Merkels Chefökonom: EU sollte Trump ihre Folterinstrumente zeigen
04.07.2025 - 14:24:32 | dts-nachrichtenagentur.de"Aber Europa kann doch nicht seine Standards aufweichen, nur weil Trump eine Drohkulisse aufbaut." BrĂŒssel habe zudem die Mittel, sich zu behaupten. "Die EU hat heute viel schĂ€rfere Instrumente als wĂ€hrend PrĂ€sident Trumps erster Amtszeit", sagt Röller, der heute an der privaten European School of Management and Technology in Berlin lehrt. So könnte die EU-Kommission gegen Unternehmen vorgehen, die in der EU aktiv sind und von der US-Regierung subventioniert werden oder auch nur Steuervorteile erhalten. Möglich sei auch, US-Unternehmen in bestimmten FĂ€llen von öffentlichen AuftrĂ€gen auszuschlieĂen. "Die Amerikaner haben schlieĂlich auch ihr `Buy American`-Programm." Dennoch warnt der Ăkonom die EU davor, gegenĂŒber Trump handelspolitisch die Muskeln spielen zu lassen. Er plĂ€diert fĂŒr einen anderen Ansatz. "Wichtig ist, mit ihm immer so zu verhandeln, dass er als Gewinner dastehen kann", sagte Röller. "Ob er es dann wirklich ist oder nicht, ist eine ganz andere Frage." Röller nahm zudem die ehemalige Kanzlerin vor dem Vorwurf in Schutz, Deutschlands Strukturkrise mitverschuldet zu haben. "Dem Land ging es ja insgesamt gut", sagte er. "VerĂ€nderungen politisch anzustoĂen, ist dann nicht so einfach." Das sehe man etwa beim Klimaschutz. "Die Folgen sind fĂŒr die meisten Menschen - insbesondere in Deutschland - immer noch kaum spĂŒrbar", so Röller. "Deshalb ist die Bereitschaft, sich zu Ă€ndern, ĂŒberschaubar." Kritiker werfen Merkel vor, sie habe in den 16 Jahren ihrer Regierungszeit zu sehr auf die Einhaltung der Schuldenbremse geachtet und Investitionen in die Bundeswehr, den Schienenverkehr, die Digitalisierung und die Infrastruktur vernachlĂ€ssigt. Zudem habe sie Deutschland in der AbhĂ€ngigkeit von russischem Gas belassen, obwohl sie die Gefahr einer Aggression Russlands geahnt habe. Durch die spĂ€ter sabotierte Pipeline Nord Stream 2 sei aber nie Gas geflossen, sagte Röller. Zudem hĂ€tten "sehr viele LĂ€nder in Europa vom billigen Gas aus Russland profitiert". Sogar die Ukraine selbst habe noch 2019 mit dem russischen Staatskonzern Gazprom einen Vertrag abgeschlossen, um Gas durch die Ukraine nach Europa zu bringen. "Davon konnte auch die Ukraine finanziell profitieren", sagte Röller. "Das war aus damaliger Perspektive vollkommen legitim." Den Vorwurf der BlauĂ€ugigkeit gegenĂŒber Moskau weist Röller zurĂŒck. "Damals standen die Vorteile einer gĂŒnstigen Energieversorgung im Vordergrund", sagte der Ăkonom. "HĂ€tten wir die AbhĂ€ngigkeiten reduziert, wĂ€re das sehr teuer geworden, die Energiepreise wĂ€ren gestiegen, die Inflation hĂ€tte angezogen." Erst durch Russlands Ăberfall auf die Ukraine sei vielen Menschen "die Tragweite dieser AbhĂ€ngigkeit bewusst geworden". Das gelte natĂŒrlich auch fĂŒr die Politik. "Was wir heute wissen, wussten wir damals nicht."
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