Italien Bab al-Mandab: Fregatte schützt Frachter Jolly Oro
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 16:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Italien hat angesichts wachsender Spannungen in der Meerenge Bab al-Mandab erstmals ein Handelsschiff mit einer Militärfregatte durch die Gewässer eskortiert.
Fregatte begleitet Frachter einer italienischen Reederei
Nach Angaben der italienischen Marine sicherte die Fregatte "Carlo Bergamini" die Durchfahrt des Frachters "Jolly Oro" einer italienischen Reederei auf dessen Fahrt Richtung Norden ab. Das Kriegsschiff ist in der Region im Rahmen einer europäischen Mission im Einsatz. Die Eskortfahrt verlief laut Marine ohne Zwischenfälle.
Regierung handelt ohne EU-Entscheidung
Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte erst am Vorabend angekündigt, die Durchfahrt italienischer Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab mit Hilfe der Marine zu gewährleisten. Italien wollte dabei nicht auf eine abgestimmte Entscheidung der Europäischen Union warten. Verteidigungsminister Guido Crosetto betonte, das Land verfüge über die Fähigkeiten, die Passagen zu schützen, und warnte vor bürokratischen Verzögerungen in einer ohnehin komplexen Lage.
Schlüsselroute des Welthandels unter Druck
Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und bildet eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Asien. In der vergangenen Woche hatte die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz in einer Blitzoffensive die gesamte Westküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und strategisch gelegene Inseln erobert. Damit hat sie praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die Meerenge – ein erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr.
Strategische Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab
Die Entscheidung Italiens, ein Handelsschiff mit einer Fregatte durch die Meerenge Bab al-Mandab zu geleiten, unterstreicht die hohe strategische Bedeutung dieses Seewegs für den internationalen Handel. Die Verbindung zwischen Rotem Meer und Golf von Aden ist ein zentrales Nadelöhr für den Warenverkehr zwischen Europa und Asien. Störungen an dieser Stelle können Lieferketten empfindlich treffen, Frachtrouten verlängern und Kosten für Reedereien und damit letztlich für Verbraucher erhöhen.
Reaktion auf neue Machtverhältnisse im Jemen-Konflikt
Die jüngsten Geländegewinne der Huthi-Miliz entlang der jemenitischen Westküste und auf strategisch wichtigen Inseln verschieben das militärische und politische Kräfteverhältnis in der Region deutlich. Wenn eine bewaffnete, mit dem Iran verbündete Gruppierung nahezu uneingeschränkten Zugriff auf eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt erhält, wächst die Sorge vor Blockaden, Angriffen auf Handelsschiffe oder politischer Einflussnahme auf den Seehandel. Für Länder wie Italien, deren Wirtschaft stark vom reibungslosen Seehandel abhängt, entsteht damit unmittelbarer Handlungsdruck, die Sicherheit eigener Schiffe aktiv zu gewährleisten.
Europäische Dimension und mögliche Folgen für Reedereien
Dass Rom ausdrücklich nicht auf eine gemeinsame Entscheidung der Europäischen Union wartet, verweist auf Spannungen zwischen nationalen Sicherheitsinteressen und europäischer Abstimmung. Sollte sich die Lage im Bab al-Mandab weiter zuspitzen, könnten weitere EU-Staaten dem italienischen Beispiel folgen und eigene Marinekräfte entsenden oder bestehende Missionen ausweiten. Für internationale Reedereien steht im Raum, ob Routen über das Rote Meer dauerhaft mit militärischer Begleitung gefahren werden müssen oder ob der Verkehr großflächig auf alternative Strecken umgeleitet wird, etwa rund um das Kap der Guten Hoffnung – mit deutlichen Folgen für Transitzeiten und Kosten.
