Hamas, Geisel-Deal

Hamas fordert vor neuem Geisel-Deal Abzug Israels

25.01.2024 - 14:51:34 | dpa.de

Israel will die Geiseln aus der Gewalt der Hamas befreien, doch die Verhandlungen stocken. Die heftigen KĂ€mpfe im Gebiet von Chan Junis gehen weiter, Anwohner sind auf der Flucht. Der Überblick.

  • PalĂ€stinenser inspizieren nach einem israelischen Angriff die SchĂ€den an einem zerstörten GebĂ€ude in Rafah. - Foto: Mohammed Talatene/dpa
  • Israelische StreitkrĂ€fte bewegen sich in der NĂ€he der Grenze zum Gazastreifen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
PalÀstinenser inspizieren nach einem israelischen Angriff die SchÀden an einem zerstörten GebÀude in Rafah. - Foto: Mohammed Talatene/dpa Israelische StreitkrÀfte bewegen sich in der NÀhe der Grenze zum Gazastreifen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Die islamistische PalĂ€stinenserorganisation Hamas fordert vor jeglicher Einigung auf einen neuen Deal zur Freilassung weiterer Geiseln einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen. Hamas-Sprecher Ghasi Hamad sagte der Deutschen Presse-Agentur zudem, die Verhandlungen unter Vermittlung von Katar, Ägypten und der USA seien zuletzt nur sehr schleppend verlaufen.

Aus Hamas-Kreisen in Beirut verlautete, der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu lehne eine Waffenruhe als ersten Schritt ab. Die Hamas habe dagegen einen Vorschlag Israels ĂŒber die Ausreise der Hamas-FĂŒhrung aus dem Gazastreifen im Rahmen einer Verhandlungslösung zurĂŒckgewiesen.

Mehrere Medien hatten zuletzt ĂŒber Hoffnungen auf einen weiteren Deal zur Freilassung von Geiseln im Gegenzug fĂŒr palĂ€stinensische HĂ€ftlinge und eine lĂ€ngere Feuerpause berichtet. Am Mittwoch forderten bei einer ungewöhnlichen Protestaktion im Gazastreifen Dutzende palĂ€stinensische Demonstranten eine Freilassung der Geiseln, um ein Ende des Krieges herbeizufĂŒhren.

Im Laufe einer einwöchigen Waffenruhe Ende November hatte die Hamas 105 Geiseln freigelassen. Im Gegenzug entließ Israel 240 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus GefĂ€ngnissen. Nach israelischen Informationen sind von zuletzt mehr als 130 Geiseln nur noch etwas ĂŒber 100 am Leben. Unter den Geiseln sind demnach neben zwei Kindern auch 18 Frauen und eine 13-JĂ€hrige.

Netanjahu nennt Katar «problematisch»

Äußerungen von Netanjahu bei einem Treffen mit Angehörigen von Geiseln sorgten bei der vermittelnden Regierung in Katar fĂŒr Verstimmung. Tonaufnahmen bei dem Treffen waren an einen israelischen TV-Sender durchgestochen worden. Netanjahu hatte die Rolle des Golfstaats bei Verhandlungen mit der Hamas ĂŒber eine Freilassung weiterer Geiseln demnach als «problematisch» bezeichnet.

Ein Sprecher des Außenministeriums von Katar schrieb auf der Plattform X, vormals Twitter, man sei «entsetzt» ĂŒber die mutmaßlichen Äußerungen Netanjahus. Sie seien «verantwortungslos und zerstörerisch mit Blick auf die BemĂŒhungen, unschuldige Leben zu retten, aber nicht ĂŒberraschend», so der Vertreter Katars. Er warf Netanjahu vor, den Verhandlungsprozess zu untergraben, «aus GrĂŒnden, die offenbar seiner politischen Karriere dienen, anstatt der Rettung unschuldiger Leben, auch von israelischen Geiseln, höchste PrioritĂ€t zu verleihen».

Netanjahu hatte den Berichten zufolge gesagt, Katar sei «grundsĂ€tzlich nicht anders» als die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz «und in manchen Aspekten sogar noch problematischer». Israel wirft den beiden internationale Organisationen vor, Israel auf unfaire Weise anzuprangern und stattdessen aufseiten der PalĂ€stinenser zu stehen. Netanjahu habe auch Ärger darĂŒber geĂ€ußert, dass die USA ihre PrĂ€senz auf einer MilitĂ€rbasis nahe Doha verlĂ€ngert haben.

Mindestens zwölf Tote bei Vorfall in UN-Einrichtung in Gaza

Die Zahl der Todesopfer in einer UN-Einrichtung im SĂŒden des Gazastreifens ist indessen auf zwölf gestiegen. 75 Menschen seien verletzt worden, als das GebĂ€ude in der Stadt Chan Junis am Vortag von zwei Panzergeschossen getroffen worden sei, teilte der Gaza-Direktor des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA, Thomas White, weiter mit. Anschließend sei in dem Zentrum, in dem Tausende von BinnenflĂŒchtlingen Schutz gesucht hĂ€tten, ein Brand ausgebrochen. Nach Angaben einer Sprecherin handelt es sich um ein Berufsausbildungszentrum der Vereinten Nationen fĂŒr junge PalĂ€stinenser.

