Jemen-Krieg: Huthi-Miliz meldet Raketenangriffe auf Riad und Aramco-Anlagen am Roten Meer
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 21:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen hat erneut Angriffe mit Raketen und Drohnen auf Ziele in Saudi-Arabien für sich reklamiert, darunter die Hauptstadt Riad und Anlagen des Ölkonzerns Aramco in der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer.
Huthis melden Brände nach Raketen- und Drohnenangriffen
Ein Sprecher der Huthis erklärte, die Gruppe habe Dutzende ballistische Raketen und Drohnen gegen „sensible Ziele“ in Riad sowie gegen Aramco-Anlagen in Yanbu abgefeuert. Nach diesen Angriffen seien mehrere größere Brände entstanden. Unabhängige Bestätigungen der Angaben lagen zunächst nicht vor.
Augenzeugen berichteten von einem Brand eines Treibstofftanks am internationalen Flughafen von Riad, der den Flugbetrieb vorübergehend unterbrochen hat. Eine offizielle Stellungnahme zur Ursache des Brandes gab es zunächst nicht, auch die saudische Regierung äußerte sich anfangs nicht zu den Vorfällen.
Huthis sprechen von Reaktion auf saudische Luftangriffe
Nach Darstellung der Huthi-Miliz sind die jüngsten Attacken eine Reaktion auf mehr als 700 saudische Luftangriffe im Jemen. Saudi-Arabien unterstützt dort die international anerkannte Regierung im langwierigen Konflikt mit der Miliz.
Seit der neuen Eskalation im Jemen-Krieg gerät Saudi-Arabien immer wieder unter Beschuss aus dem südlichen Nachbarland. Die jetzigen Angriffe reihen sich in eine Serie von Attacken ein, die sich gezielt gegen Infrastruktur und militärische Einrichtungen richten.
Strategische Kontrolle über Bab al-Mandab
Bereits vor gut einer Woche hatten die Huthis in einer Blitzoffensive die Westküste des Jemen eingenommen und sich damit Zugang zur wichtigen Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer verschafft. Die Miliz verfügt damit praktisch über uneingeschränkten Zugriff auf diese Wasserstraße.
Für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr bedeutet dies einen erheblichen Rückschlag, da über Bab al-Mandab zentrale Routen zwischen Europa und Asien verlaufen. Die Bedeutung der Meerenge ist durch die Krise an der Straße von Hormus zusätzlich gestiegen, weil Saudi-Arabien versucht, einen Teil seiner Ölexporte nach Asien über das Rote Meer umzuleiten.
Kämpfe in der Provinz Marib
Parallel zu den Angriffen auf saudisches Gebiet meldeten die Streitkräfte der von Riad unterstützten jemenitischen Regierung einen Erfolg an der Front in der Provinz Marib. Sie gaben auf der Plattform X bekannt, einen Infiltrationsversuch der Huthi-Miliz im Süden der ölreichen Provinz vereitelt zu haben.
Demnach seien dabei zwölf Huthi-Kämpfer getötet und weitere verletzt worden, die übrigen Angreifer seien aus dem Gebiet geflohen. Marib gilt wegen ihrer Öl- und Gasvorkommen als eine der strategisch wichtigsten Regionen des Landes.
Eskalation nach Ende der Waffenruhe
Die jüngsten Gefechte sind Teil einer Eskalation, die seit einigen Monaten anhält. Eine seit 2022 bestehende Waffenruhe war von den Huthis aufgekündigt worden, nachdem Saudi-Arabien einen Flug aus Teheran nach Sanaa verhindert hatte.
Seitdem sind die Kämpfe inmitten eines sich ausweitenden Konflikts, in den auch der Iran verwickelt ist, erneut aufgeflammt und haben das bereits stark verarmte Land zusätzlich destabilisiert. Der Bürgerkrieg im Jemen verschärft sich damit weiter und zieht immer stärker regionale und internationale Akteure in Mitleidenschaft.
Regionale Eskalation mit globalen Folgen
Die erneuten Angriffe der Huthi-Miliz auf Ziele in Saudi-Arabien markieren eine weitere Stufe der militärischen Eskalation im Jemen-Konflikt. Raketen- und Drohnenangriffe auf die Hauptstadt Riad und auf Ölanlagen am Roten Meer unterstreichen, dass der Krieg längst über die jemenitischen Frontlinien hinausreicht. Für die Bevölkerung in Saudi-Arabien bedeutet dies eine spürbare Verschärfung der Sicherheitslage, insbesondere rund um kritische Infrastruktur wie Flughäfen und Energieanlagen.
