Schwere, KĂ€mpfe

Schwere KĂ€mpfe im Osten - Ukraine unter Druck

07.07.2024 - 02:56:04 | dpa.de

Kiew berichtet von schweren KÀmpfen im Osten der Ukraine. Moskau sieht sich auf dem Vormarsch. Der ukrainische PrÀsident Selenskyj fokussiert sich daher auf die Lage im Schwarzen Meer.

  • Russische Soldaten feuern mit einer Haubitze auf ukrainische Stellungen. - Foto: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa
    Russische Soldaten feuern mit einer Haubitze auf ukrainische Stellungen. - Foto: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa
  • Ukraine will Russlands Flotte abdrĂ€ngen - Foto: Ulf Mauder/dpa
    Ukraine will Russlands Flotte abdrÀngen - Foto: Ulf Mauder/dpa
  • Ukraine will Russlands Flotte abdrĂ€ngen - Foto: Ulf Mauder/dpa
    Ukraine will Russlands Flotte abdrÀngen - Foto: Ulf Mauder/dpa
Russische Soldaten feuern mit einer Haubitze auf ukrainische Stellungen. - Foto: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa Ukraine will Russlands Flotte abdrÀngen - Foto: Ulf Mauder/dpa Ukraine will Russlands Flotte abdrÀngen - Foto: Ulf Mauder/dpa

Die schweren KĂ€mpfe im Osten der Ukraine halten nach Angaben der MilitĂ€rfĂŒhrung in Kiew weiter an. «Am heißesten war die Lage heute im Raum Pokrowsk, daneben war der Feind auch in Richtung Lyman und Kurachowe aktiv», teilte der ukrainische Generalstab in seinem abendlichen Lagebericht mit. Alle drei genannten StĂ€dte liegen im ostukrainischen Gebiet Donezk. Im Tagesverlauf sei es zu 123 Gefechten gekommen. 

Allein 41 davon wurden demnach aus dem Raum Pokrowsk gemeldet. Bei Lyman und Kurachowe waren es 19 und 17 Attacken. WĂ€hrend nach Angaben des Generalstabs 29 Angriffe bei Pokrowsk inzwischen abgewehrt werden konnten, hielten 12 KĂ€mpfe weiter an. Die Verteidiger unternĂ€hmen alles, um die Lage zu stabilisieren und ein Vordringen des Feindes tief in ukrainisches Gebiet zu verhindern, hieß es. 

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.

Russische Truppen rĂŒcken im Raum Pokrowsk vor

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor am Tag in diesem Raum die Eroberung des Dorfes Sokil gemeldet. Der Heeresgruppe Zentrum sei durch aktives Handeln gelungen, die Ortschaft einzunehmen und ihre taktische Lage zu verbessern, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die ukrainische Seite kommentierte dies zunĂ€chst nicht. UnabhĂ€ngig lassen sich die Berichte der Kriegsparteien oft nicht nachprĂŒfen.

Allerdings hat das dem ukrainischen Verteidigungsministerium nahestehende Portal «Deepstate» bereits Ende Juni den kleinen Flecken unmittelbar neben der wesentlich grĂ¶ĂŸeren und lange umkĂ€mpften Ortschaft Otscheretyne als unter russischer Kontrolle markiert. Sokil, das bei einer VolkszĂ€hlung vor 20 Jahren wenige Dutzend Einwohner hatte, liegt im Landkreis Pokrowsk. Pokrowsk gilt als eins der möglichen Ziele des russischen Vormarsches in dem Raum. 

Sokil taucht auch im Lagebericht des Generalstabs nicht mehr auf, dafĂŒr die westlich davon gelegene Ortschaft Prohres. Nach Angaben des ukrainischen MilitĂ€rs sind im Raum Pokrowsk mehr als 180 russische Soldaten gefallen. Daneben seien mehrere russische MilitĂ€rfahrzeuge vernichtet worden. UnabhĂ€ngig lassen sich auch diese Angaben nicht ĂŒberprĂŒfen.

Der Frontabschnitt bei Pokrowsk gilt als vergleichsweise gefĂ€hrdet. Nachdem die russischen Truppen zu Jahresbeginn die Festung Awdijiwka einnehmen konnten, rĂŒcken sie seit Monaten langsam weiter vor. Der Ukraine ist es bislang nicht gelungen, den Vormarsch endgĂŒltig zu stoppen und die Verteidigungslinien zu stabilisieren.

