Jemen: Regierungstruppen melden Erfolge im Kampf um Bab al-Mandab
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 10:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Jemens international anerkannte Regierung meldet nach dem Beginn einer Großoffensive die Einnahme strategisch wichtiger Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab.
Flughafen von Dhubab unter Kontrolle
Ein Militärsprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, Regierungseinheiten hätten unter anderem den Flughafen der Küstenstadt Dhubab im Südwesten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. In der Region entbrannten schwere Gefechte um den Zugang zum Roten Meer.
Die von den Huthi kontrollierte Nachrichtenagentur Saba dementierte die Angaben. Sie sprach von einem Versuch, Misserfolge und wiederholte Niederlagen zu vertuschen.
Schlüsselposition am Roten Meer
Dhubab liegt am südlichen Zugang zum Roten Meer und fungiert als wichtiger Kontrollpunkt. Die umliegenden Höhenzüge und Küstenabschnitte ermöglichen die Überwachung des zivilen Schiffsverkehrs sowie Angriffe mit Drohnen und Raketen.
Die Region ist deshalb zwischen Huthi-Rebellen und den Truppen der anerkannten Regierung hart umkämpft. Die Regierungstruppen werden von Saudi-Arabien unterstützt, während die Huthi-Miliz ein Verbündeter des Irans ist.
Rückeroberung aller besetzten Gebiete als Ziel
Die am Sonntag gestartete Militäroperation soll nach Aussage von Raschad al-Alimi, dem Vorsitzenden des Präsidialen Führungsrats, zur vollständigen Rückeroberung aller von der Huthi-Miliz besetzten Gebiete führen.
Seit Wochen liefern sich die verfeindeten Lager im Jemen wieder schwere Gefechte. Im September hatte die Huthi-Miliz in einer Blitzoffensive die gesamte Rotmeerküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und damit auch Zugriff auf die wichtige Meerenge Bab al-Mandab erlangt.
Strategischer Zugang zum Roten Meer
Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu den wichtigsten Seewegen zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien. Dhubab liegt an ihrem südwestlichen Zugang. Wer die Küste, vorgelagerte Positionen und angrenzende Höhen kontrolliert, kann Schiffe beobachten und Angriffe auf den Seeverkehr erleichtern.
Der aktuelle Vorstoß folgt auf eine deutliche Verschärfung des seit Jahren andauernden Jemen-Konflikts. Die Huthi-Miliz kontrolliert große Teile des Nordens und Westens des Landes und wird vom Iran unterstützt. Die international anerkannte Regierung stützt sich dagegen auf Saudi-Arabien und weitere Verbündete. Nach einer weitgehenden Beruhigung seit der Waffenruhe von 2022 sind die Kämpfe in diesem Jahr wieder eskaliert.
Folgen für Handel und Zivilbevölkerung
Eine dauerhafte Veränderung der Kräfteverhältnisse an der Küste könnte die Sicherheit internationaler Schifffahrtsrouten und den Transport von Energie berühren. Für Reedereien wären zusätzliche Umwege, höhere Versicherungsprämien und längere Lieferzeiten mögliche Folgen. Die konkrete Wirkung hinge davon ab, ob die Kontrolle über die Küste tatsächlich stabilisiert werden kann.
Für die Bevölkerung verschärft eine neue Großoffensive die ohnehin schwere humanitäre Lage. Kämpfe, Luftangriffe und unterbrochene Verkehrswege erschweren Versorgung und Flucht. Entscheidend wird sein, ob die Regierungstruppen ihre gemeldeten Geländegewinne ausbauen können und wie die Huthi darauf reagieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Regierung im Jemen verkündet Großoffensive gegen Huthi-Miliz“ (04.10.2026)
Der Bericht bestätige den Beginn einer umfassenden Offensive und hebe hervor, dass sich die Einsätze auf alle Frontlinien erstrecken sollten. Zugleich setze er einen Schwerpunkt auf die militärischen Schwierigkeiten, die Kontrolle der Huthi über die Westküste und die absehbaren Folgen für den Schiffsverkehr sowie die Zivilbevölkerung.
DER SPIEGEL: „Jemen: Regierung kündigt Großoffensive gegen die Huthis an“ (04.10.2026)
Der Artikel bestätige das Ziel der Regierung, von den Huthi kontrollierte Gebiete zurückzuerobern, und richte den Blick zusätzlich auf Angriffe gegen saudische Infrastruktur. Anders als die Meldung über die Kämpfe um Dhubab konzentriere sich der Beitrag stärker auf die regionale Eskalation und den Druck auf Saudi-Arabien.
Beide Berichte stellten die Offensive und die strategische Bedeutung der Rotmeerküste heraus. Offen bleibe, wie belastbar die jeweiligen militärischen Erfolgsmeldungen seien und ob sich die Eskalation auf den internationalen Schiffsverkehr ausweite.