Zugleich verschiebt sich das militärische Gewicht im regionalen Machtgefüge: Mit der Kontrolle über die Westküste des Jemen und die Meerenge Bab al-Mandab hat die Huthi-Miliz einen strategischen Hebel in der Hand, der den weltweiten Handels- und Energiestrom berührt. Über Bab al-Mandab und das Rote Meer laufen zentrale Routen für Ölexporte und Containerschifffahrt zwischen Europa und Asien. Angriffe auf Anlagen des Ölkonzerns Aramco in Yanbu treffen daher nicht nur Saudi-Arabien, sondern können auch die internationalen Märkte destabilisieren.
Saudi-Arabiens Handlungsspielraum schrumpft
Für Saudi-Arabien, das die international anerkannte jemenitische Regierung unterstützt, verengt sich der Spielraum zwischen militärischer Reaktion und dem Bemühen, eigene Territorien und Exportwege zu schützen. Die Huthis begründen ihre Attacken mit hunderten saudischen Luftangriffen im Jemen – ein typisches Muster von Aktion und Gegenaktion, das die Aussicht auf eine erneute Waffenruhe weiter verringert. Solange es keine belastbare politische Lösung gibt, dürfte der Beschuss grenzüberschreitender Ziele für die Menschen in der Region und für den globalen Energiemarkt ein erheblicher Unsicherheitsfaktor bleiben.
Humanitäre und politische Dimension
Die wieder aufflammenden Kämpfe stürzen den bereits stark verarmten Jemen tiefer in den Bürgerkrieg und verschärfen die ohnehin dramatische humanitäre Lage. Gleichzeitig erhöht sich der Druck auf internationale Akteure, zwischen Riad, Teheran und den Huthis zu vermitteln, um eine weitere Militarisierung der Seewege zu verhindern. Für Leserinnen und Leser in Europa ist der Konflikt nicht nur ein fernes Kriegsgeschehen: Störungen der Ölversorgung, Risiken für Handelsschiffe und mögliche Preissteigerungen bei Energie können sich direkt auf Wirtschaft und Alltag auswirken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Italien beschließt Alleingang: Marine soll Schiffe in wichtiger Meerenge schützen“ (17.09.2026)
Der Bericht stelle heraus, dass Italien wegen der angespannten Lage an der Meerenge Bab al-Mandab den Schutz eigener Handelsschiffe mit der Marine eigenständig organisieren wolle. Die Analyse hebe hervor, die jüngste Blitzoffensive der Huthis und ihre Kontrolle über strategische Inseln und die Westküste des Jemen hätten die Risiken für den internationalen Schiffsverkehr deutlich erhöht und verstärkten den Druck auf europäische Staaten, eigene Sicherheitskonzepte für die Route durch das Rote Meer zu entwickeln.
Merkur: „Pipeline in Flammen, Ölpreis explodiert: Wer gewinnt diesen wirtschaftlichen Krieg?“ (17.09.2026)
Der Artikel ordne die Kontrolle der Huthis über Bab al-Mandab in einen größeren energiepolitischen Konflikt ein und schildere, wie Angriffe auf saudische Infrastruktur und eine wichtige Ost-West-Pipeline die Ölexporte über Yanbu und damit die Lieferkette durch das Rote Meer unter Druck setzten. Im Fokus stehe die Einschätzung, Iran nutze die Huthis als Verbündete, um Saudi-Arabiens Ausweichrouten für Öl zu sabotieren, was die Verwundbarkeit des Königreichs und die Nervosität an den globalen Energiemärkten verstärke.
In der Zusammenschau betone der Pressespiegel, dass die Kontrolle der Huthis über die Westküste des Jemen und Bab al-Mandab übereinstimmend als strategischer Wendepunkt beschrieben werde. Während der eine Bericht stärker die sicherheitspolitischen Folgen für Europa und den Schutz von Handelsschiffen hervorhebe, lege der andere den Akzent auf die Verflechtung von militärischen Angriffen und einem wirtschaftlichen Machtkampf um Ölpreise und Exportwege.
