Giorgia Meloni, Proteste in Italien

Italien: Über 200.000 protestieren gegen Meloni und Inflation

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 17:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Mehr als 200.000 Menschen demonstrieren in Italien gegen die Regierung von Giorgia Meloni. Die Proteste richten sich vor allem gegen hohe Preise, niedrige Löhne und die Ausgaben für Rüstung; zugleich kommt es vereinzelt zu Auseinandersetzungen.

Italiens Protesttag verbindet soziale Forderungen

  • Die Gewerkschaft USB organisierte Kundgebungen in mehr als 50 italienischen Städten.
  • In Rom und Bologna wurden jeweils etwa 50.000 Teilnehmer gezählt.
  • Verkehrsminister Matteo Salvini untersagte Streiks im Transportbereich vor Allerheiligen.
  • Aus Sorge vor Krawallen ist die Polizei im Großeinsatz. - Bild: Luca Bruno/AP/dpa
  • In Rom zog der Protestzug vors Kolosseum. - Bild: Valentina Stefanelli/LaPresse via AP/dpa
  • Mehr als 100.000 Menschen protestieren in Italien gegen die Meloni-Regierung. - Bild: Antonio Calanni/AP/dpa
Aus Sorge vor Krawallen ist die Polizei im Großeinsatz. - Bild: Luca Bruno/AP/dpa In Rom zog der Protestzug vors Kolosseum. - Bild: Valentina Stefanelli/LaPresse via AP/dpa Mehr als 100.000 Menschen protestieren in Italien gegen die Meloni-Regierung. - Bild: Antonio Calanni/AP/dpa

Proteste gegen Meloni erreichen viele italienische Städte

In Italien sind mehr als 200.000 Menschen gegen die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf die Straße gegangen. Die größten Kundgebungen mit jeweils etwa 50.000 Teilnehmern gab es nach unabhängigen Schätzungen in Rom und Bologna.

USB ruft landesweit zu Kundgebungen auf

Im Rahmen eines Protesttags der Gewerkschaft USB fanden in mehr als 50 Städten Versammlungen statt. Die Gewerkschaft sprach von mehr als einer Million Teilnehmern landesweit; Behörden oder andere Stellen bestätigten diese Zahl nicht.

Auch in Mailand, Neapel und Turin versammelten sich Zehntausende. Wie bei früheren Protesten beteiligten sich vielerorts Schüler und Studierende. Parallel kam es in Bereichen wie Nahverkehr und Gesundheitswesen zu Arbeitsniederlegungen.

Polizei verhindert zunächst größere Krawalle

Wegen befürchteter Ausschreitungen waren die Sicherheitskräfte im Großeinsatz. Die meisten Kundgebungen verliefen zunächst friedlich, in Turin kam es jedoch zu Rangeleien zwischen Demonstrierenden und der Polizei.

In Rom flogen Molotow-Cocktails am Kolosseum. Auch in anderen Städten gab es vereinzelt Auseinandersetzungen. Das Ausmaß blieb jedoch deutlich hinter den Demonstrationen zwei Wochen zuvor zurück, bei denen allein in Mailand mehr als 200 Sicherheitskräfte verletzt worden waren.

Inflation steigt auf 5,4 Prozent

Der Protest richtet sich vor allem gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Nach vorläufigen Berechnungen lag die Inflationsrate in Italien im Oktober bei 5,4 Prozent und damit so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.

Die Demonstrierenden machen Melonis Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien außerdem für niedrige Löhne und hohe Rüstungsausgaben verantwortlich. Sie fordern Gegenmaßnahmen sowie mehr Geld für Schulen und Universitäten. Auf Transparenten standen Forderungen wie „Legt die Waffen nieder, hebt die Löhne an“ und „Nein zur Kriegswirtschaft“.

Streik im Transportbereich untersagt

Die angekündigten Auswirkungen auf den Nah- und Fernverkehr blieben begrenzt. Verkehrsminister Matteo Salvini hatte Streiks in Transportbereichen wegen des bevorstehenden Feiertags Allerheiligen am 1. November per Anordnung verboten.

In Rom zogen Demonstrierende deshalb vor das Verkehrsministerium. In zahlreichen Städten verstärkten die Behörden die Kontrollen, um Ausschreitungen zu verhindern.

Parlamentswahl steht im kommenden Jahr an

In Italien wird im kommenden Jahr ein neues Parlament gewählt, ein genauer Termin steht noch nicht fest. Meloni regiert seit 2022; ihre Partei Fratelli d’Italia liegt in den Umfragen vorn.

Gleichzeitig halten sich das rechte und das linke Lager insgesamt etwa die Waage. Zusätzlich steht Meloni durch die weiter rechts stehende Partei Futuro Nazionale unter Druck.

Die Proteste treffen Italien in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Die vorläufige Inflationsrate von 5,4 Prozent erhöht den Druck auf Haushalte, Beschäftigte und die Regierung, weil steigende Preise den realen Wert von Löhnen und Sozialleistungen mindern.

Im Zentrum des Unmuts stehen neben den Lebenshaltungskosten auch niedrige Löhne, begrenzte Investitionen in Bildung und die hohen staatlichen Ausgaben für Verteidigung. Damit verbinden die Demonstrierenden soziale und außenpolitische Kritik. Die Beteiligung von Schülern und Studierenden zeigt, dass die Auseinandersetzung über die unmittelbare Teuerung hinausweist.

Wirtschaftlicher Druck wächst

Die Entwicklung fällt zudem in eine Phase schwacher wirtschaftlicher Dynamik. Italien verzeichnete im dritten Quartal kein Wachstum, während die Inflation vor allem durch höhere Energie-, Lebensmittel- und Verkehrskosten getrieben wurde. Für die Regierung verschärft sich damit der Zielkonflikt zwischen Entlastungen, Haushaltsdisziplin und zusätzlichen Ausgaben.

Politisch gewinnt der Protest vor der für das kommende Jahr erwarteten Parlamentswahl an Bedeutung. Melonis Partei liegt zwar in Umfragen vorn, doch die landesweiten Kundgebungen machen sichtbar, dass die Regierung ihre wirtschaftliche Bilanz und ihre Prioritäten stärker erklären muss. Die begrenzten Auswirkungen des Streiks zeigen zugleich, dass Mobilisierung und tatsächlicher Druck auf den Alltag bislang auseinanderfallen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „Proteste gegen Meloni: Ausschreitungen in Italien befürchtet“ (30.10.2026)

Der Beitrag bestätigt landesweite Proteste gegen die Regierung und hebt das starke Polizeiaufgebot sowie einzelne Auseinandersetzungen hervor. Einen anderen Schwerpunkt setzt er auf einen Haushaltsentwurf der Regierung und die aus Sicht der Gewerkschaften unzureichenden Entlastungen.

Euronews: „Inflation in Italien steigt im Oktober auf 5,4 Prozent wegen teurer Energie“ (30.10.2026)

Der Artikel ordnet die italienische Teuerung vor allem über Energie-, Lebensmittel- und Verkehrspreise ein und verweist auf das ausbleibende Wachstum im dritten Quartal. Im Vergleich zur Protestberichterstattung liegt der Schwerpunkt damit stärker auf dem makroökonomischen Umfeld und dem Risiko einer Stagflation.

Übereinstimmung besteht beim hohen wirtschaftlichen Druck und den landesweiten Protesten. Offen bleibt, ob die angekündigten politischen Maßnahmen die Forderungen der Gewerkschaften aufgreifen und den sozialen Konflikt vor der Wahl entschärfen können.

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