Jemen-Konflikt, Bab al-Mandab

Jemen: Regierungstruppen melden Erfolge an Meerenge Bab al-Mandab

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Regierungstruppen im Jemen melden nach Beginn einer Großoffensive die Einnahme strategisch wichtiger Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab. Die Huthi-Miliz weist die Darstellung zurück – die Kämpfe könnten den Zugang zum Roten Meer und die internationale Schifffahrt weiter gefährden.

Die Truppen der international anerkannten Regierung des Jemens melden erste Erfolge nach Beginn einer Großoffensive gegen die Huthi-Miliz. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Ansar Allah Media Office/dpa
Die Truppen der international anerkannten Regierung des Jemens melden erste Erfolge nach Beginn einer Großoffensive gegen die Huthi-Miliz. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Ansar Allah Media Office/dpa

Jemenitische Regierungstruppen haben nach Beginn einer Großoffensive strategisch wichtige Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab eingenommen und den Flughafen der Küstenstadt Dhubab unter ihre Kontrolle gebracht.

Regierung meldet Geländegewinne

Ein Militärsprecher der international anerkannten Regierung sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Einheiten hätten im Südwesten des Landes mehrere wichtige Positionen erobert. Die am Sonntag gestartete Militäroperation richtet sich gegen die Huthi-Miliz.

Die von den Huthi kontrollierte Nachrichtenagentur Saba dementierte die Angaben. Sie sprach von Propaganda, mit der Misserfolge und wiederholte Niederlagen verdeckt werden sollten.

Kämpfe um Zugang zum Roten Meer

Dhubab liegt am südlichen Zugang zum Roten Meer. Die umliegenden Höhenzüge und Küstenabschnitte ermöglichen die Überwachung des zivilen Schiffsverkehrs und bieten militärische Vorteile für Drohnen- und Raketenangriffe.

Die Region gehört deshalb zu den besonders umkämpften Gebieten zwischen den Huthi-Rebellen und den Truppen der anerkannten Regierung. Eine unabhängige Prüfung der Angaben zu den aktuellen Geländegewinnen ist nicht möglich.

Ziel: Rückeroberung aller Huthi-Gebiete

Raschad al-Alimi, Vorsitzender des Präsidialen Führungsrats, erklärte als Ziel der Operation die vollständige Rückeroberung aller von der Huthi-Miliz besetzten Gebiete. Die Regierungstruppen werden dabei von Saudi-Arabien unterstützt.

Die Huthi gelten als Verbündete des Irans. Seit Wochen liefern sich die verfeindeten Lager wieder schwere Gefechte. Im September hatte die Miliz nach Angaben der dpa in einer Blitzoffensive die gesamte jemenitische Rotmeerküste unter ihre Kontrolle gebracht und damit Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab erhalten.

Strategischer Zugang zum Roten Meer

Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und zählt damit zu den wichtigsten maritimen Engpässen zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien. Die Kontrolle der angrenzenden Küstenabschnitte und Höhenzüge ermöglicht nicht nur militärische Beobachtung, sondern erhöht auch den Druck auf die internationale Schifffahrt.

Der aktuelle Vorstoß der Regierungstruppen steht im Zusammenhang mit einer erneuten Eskalation des seit Jahren andauernden Bürgerkriegs. Die Huthi kontrollieren große Teile des Nordens und Nordwestens des Landes; Saudi-Arabien unterstützt die international anerkannte Regierung, während die Miliz dem Iran verbunden ist. Eine Rückeroberung der Küstenregion würde deshalb die militärische und politische Kräfteverteilung erheblich verändern.

Folgen für Zivilbevölkerung und Handel

Die Kämpfe treffen ein Land, dessen humanitäre Lage bereits äußerst angespannt ist. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 150.000 Menschen vor der jüngsten Gewalt auf der Flucht; eine weitere Eskalation könnte Versorgung, Infrastruktur und Fluchtbewegungen zusätzlich belasten.

Für den internationalen Handel liegt die Bedeutung vor allem in möglichen Störungen der Schifffahrt. Angriffe auf Schiffe oder eine Blockade der Passage könnten Transportwege verlängern, Versicherungs- und Energiekosten erhöhen und Lieferketten belasten. Für Reisende und Unternehmen in Deutschland wären Folgen zunächst vor allem über Preise, Lieferzeiten und die Sicherheitslage im Roten Meer spürbar.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Regierung im Jemen verkündet Großoffensive gegen Huthi-Miliz“ (04.10.2026)

Der Bericht bestätige den Beginn einer umfassenden Offensive und stelle als Ziel die Rückeroberung der von den Huthi kontrollierten Gebiete heraus. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt auf die landesweite Ausweitung der Kämpfe, die Bedrohung der Schifffahrt und die humanitären Folgen; zugleich betone er, dass die Huthi wegen ihrer Guerillataktik schwer zu besiegen seien.

DER SPIEGEL: „Jemen: Regierung kündigt Großoffensive gegen die Huthis an“ (04.10.2026)

Der Artikel bestätige die Offensive sowie den Zusammenhang mit dem Huthi-Vormarsch an der Rotmeerküste. Er setze einen anderen Schwerpunkt auf die von den Huthi reklamierten Angriffe auf saudische Ölstandorte und auf den wirtschaftlichen Druck durch mögliche Behinderungen des Öltransports; offen bleibe dort, ob die gemeldeten Treffer unabhängig bestätigt werden könnten.

Beide Berichte stellten die Offensive und die strategische Bedeutung der Meerenge übereinstimmend heraus. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung: Während der tagesschau-Bericht die humanitäre Lage und die militärische Schwierigkeit betone, rücke der SPIEGEL die regionale Eskalation und die Energieinfrastruktur in den Mittelpunkt.

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