White schrieb nicht, wer die Einrichtung angegriffen hatte. Augenzeugen sagten der Deutschen Presse-Agentur, der Brand sei durch israelische Bombardierungen verursacht worden. Israels Armee teilte dagegen mit, sie schließe derzeit aus, dass der Vorfall auf einen israelischen Luft- oder Artillerieangriff zurĂŒckzufĂŒhren sei. Eine Untersuchung laufe. Die Armee prĂŒft demnach auch, ob es sich um einen Beschuss der islamistischen Hamas handeln könnte.

White sprach von inakzeptablen Angriffen auf zivile Einrichtungen in Chan Junis und forderte, diese mĂŒssten enden. Wegen heftiger KĂ€mpfe in der NĂ€he von KrankenhĂ€usern und Schutzeinrichtungen steckten die Menschen dort fest, und lebensrettende EinsĂ€tze wĂŒrden behindert. Die KrankenhĂ€user Nasser und Al-Amal seien umstellt, medizinisches Personal und Patienten seien in höchster Angst.

Die israelische Armee teilte mit, Soldaten hĂ€tten im Gebiet von Chan Junis militĂ€rische Einrichtungen angegriffen und extremistische KĂ€mpfer getötet. Im Gebiet von Al-Amal hĂ€tten ScharfschĂŒtzen «Terroristen ausgeschaltet und ihre Infrastruktur und Waffen in dem Bereich demontiert». Israel wirft der Hamas immer wieder vor, KrankenhĂ€user fĂŒr militĂ€rische Zwecke zu nutzen. Die Hamas dementiert dies. Freigelassene Geiseln hatten auch berichtet, sie seien in RĂ€umen in KrankenhĂ€usern festgehalten worden.

Israel ruft weitere Einwohner von Chan Junis zur Flucht auf

Die Armee ruft weitere Einwohner der umkĂ€mpften Stadt Chan Junis im sĂŒdlichen Gazastreifen zur Flucht auf. Die Menschen aus vier Stadtvierteln sollten sich in eine ausgewiesene sichere Zone am Mittelmeer begeben, teilte ein Sprecher der Armee auf der Plattform X mit.

Die Vereinten Nationen bemÀngeln allerdings, es gebe wegen der heftigen KÀmpfe und fortwÀhrenden israelischen Angriffe keine sicheren Gebiete mehr im Gazastreifen.

Der MilitĂ€rsprecher kĂŒndigte zudem jeweils vierstĂŒndige Kampfpausen am Donnerstag, Freitag und Samstag an - in Deir al-Balah im zentralen Abschnitt des Gazastreifens sowie in Rafah an der Grenze zu Ägypten. Dies solle die Versorgung der Menschen erleichtern. Helfer warnen vor einer Hungersnot im umkĂ€mpften Gazastreifen.

Das israelische MilitĂ€r und palĂ€stinensische Gesundheitsdienste berichten von weiteren schweren KĂ€mpfen im Westen der Stadt Chan Junis. Israelische Einheiten hĂ€tten die Umgebung des Amal-Krankenhauses bombardiert und beschossen, teilte der PalĂ€stinensische Rote Halbmond am Donnerstag mit. Das Spital sei völlig umstellt. RettungskrĂ€fte und Hilfesuchende könnten es nicht mehr erreichen. Auch in der Umgebung des Nasser-Krankenhaus trieb das israelische MilitĂ€r Augenzeugen zufolge seine VorstĂ¶ĂŸe intensiv voran. Tausende Menschen seien auf der Flucht.

USA und Großbritannien verhĂ€ngen Sanktionen gegen Huthi-Miliz

Die USA und Großbritannien verhĂ€ngen Sanktionen gegen vier hochrangige Mitglieder der Huthi-Miliz im Jemen. Die anhaltenden TerroranschlĂ€ge der Huthi auf Handelsschiffe im Roten Meer und im Golf von Aden drohten internationale Lieferketten und die Freiheit der Schifffahrt zu stören, teilte das US-Finanzministerium in Washington mit. «Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, den internationalen Handel zu schĂŒtzen.»

Einer der von den Sanktionen Betroffenen sei der sogenannte Verteidigungsminister der Huthi, ein anderer sei fĂŒr die AusfĂŒhrung der Angriffe auf Handelsschiffe verantwortlich, so die US-Regierung.

Demonstranten fordern zu Ende des Kriegs auf

Einwohner des Gazastreifens haben gegen den Krieg zwischen Israel und der Islamistenorganisation Hamas in dem KĂŒstenstreifen demonstriert. Augenzeugen sagten der dpa, Dutzende seien in der im SĂŒden des PalĂ€stinensergebiets gelegenen Stadt Chan Junis zu einer Kundgebung gekommen, die israelische Zeitung «Haaretz» meldete Hunderte Teilnehmer.

Die Menschen hĂ€tten beide Parteien aufgefordert, die KĂ€mpfe einzustellen, berichtete das Blatt weiter. Demnach forderten die PalĂ€stinenser Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu und den Hamas-AnfĂŒhrer im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, mit Sprechchören zu einem Waffenstillstand auf.

Ein israelischer Armeesprecher sowie die «Haaretz» veröffentlichten Videos, die etliche Demonstranten, vor allem Jungen und MĂ€nner, bei einem Protestzug zeigen soll. Die Angaben ließen sich allesamt zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

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