RumÀnien: Regierungsbildung gescheitert
22.06.2026 - 23:10:00 | dpa.deSieben Wochen nach dem Sturz der proeuropĂ€ischen Reform-Regierung ist im EU- und Nato-Land RumĂ€nien eine neue Regierungsbildung gescheitert. Das Parlament lehnte den Kandidaten fĂŒr das Amt des MinisterprĂ€sidenten, Adrian Vestea, ab. Er bekam nur 189 Stimmen, 23 Parlamentarier votierten gegen ihn. FĂŒr seine Wahl zum Regierungschef und Nachfolger von Ilie Bolojan hĂ€tte Vestea die absolute Mehrheit von 233 Stimmen gebraucht.Â
An der Abstimmung nahmen nur 212 der 465 Parlamentarier teil. Nun muss StaatsprĂ€sident Nicusor Dan dem Parlament einen neuen Kandidaten fĂŒr dieses Amt vorschlagen. Dan hatte den PNL-Politiker Vestea gegen den Willen des PNL-Vorsitzenden Bolojan fĂŒr dieses Amt vorgeschlagen. Am Sonntag hatte ein Sonderparteitag beschlossen, Vestea und dessen AnhĂ€nger aus der Partei auszuschlieĂen. Formell mĂŒssen dem noch andere Parteigremien zustimmen.
Angestrebter Pakt mit RechtsauĂen gescheitert
Vestea bekam nur von der Oppositionspartei PSD (Sozialdemokraten) UnterstĂŒtzung sowie von Abweichlern aus der PNL und Splittergruppen UnterstĂŒtzung. Er hatte auch mit der rechtsextremen Oppositionspartei AUR verhandelt, um UnterstĂŒtzung zu bekommen. Vor der Abstimmung allerdings verlieĂ die AUR-Fraktion den Plenarsaal.
Dan wollte eine Neuauflage der vor mehr als einem Monat zerbrochenen Koalition der PNL mit der als korrupt kritisierten PSD herbeifĂŒhren. Bolojan und die Mehrheit der PNL waren strikt dagegen.Â
Der als reformeifrig und proeuropĂ€isch von vielen RumĂ€nen geschĂ€tzte Bolojan war am 5. Mai vom Parlament per Misstrauensvotum gestĂŒrzt worden - auf Antrag der bis vor ein paar Wochen mitregierenden PSD und der rechtsextremen AUR. Oberste PrioritĂ€t des seit einem Jahr regierenden Bolojan war die Sanierung der maroden Staatsfinanzen.Â
Bis zu seinem Sturz regierte Bolojan an der Spitze einer Koalition aus PSD, PNL, der liberalkonservativen Reformpartei USR sowie der Ungarn-Partei UDMR. Ende April verlieà PSD die Koalition. Rechnerisch ist die Bildung einer proeuropÀischen Mehrheit im Parlament ohne PSD - der stÀrksten Fraktion - schwierig. Aktuell regiert Bolojan kommissarisch.
