Kiew, Jet-Drohnen

Kiew: Neue Jet-Drohnen überfordern ukrainische Luftabwehr

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 05:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Russland setzt über Kiew zunehmend schnelle Drohnen mit Düsenantrieb ein. Freiwillige Luftabwehrtrupps unterstützen die gestaffelte Verteidigung, doch viele vorhandene Systeme erreichen die neuen Flugkörper nur schwer.

  • Immer zwölf Stunden dauert die Wache der mobilen Flugabwehrtrupps. (Archivbild) - Bild: Friedemann Kohler/dpa
    Immer zwölf Stunden dauert die Wache der mobilen Flugabwehrtrupps. (Archivbild) - Bild: Friedemann Kohler/dpa
  • Das doppelte Maschinengewehr muss Glück haben, um die neuen Jet-Drohnen zu treffen. (Archivbild)  - Bild: Friedemann Kohler/dpa
    Das doppelte Maschinengewehr muss Glück haben, um die neuen Jet-Drohnen zu treffen. (Archivbild) - Bild: Friedemann Kohler/dpa
  • Ein Tablet informiert den Trupp über die Flugroute russischer Drohnen. (Archivbild) - Bild: Friedemann Kohler/dpa
    Ein Tablet informiert den Trupp über die Flugroute russischer Drohnen. (Archivbild) - Bild: Friedemann Kohler/dpa
Immer zwölf Stunden dauert die Wache der mobilen Flugabwehrtrupps. (Archivbild) - Bild: Friedemann Kohler/dpa Das doppelte Maschinengewehr muss Glück haben, um die neuen Jet-Drohnen zu treffen. (Archivbild)  - Bild: Friedemann Kohler/dpa Ein Tablet informiert den Trupp über die Flugroute russischer Drohnen. (Archivbild) - Bild: Friedemann Kohler/dpa

Russland greift Kiew mit schnellen Drohnen mit Düsenantrieb an und stellt damit die ukrainische Luftverteidigung vor neue Herausforderungen.

Neue Bedrohung aus der Luft

Eine mobile Einheit ukrainischer Flugabwehr beobachtet auf einem Hügel außerhalb der Hauptstadt die Anflugrouten russischer Drohnen. Vier Freiwillige mit militärischer Erfahrung halten dort nachts Wache und bedienen ein schweres Doppelmaschinengewehr auf einem amerikanischen Pickup-Truck.

Die Männer beschaffen Uniformen, Fahrzeug und Ausrüstung selbst. Die Armee stellt das sowjetische Flugabwehrgeschütz vom Typ Wladimirow mit 14,5-Millimeter-Kaliber sowie die Munition bereit. Gegen ältere Shahed-Drohnen sei die Trefferquote gut gewesen.

Maschinengewehre reichen nicht hoch genug

Die neuen Modelle Geran-4 und Geran-5 fliegen nach ukrainischen Angaben schneller und höher als ihre propellergetriebenen Vorgänger. Die Geran-5 erreiche demnach 450 bis 600 Kilometer pro Stunde und bis zu 6.000 Meter Flughöhe. Die alten Maschinengewehre könnten Ziele nur unterhalb von etwa 1.500 Metern bekämpfen.

Die Verteidigung Kiews arbeitet deshalb mit mehreren Ebenen. Neben den mobilen Trupps kommen unter anderem Gepard-Flugabwehrpanzer, elektronische Abwehr, Iris-T, Nasams und Patriot zum Einsatz. Ukrainische Kampfjets gehen ebenfalls gegen Drohnen vor; bei ballistischen Angriffen werden vor allem die leistungsfähigeren bodengestützten Systeme benötigt.

Tablets zeigen die Flugrouten

Die Freiwilligen erhalten ihre Informationen über einen Tabletcomputer. Darauf verfolgen sie die Flugbahnen der Drohnen und entscheiden, ob ein Schuss sinnvoll ist. Eine beobachtete Drohne dreht in der beschriebenen Nacht ab, ohne in die Reichweite des Maschinengewehrs zu gelangen.

Die Einheit versteht ihre Aufgabe dennoch nicht nur als Schießauftrag. Sie beobachtet den Luftraum, sammelt Informationen und leitet diese weiter. Die Männer sagen, sie wollten damit vor allem ihre Familien und die Bevölkerung schützen.