Auch bei Tschassiw Jar, westlich von Bachmut, tobten weiterhin schwere KĂ€mpfe. Dort hatten russische Truppen vor wenigen Tagen knapp ein Viertel der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Darstellung des ukrainischen MilitĂ€rs zahlte die russische Armee dafĂŒr jedoch mit knapp 5.000 Toten einen hohen Preis. «Russische MĂŒtter und Ehefrauen sollen wissen, dass 5.000 MĂ€nner nicht heimkehren, weil sie einen Ortsteil erobern mussten», sagte ein ukrainischer MilitĂ€rsprecher im Fernsehen. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.

Erneut Angriffe von Kampfdrohnen

Die russischen StreitkrĂ€fte haben den Osten der Ukraine in der Nacht erneut mit sogenannten Kamikaze-Drohnen angegriffen. Die Flugabwehr in Charkiw und Sumy berichtete von EinflĂŒgen der Shahed-Drohnen in mehreren Wellen. Über die Auswirkungen der Angriffe machten die ukrainischen MilitĂ€rs zunĂ€chst keine Angaben.

Selenskyj kĂŒndigt neue Strategie auf See an

Die Ukraine will den russischen Einfluss im westlichen Teil des Schwarzen Meeres zurĂŒckdrĂ€ngen. Sein Land werde dazu eine neue nationale Seestrategie erarbeiten, kĂŒndigte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj in seiner tĂ€glichen Videoansprache an. «Wir verstehen klar, dass der Krieg das KrĂ€fteverhĂ€ltnis in unserer Schwarzmeerregion verĂ€ndert hat und die russische Flotte in diesem GewĂ€sser niemals mehr dominieren wird», gab sich Selenskyj optimistisch. Die Ukraine werde ihre eigenen nationalen Interessen auf See und die ihrer Partner verfolgen und Verkehrsrouten schĂŒtzen, sagte er.

Russland hatte bereits bei der Annexion der Krim 2014 einen Großteil der ukrainischen Flotte in Besitz genommen. Weitere Schiffe gingen fĂŒr Kiew kurz nach Beginn der großangelegten russischen Invasion 2022 mit der Eroberung der Hafenstadt Berdjansk im sĂŒdukrainischen Gebiet Saporischschja verloren. In Mykolajiw ging das Flaggschiff der ukrainischen Marine, die Hetman Sahaidatschnyj unter. 

Auch wenn die ukrainische Marine derzeit nicht ĂŒber grĂ¶ĂŸere Kriegsschiffe verfĂŒgt, ist es Kiew gelungen, die russische Schwarzmeerflotte aus dem westlichen Teil des Schwarzen Meeres zu vertreiben. Damit konnte auch der Seehandel ĂŒber Odessa zumindest teilweise wiederbelebt werden. Die ukrainische Marine soll in der nĂ€chsten Zeit auch durch Lieferungen westlicher Partner aufgerĂŒstet werden.

Chinesische Soldaten zu MilitÀrmanöver in Belarus gelandet

Chinesische Soldaten sind derweil nach offiziellen Angaben zu einer gemeinsamen Anti-Terror-Übung in Belarus (frĂŒher Weißrussland) eingetroffen. Das Manöver werde vom 8. bis 19. Juli abgehalten, teilte das Verteidigungsministerium in Minsk auf seinem Telegramkanal mit. 

ZunĂ€chst gab es keine Details zu den geplanten Übungen. Auch die genaue Anzahl der beteiligten chinesischen Soldaten ist unbekannt. Auf den vom Verteidigungsministerium in Minsk veröffentlichten Fotos ist ein chinesisches Transportflugzeug zu sehen, das eine dreistellige Zahl Soldaten transportieren kann.

Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Belarus und dem Westen, speziell aber zur Ukraine, hatten sich zuletzt noch einmal verschlechtert. Mehrfach stellte Machthaber Alexander Lukaschenko den Westen als Bedrohung fĂŒr sein Land dar. Der engste BĂŒndnispartner von Kremlchef Wladimir Putin hat diesem erlaubt, taktische Atomwaffen in seinem Land zu stationieren.

Zuletzt hat Belarus zudem seine Truppen an der Grenze zur Ukraine verstĂ€rkt und dies mit angeblichen Provokationen des Nachbarlandes begrĂŒndet. Kiew wiederum fĂŒhlt sich von Minsk bedroht. Russische Truppen waren bei ihrem Angriff auf die Ukraine vor mehr als zwei Jahren auch von belarussischem Territorium aus ins Land eingedrungen.

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