Spanien und Italien kontrollieren Einreisen gegenseitig
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 17:49 Uhr | dpa.deIm Streit zwischen Spanien und Italien ĂŒber den Umgang mit Migranten sind die beiden EU-Partner wieder zu Grenzkontrollen zurĂŒckgekehrt â wie in Zeiten vor dem Schengen-Abkommen zum freien Reiseverkehr in Europa. Auf Anweisung der linken Regierung in Madrid kontrolliert seit Samstag auch Spanien an HĂ€fen und FlughĂ€fen Ankömmlinge aus dem anderen Land. Die Regelung soll zunĂ€chst bis zum 7. September gelten.Â
Italiens Rechts-Regierung geht bereits seit Beginn des Monats in gleichem Stil bei Reisenden aus Spanien vor. Auslöser war die vorĂŒbergehende Flucht Zehntausender afrikanischer Migranten in die spanische Exklave Ceuta in Marokko. Rom argumentiert, dass deshalb seine Grenzen besonders geschĂŒtzt werden mĂŒssten. Hinter den BeschlĂŒssen stehen Italiens rechte MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni und Spaniens linker Regierungschef Pedro SĂĄnchez, deren VerhĂ€ltnis zuvor schon als gespannt galt.
Beschwerden aus der TourismusindustrieÂ
Nach erstem Anschein sind die Kontrollen an den HĂ€fen und FlughĂ€fen zumindest fĂŒr EU-BĂŒrger eher oberflĂ€chlich und symbolischer Natur. Allerdings gab es aus der Tourismusbranche Beschwerden darĂŒber, dass sie mitten in der sommerlichen Hauptreisezeit die GeschĂ€fte belasteten. Jedes Jahr reisen Millionen Touristen ins jeweils andere Land â etwa 5,4 Millionen Italiener nach Spanien und mehr als 3,2 Millionen Spanier nach Italien.
Madrid hatte die Kontrollen am Freitagabend verfĂŒgt, nachdem sich Meloni geweigert hatte, die einseitigen Grenzkontrollen aufzuheben. Die Vorsitzende der Rechtspartei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) machte dabei deutlich, dass sie sich auch durch ein spanisches Ultimatum nicht zum Umdenken bewegen lassen werde. «Italien akzeptiert keine Ultimaten oder Vorgaben aus dem Ausland, was die nationale Sicherheit und die Grenzkontrolle betrifft.» Nun wird in beiden LĂ€ndern bei der Einreise wieder kontrolliert. In Italien soll das bislang bis zum 15. August gelten.
Italienische Urlauberin in Madrid: Pass zeigen reichtÂ
Allerdings gibt es unterschiedliche Berichte, wie sich das in der Praxis auswirkt. Am Flughafen Madrid sagte eine Reisende aus Italien dem spanischen TV-Senders RTVE, schon im Flugzeug sei angekĂŒndigt worden, dass man die Maschine nur mit Ausweis verlassen dĂŒrfe. Vor dem Flugzeug hĂ€tten dann spanische Beamte gestanden â mehr aber auch nicht. «Der Polizist hat gesehen, dass wir einen Pass hatten. Kontrolliert hat er ihn nicht, nur gesehen, dass wir ihn hatten, und deshalb wurden wir durchgelassen.»
Hingegen berichtete der italienische Tourismusverband Fiavet von erheblichen Problemen. «Es gibt Warteschlangen, BeeintrĂ€chtigungen bei den Dienstleistungen und bei den Verbindungen mit den Mietwagenunternehmen. Wer ein ReisebĂŒro betreibt, hat bereits Probleme mit den Kunden.» Das Tourismusministerium in Rom erklĂ€rte, die Kontrollen betrĂ€fen ausschlieĂlich Nicht-EU-BĂŒrger. «Die Tourismusbranche ist von dieser Angelegenheit völlig unberĂŒhrt.»
Madrid spricht von «Torpedo» gegen europÀische Einheit
Aus spanischer Sicht sind die von Italien zuerst verhĂ€ngten Grenzkontrollen unfair, den Interessen der EU zuwiderlaufend und diskriminierend. AuĂenminister JosĂ© Manuel Albares bezeichnete Italiens Vorgehen als «Torpedo unterhalb der Wasserlinie der europĂ€ischen Einheit». Meloni hatte die MaĂnahme nach dem Andrang von mehr als 70.000 Migranten auf die spanische Exklave Ceuta verfĂŒgt. Inzwischen sind die allermeisten FlĂŒchtlinge wieder in Marokko zurĂŒck.
Bei den italienischen Grenzkontrollen wurde in den ersten Tagen kein einziger Ankömmling gestoppt. Es gibt bislang auch keine Hinweise darauf, dass sich von den Migranten aus Ceuta jemand auf den Weg nach Italien gemacht hĂ€tte. Sie dĂŒrfen nicht einmal aufs spanische Festland. Meloni war 2022 mit dem Versprechen, hart gegen unerwĂŒnschte Migration vorzugehen, ins Amt gewĂ€hlt worden. NĂ€chstes Jahr stehen in Italien wieder Wahlen an.
Nach italienischen Medienberichten wollte sich Italiens AuĂenminister Antonio Tajani von der rechtsbĂŒrgerlichen Partei Forza Italia darum bemĂŒhen, den Streit mit Madrid zu entschĂ€rfen. Die beiden anderen Koalitionspartner in Rom â Melonis Partei Fratelli d'Italia und die Rechtspartei Lega â hĂ€tten sich jedoch dafĂŒr ausgesprochen, gegen Madrid einen harten Kurs zu fahren. Rom und Madrid verfolgen einen sehr unterschiedlichen Ansatz in der Migrationspolitik.
