Klimawandel, UN-Klimabericht

Klimapolitik: UN erwartet 2,8 Grad Erwärmung bis 2100

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 07:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Vereinten Nationen sehen die Welt mit der aktuellen Klimapolitik auf einen deutlich heißeren Planeten zusteuern. Der Bericht nennt zugleich konkrete Emissionssenkungen, die für eine spätere Rückkehr unter 1,5 Grad nötig wären.

Globale Emissionsziele bleiben unerreicht

  • Die UN-Berechnung nennt 2,8 Grad Erwärmung bei der aktuellen Klimapolitik bis 2100.
  • Bei Umsetzung aller angekündigten Maßnahmen läge die Erwärmung laut Bericht bei 2,6 Grad.
  • Für eine Rückkehr zu 1,5 Grad müssten die Emissionen bis 2040 um 69 Prozent gegenüber 2025 sinken.
  • Sturzfluten – wie hier kürzlich in Chile – werden in der Klimakrise wahrscheinlicher. - Bild: Esteban Felix/AP/dpa
  • Auch Deutschland hat in diesem Sommer verheerende Waldbrände erlebt – wie hier im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen. - Bild: Jan Ohmen/dpa
  • Hat sich deutlich schneller entwickelt als angenommen: der Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Solarenergie. - Bild: Michael Bahlo/dpa
Sturzfluten – wie hier kürzlich in Chile – werden in der Klimakrise wahrscheinlicher.  - Bild: Esteban Felix/AP/dpa Auch Deutschland hat in diesem Sommer verheerende Waldbrände erlebt – wie hier im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen. - Bild: Jan Ohmen/dpa Hat sich deutlich schneller entwickelt als angenommen: der Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Solarenergie. - Bild: Michael Bahlo/dpa

UN erwartet 2,8 Grad Erwärmung bis 2100

Die Erde steuert den Vereinten Nationen zufolge mit der aktuellen weltweiten Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. UNEP-Direktorin Inger Andersen warnte vor tödlichen Fluten, Hitzewellen und Waldbränden.

Die Weltgemeinschaft wollte die Erderwärmung eigentlich auf 1,5 Grad begrenzen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.

USA verschlechtern die globale Prognose

Seit dem vergangenen Jahr hat sich der erwartete Pfad nicht verbessert. Selbst wenn alle Länder ihre angekündigten Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, würde sich die Erde laut UN-Berechnung bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,6 Grad erwärmen.

Im Vorjahr hatte diese Prognose noch bei bis zu 2,5 Grad gelegen. Als wichtigen Grund nennt der Bericht den vollständigen Rückzug der USA von ihren bisherigen Klimaschutzplänen unter Präsident Donald Trump. Die USA sind nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen.

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1,5-Grad-Ziel steht unter Druck

Im optimistischsten Szenario, in dem alle Länder ihre Klimapläne einhalten und ihre angestrebten Klimaneutralitätsziele erreichen, würde die Erwärmung bis 2100 noch 2,1 Grad betragen.

Das 1,5-Grad-Ziel gilt formal erst dann als überschritten, wenn die Grenze über einen längeren Zeitraum hinweg gerissen wird. Der EU-Klimawandeldienst Copernicus verzeichnete für die Jahre 2023 bis 2025 jedoch erstmals über drei Jahre hinweg eine durchschnittliche Erwärmung von mehr als 1,5 Grad.

UN-Generalsekretär António Guterres betonte, eine Überschreitung bedeute keine Kapitulation. Die Erwärmung müsse so gering und so kurz wie möglich gehalten werden, damit die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts wieder unter 1,5 Grad sinken könnten.

Emissionen müssen deutlich schneller sinken

Für eine Rückkehr zu 1,5 Grad oder darunter müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen laut Bericht gegenüber dem Niveau von 2025 bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent sinken.

Mit den derzeit angekündigten Maßnahmen würden die Emissionen bis 2030 jedoch höchstens um 8 Prozent und bis 2035 höchstens um 15 Prozent zurückgehen. Zusätzlich müssten große Mengen CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Diese Verfahren gelten als notwendig, sind aber technologisch schwierig und teuer.

Klimakonferenz in Antalya im November

Im November trifft sich die Weltgemeinschaft im türkischen Antalya zur Weltklimakonferenz. Die USA werden nach ihrem erneuten Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen unter Trump nicht am Verhandlungstisch sitzen.

Auch Brasilien steht im Fokus. Bei der Stichwahl tritt Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gegen Flávio Bolsonaro an. Der Amazonas-Regenwald ist für das Weltklima von zentraler Bedeutung; unter der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro war die Abholzung stark gestiegen.

Seit dem Beginn des Pariser Klimaabkommens vor zehn Jahren hat sich die jährliche Erwärmungsprognose dennoch verringert. Damals war die Welt noch von einer Erwärmung um 3 bis 3,5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts ausgegangen.

Der UN-Bericht beschreibt eine wachsende Lücke zwischen den internationalen Klimazielen und der tatsächlichen Politik der Staaten. Selbst bei vollständiger Umsetzung der angekündigten Maßnahmen bliebe die erwartete Erwärmung deutlich über dem Ziel des Pariser Abkommens. Besonders relevant ist dabei, dass die Prognose nicht nur von langfristigen Versprechen abhängt, sondern auch von kurzfristig wirksamen Emissionssenkungen.

Die Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr macht sichtbar, wie stark politische Kurswechsel einzelner großer Emittenten die globale Bilanz beeinflussen. Der Rückzug der USA aus den bisherigen Klimaschutzplänen fällt deshalb international ins Gewicht. Zugleich zeigen die höheren Emissionsdaten, dass der Spielraum für Verzögerungen kleiner wird: Jede zusätzliche Tonne Treibhausgas erhöht den Aufwand, später wieder unter die 1,5-Grad-Marke zu gelangen.

Entscheidend sind die nächsten Klimapläne

Für die Staaten kommt es nun darauf an, ihre nationalen Klimabeiträge nicht nur langfristig zu formulieren, sondern kurzfristig umzusetzen. Die im Bericht genannten Minderungsraten liegen weit über dem, was mit den derzeit angekündigten Maßnahmen erreichbar wäre. Das betrifft Energieversorgung, Verkehr, Industrie, Gebäude und Landnutzung.

Die Weltklimakonferenz in Antalya wird damit zu einem politischen Belastungstest. Fortschritte bei erneuerbaren Energien zeigen, dass schnelle Veränderungen möglich sind; sie ersetzen jedoch nicht die deutlich höheren Einsparungen, die für eine Rückkehr unter 1,5 Grad erforderlich wären. Für Bürger bedeutet der Kurs zugleich mehr Risiken durch Hitze, Waldbrände und Überschwemmungen sowie wachsenden Anpassungsdruck bei Infrastruktur und Gesundheit.

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