reform der Wehrpflicht anstrebt.
Koalitionssuche unter Zeitdruck
Der weitere Ablauf folgt festen verfassungsrechtlichen Schritten: Nach dem amtlichen Endergebnis konsultiert StaatsprĂ€sident Izchak Herzog die Parteien und beauftragt einen Abgeordneten mit der Regierungsbildung. Entscheidend ist dabei nicht allein die StĂ€rke des gröĂten Lagers, sondern die Aussicht, eine tragfĂ€hige Koalition zu bilden.
Die Lage kann deshalb in lĂ€ngere Verhandlungen mĂŒnden. FĂŒr Israel betrifft der Ausgang nicht nur die innenpolitische Ausrichtung, sondern auch den Umgang mit der Wehrpflicht, das VerhĂ€ltnis zwischen jĂŒdischen und arabischen BĂŒrgern sowie die Sicherheits- und Iranpolitik. Die von Likud erhobenen BetrugsvorwĂŒrfe erhöhen den politischen Druck; das Zentrale Wahlkomitee soll die Beschwerde im regulĂ€ren Verfahren prĂŒfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âIsrael - Eine Nacht ohne klaren Gewinnerâ (28.10.2026)
Der Beitrag beschreibt ebenfalls ein Patt ohne Mehrheit von 61 Sitzen und hebt die mögliche SchlĂŒsselrolle der arabischen Parteien hervor. Anders als die dpa-Meldung fokussiert er stĂ€rker auf die Gefahr einer monatelangen politischen Blockade und auf Netanjahus Ablehnung einer Koalition mit arabischen Parteien.
Frankfurter Rundschau: âWie weiter in Israel? Wahl-Patt zwischen Eisenkot und Netanjahuâ (28.10.2026)
Der Artikel ordnet die vorlÀufigen SitzstÀnde und die Bedeutung der Sperrklausel ein. Er bestÀtigt die schwierige Mehrheitsbildung, setzt aber einen anderen Schwerpunkt auf Wahlbeteiligung, noch nicht verteilte Stimmen und die Rolle der arabischen Parteien.
Beide BeitrÀge beschreiben ein Parlament ohne klaren Regierungsauftrag. Offen bleibt, welche Parteien sich nach dem amtlichen Endergebnis auf eine mehrheitsfÀhige Koalition verstÀndigen können.