Ukraine entwickelt neue Abwehr

Die jüngste Zuspitzung hat die ukrainische Führung zu einer Anpassung der Taktik veranlasst. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, eigene Abfangwaffen seien bereits unter Gefechtsbedingungen getestet worden; die Abfangrate sei aber noch zu niedrig und solle wöchentlich steigen.

Der neue Verteidigungsminister Jewhenij Chmara kündigte an, die Jet-Drohnen sollten künftig möglichst weit vor Kiew bekämpft werden. Belgien soll der Ukraine bis Jahresende drei weitere F-16-Kampfjets liefern.

Technologischer Wettlauf in der Luft

Russland verändert mit den düsengetriebenen Varianten die bisherige Logik der Drohnenabwehr. Herkömmliche Shahed-Drohnen waren langsamer und konnten häufiger mit vergleichsweise günstigen Mitteln bekämpft werden. Die neuen Modelle verbinden dagegen höhere Geschwindigkeit mit größerer Flughöhe und verkürzen damit die Zeit zwischen Entdeckung und Abwehr.

Für die Ukraine entsteht dadurch ein Kosten- und Verfügbarkeitsproblem. Teure Flugabwehrraketen können schnelle Drohnen bekämpfen, sind aber knapp und werden zugleich für ballistische Raketen benötigt. Kampfjets sind wirksam, jedoch aufwendig einzusetzen. Mobile Maschinengewehrtrupps, elektronische Abwehr und Gepard-Systeme bleiben Teil eines gestaffelten Schutzes, erreichen die neuen Ziele aber nicht in jeder Flughöhe.

Abfangdrohnen als Ergänzung

Die Ukraine entwickelt deshalb eigene Abfangdrohnen mit Strahlantrieb. Ein aktueller Bericht beschreibt einen ersten Einsatz gegen eine Geran-5; zugleich bleibt die Produktion größerer Stückzahlen die entscheidende Hürde. Für Kiew geht es nicht nur um den Schutz der Hauptstadt, sondern auch um den Erhalt kritischer Energie- und Verkehrsinfrastruktur vor einer weiteren Intensivierung der Angriffe.

Die Belastung betrifft die Bevölkerung unmittelbar: Luftalarme, Schäden an Wohnhäusern und Betrieben sowie mögliche Ausfälle von Strom und Wasser erschweren den Alltag. Für den Schutz Kiews wird daher entscheidend sein, verschiedene Systeme miteinander zu vernetzen, ausreichende Munition bereitzuhalten und neue Abfangmittel schnell in größerer Zahl verfügbar zu machen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Ukraine hat eine neue 600-km/h-Abfangdrohne gegen Russland gebaut: Sie zerstörte gleich Russlands Geran-5-Drohne mit 330 kW und 90-Kilo-Sprengkopf“ (30.09.2026)

Der Bericht hebe eine ukrainische Abfangdrohne mit Strahlantrieb hervor, die bereits eine Geran-5 zerstört haben solle. Anders als die dpa-Schilderung der nächtlichen Verteidigung mit vorhandenen Systemen richte sich der Beitrag auf die technische Neuentwicklung; offen bleibe, in welchem Umfang sie verfügbar sei.

Euronews: „Exklusiv: Budanow bietet Ukraine-Partnern neue Abwehrtechnik gegen Drohnen“ (30.09.2026)

Der Artikel schreibe, die Ukraine könne ihre neue Abwehrtechnik künftig mit Partnerstaaten teilen, sofern ausreichende Produktionskapazitäten entstünden. Er betone stärker als die dpa-Meldung die internationale Kooperation und berichte, die Reaktionszeit gegen manche Jet-Drohnen betrage teils nur zehn bis 15 Sekunden. Beide Beiträge stellten die Geschwindigkeit und Flughöhe der neuen Drohnen als zentrale Herausforderung dar.

Medienübergreifend bestehe Einigkeit, dass die bisherigen Abwehrmittel durch schnellere und höher fliegende Drohnen unter Druck gerieten; Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt zwischen aktueller Verteidigung, technischer Entwicklung und internationaler Produktion.

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