Jemen-Krieg, Huthi-Miliz

Jemen: Regierungstruppen melden Erfolge an Bab al-Mandab

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 12:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Jemens international anerkannte Regierung meldet nach dem Start einer Großoffensive Erfolge gegen die Huthi-Miliz an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab. Die Rebellen weisen die Darstellung zurück, während Saudi-Arabien die Angriffe aus der Luft unterstützt.

Die Truppen der international anerkannten Regierung des Jemens melden erste Erfolge nach Beginn einer Großoffensive gegen die Huthi-Miliz. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Ansar Allah Media Office/dpa
Die Truppen der international anerkannten Regierung des Jemens melden erste Erfolge nach Beginn einer Großoffensive gegen die Huthi-Miliz. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Ansar Allah Media Office/dpa

Die Streitkräfte der international anerkannten Regierung des Jemens melden nach Beginn einer Großoffensive die Einnahme strategisch wichtiger Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab und des Flughafens der Stadt Dhubab.

Regierungstruppen melden Kontrolle an der Meerenge

Der Sprecher der Regierungstruppen, Madschid al-Nasli, erklärte, die Streitkräfte hätten die Kontrolle über das Gebiet rund um die Meerenge im Südwesten des Landes übernommen. Hunderte Huthi-Kämpfer seien eingekesselt worden.

Nach Militärangaben begann zudem eine Offensive auf die Hauptstadt Sanaa. Ziel der am Sonntag gestarteten Operation ist nach Aussage von Raschad al-Alimi, dem Vorsitzenden des Präsidialen Führungsrats, die vollständige Rückeroberung aller von der Huthi-Miliz besetzten Gebiete.

Huthi sprechen von Propaganda

Die von den Huthi kontrollierte Nachrichtenagentur Saba dementierte die Berichte. Sie sprach von einem Versuch, Misserfolge und wiederholte Niederlagen zu vertuschen.

Saudi-Arabien unterstützt mit Luftangriffen

Der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition im Jemen, Turki al-Malki, schrieb auf der Plattform X, die Koalition leiste den jemenitischen Streitkräften am Boden rund um die Uhr Luftunterstützung. Rund 100 Kampfflugzeuge seien Einsätze geflogen.

Seit Beginn der Operation seien nach seinen Angaben 324 besonders wichtige Ziele zerstört worden. Die Angaben zu den militärischen Erfolgen und der Zahl der zerstörten Ziele können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Kampf um einen wichtigen Seeweg

Dhubab fungiert wegen seiner Lage als Kontrollpunkt für den südlichen Zugang zum Roten Meer. Die umliegenden Höhenzüge und Küstenabschnitte ermöglichen die Überwachung des zivilen Schiffsverkehrs sowie Angriffe mit Drohnen und Raketen.

Die Region ist deshalb zwischen Huthi-Rebellen und den Truppen der anerkannten Regierung hart umkämpft. Die Regierungstruppen werden von Saudi-Arabien unterstützt, die Huthi-Miliz ist ein Verbündeter des Irans.

Gefechte entlang der Rotmeerküste

Seit Wochen liefern sich die verfeindeten Lager im Jemen wieder schwere Gefechte. Im September hatte die Huthi-Miliz in einer Blitzoffensive die gesamte Rotmeerküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und sich damit auch Zugriff auf die wichtige Meerenge Bab al-Mandab verschafft.

Strategische Meerenge im Zentrum

Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört damit zu den wichtigsten Seewegen zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien. Die Kontrolle über Küstenabschnitte, Höhenzüge und Hafenanlagen kann den Schiffsverkehr gefährden und den Druck auf die internationale Handelsschifffahrt erhöhen.

Die aktuelle Offensive knüpft an die jüngste territoriale Verschiebung zugunsten der Huthi an. Nach deren Vormarsch bis an die Rotmeerküste versucht die international anerkannte Regierung, mit saudischer Unterstützung verlorenen Einfluss zurückzugewinnen. Der Konflikt ist deshalb nicht nur ein innerjemenitischer Machtkampf: Saudi-Arabien betrachtet die Huthi als iranischen Verbündeten und als Bedrohung für sein eigenes Staatsgebiet sowie seine Energieinfrastruktur.

Militärische und humanitäre Folgen

Die gemeldeten Luft- und Bodenoperationen erhöhen das Risiko einer weiteren Eskalation entlang mehrerer Fronten. Für die Bevölkerung bedeutet eine Ausweitung der Kämpfe zusätzliche Vertreibung, zerstörte Infrastruktur und erschwerten Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung und Treibstoff. Die internationale Bedeutung ergibt sich zugleich aus der Nähe zu einer zentralen Schifffahrtsroute: Angriffe oder eine Blockade könnten Lieferketten, Versicherungsprämien und Transportkosten belasten.

Politisch steht die Regierung vor der schwierigen Aufgabe, militärische Geländegewinne dauerhaft abzusichern. Die Huthi verfügen über Kampferfahrung, weitreichende Waffen und Rückzugsräume. Selbst eine erfolgreiche Einnahme einzelner Stellungen würde daher nicht automatisch das Ende des Konflikts bedeuten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Regierung im Jemen verkündet Großoffensive gegen Huthi-Miliz“ (04.10.2026)

Der Bericht bestätige den Beginn einer umfassenden Offensive und hebe hervor, dass die Einsätze alle Frontlinien betreffen sollten. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf die schwierige militärische Ausgangslage, die Bedeutung der Meerenge und die humanitären Folgen; eine vollständige Rückeroberung erscheine dem Bericht zufolge besonders anspruchsvoll.

DER SPIEGEL: „Jemen: Regierung kündigt Großoffensive gegen die Huthis an“ (04.10.2026)

Der Artikel bestätige die Offensive und die Rückeroberung verlorener Gebiete als Ziel. Er setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die jüngsten Huthi-Angriffe auf saudische Energieanlagen und ordne die Eskalation als Teil des langjährigen Bürgerkriegs ein; offen bleibe, wie belastbar einzelne Angaben zu den Angriffen und militärischen Erfolgen seien.

Beide Berichte stimmten im Beginn der Offensive, der strategischen Bedeutung der Rotmeerküste und der Verflechtung mit Saudi-Arabien überein. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung von Militärstrategie, regionaler Eskalation und humanitärer Lage.

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