Klimawandel, UNEP-Klimabericht

Klimapolitik führt laut UN zu 2,8 Grad Erwärmung bis 2100

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 14:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die UN warnt vor deutlich höheren Risiken durch Hitze, Fluten und Waldbrände. Selbst bei vollständiger Umsetzung der bisherigen Zusagen bliebe der Abstand zum Pariser Klimaziel groß.

UN-Bericht nennt globale Klimafolgen

  • Die UN-Berechnung bezieht sich auf die Entwicklung bis zum Ende des Jahrhunderts.
  • Bei vollständiger Umsetzung angekündigter Maßnahmen läge die Erwärmung bei 2,6 Grad.
  • Für den optimistischsten Pfad nennt der Bericht eine Erwärmung von 2,1 Grad bis 2100.
  • Sturzfluten – wie hier kürzlich in Chile – werden in der Klimakrise wahrscheinlicher. - Bild: Esteban Felix/AP/dpa
  • Auch Deutschland hat in diesem Sommer verheerende Waldbrände erlebt – wie hier im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen. - Bild: Jan Ohmen/dpa
  • Hat sich deutlich schneller entwickelt als angenommen: der Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Solarenergie. - Bild: Michael Bahlo/dpa
Sturzfluten – wie hier kürzlich in Chile – werden in der Klimakrise wahrscheinlicher.  - Bild: Esteban Felix/AP/dpa Auch Deutschland hat in diesem Sommer verheerende Waldbrände erlebt – wie hier im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen. - Bild: Jan Ohmen/dpa Hat sich deutlich schneller entwickelt als angenommen: der Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Solarenergie. - Bild: Michael Bahlo/dpa

UNEP erwartet 2,8 Grad Erwärmung bis 2100

Die Erde steuert nach Einschätzung der Vereinten Nationen mit der aktuellen weltweiten Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. UNEP-Direktorin Inger Andersen warnte in Nairobi vor tödlichen Fluten, Hitzewellen und Waldbränden als Folgen jedes zusätzlichen Bruchteils eines Grades.

Prognose verschlechtert sich

Die Weltgemeinschaft wollte die Erwärmung eigentlich auf 1,5 Grad begrenzen. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der berechnete Pfad nicht verbessert: Bei vollständiger Umsetzung der angekündigten Klimaschutzmaßnahmen käme die Erde laut UN auf 2,6 Grad, nachdem im Vorjahr bis zu 2,5 Grad erwartet worden waren.

Als wichtigen Grund nennen die Autoren den Rückzug der USA von früheren Klimaschutzplänen unter Präsident Donald Trump. Die USA sind nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Zudem wurden Angaben zum bisherigen Ausstoß nach oben korrigiert.

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1,5 Grad werden voraussichtlich überschritten

Im optimistischsten Szenario, in dem alle Staaten ihre Klimapläne umsetzen und ihre Klimaneutralitätsziele erreichen, würde sich die Erde bis 2100 noch um 2,1 Grad erwärmen. Das 1,5-Grad-Ziel gilt dennoch nicht offiziell als gerissen, weil dafür eine langfristige Überschreitung maßgeblich ist.

Der EU-Klimawandeldienst Copernicus registrierte für die Jahre 2023 bis 2025 erstmals in einem Dreijahreszeitraum eine durchschnittliche Erwärmung von mehr als 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter. Fachleute rechnen überwiegend damit, dass die Marke nicht dauerhaft gehalten werden kann.

Emissionen müssten deutlich sinken

Für eine Rückkehr zu 1,5 Grad oder darunter müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen gegenüber 2025 bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent sinken.

Nach der UN-Berechnung würden die Emissionen selbst bei Umsetzung aller geplanten Maßnahmen bis 2030 nur um bis zu 8 Prozent und bis 2035 um bis zu 15 Prozent zurückgehen. Zusätzlich müssten große Mengen CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden, was technologisch schwierig und teuer ist.

Antalya wird zum nächsten Klimatreffen

Bei der Weltklimakonferenz im türkischen Antalya will die Staatengemeinschaft im November über weitere Schritte beraten. Die USA nehmen nach ihrem erneuten Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen unter Trump nicht teil.

Auch Entscheidungen in Brasilien könnten für das Weltklima bedeutsam werden, weil der Amazonas-Regenwald eine zentrale Rolle spielt. Seit dem Pariser Klimaabkommen vor zehn Jahren hat sich die jährliche Erwärmungsprognose dennoch verbessert: Damals erwarteten Fachleute noch 3 bis 3,5 Grad.

Der UNEP-Bericht macht die Lücke zwischen den politischen Zusagen und den wissenschaftlich erforderlichen Emissionssenkungen sichtbar. Selbst die vollständige Umsetzung der angekündigten Maßnahmen würde den berechneten Erwärmungspfad nur auf 2,6 Grad drücken. Damit bleibt der Abstand zum Pariser Ziel von 1,5 Grad erheblich.

Emissionen als entscheidender Hebel

Für eine Rückkehr unter 1,5 Grad müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen nach den UN-Berechnungen bis 2030 um 18 Prozent gegenüber 2025 sinken, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent. Die bislang absehbaren Maßnahmen reichen dafür deutlich nicht aus. Das betrifft nicht nur Energie und Industrie, sondern auch Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und den Schutz von Wäldern.

Die Einordnung ist für Deutschland unmittelbar relevant: Klimafolgen wie Hitze, Dürren, Starkregen und Waldbrände wirken sich auf Gesundheit, Infrastruktur, Versicherungen und Lebensmittelpreise aus. Zugleich zeigt der schnellere Ausbau erneuerbarer Energien, dass technischer Wandel möglich ist. Der entscheidende Punkt bleibt jedoch das Tempo, mit dem fossile Energien ersetzt und Emissionen tatsächlich gesenkt werden.

Antalya wird zum nächsten Prüfstein

Bei der Weltklimakonferenz im türkischen Antalya müssen die Staaten ihre Zusagen an dieser Lücke messen lassen. Die USA fehlen nach dem erneuten Austritt aus dem Pariser Abkommen am Verhandlungstisch, während Entscheidungen großer Emittenten wie China, Indien, Brasilien und der EU die globale Entwicklung maßgeblich beeinflussen. Eine Überschreitung der 1,5-Grad-Marke beendet die Klimapolitik daher nicht, erhöht aber den Druck, Dauer und Ausmaß der Überschreitung zu begrenzen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „UN warnt vor 2,8?Grad-Erwärmung: Ist das 1,5-Grad-Ziel vertan?“ (21.10.2026)

Der Beitrag bestätige die zentrale Prognose und stelle die Frage nach der politischen Reichweite des 1,5-Grad-Ziels. Anders als die dpa-Meldung rücke er stärker die Konsequenzen für die internationale Klimapolitik in den Mittelpunkt.

taz: „Menschheit 'gefährlich weit' von 1,5 Grad entfernt“ (21.10.2026)

Die taz betone ebenfalls den Abstand zum Ziel und ordne ihn als gefährliche Entwicklung ein. Gemeinsam sei den Berichten die Bewertung des aktuellen Kurses; offen bleibe, wie schnell Staaten ihre Zusagen in konkrete Emissionssenkungen übersetzen könnten.

Die Berichte stimmen beim Erwärmungspfad von 2,8 Grad und beim großen Abstand zu 1,5 Grad überein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung politischer Folgen und der Frage, ob eine spätere Rückkehr unter 1,5 Grad noch erreichbar ist.

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