Gewalt und Polarisierung prÀgen PrÀsidentenwahl in Kolumbien
31.05.2026 - 05:00:05 | dpa.deKolumbien wĂ€hlt heute vor dem Hintergrund wachsender Gewalt und tiefer politischer Spannungen einen neuen PrĂ€sidenten. Rund 41 Millionen BĂŒrger sind dazu aufgerufen, einen Nachfolger des linken PrĂ€sidenten Gustavo Petro zu bestimmen, der gemÀà Verfassung nicht erneut kandidieren darf.
Insgesamt treten 14 Kandidaten an, nach aktuellen Umfragen gibt es drei klare Favoriten. Zu ihnen zĂ€hlen der linke Senator IvĂĄn Cepeda aus dem Regierungslager, der den Reformkurs Petros fortsetzen will, sowie die konservative Senatorin Paloma Valencia aus dem Umfeld des frĂŒheren PrĂ€sidenten Ălvaro Uribe, die einen harten Sicherheitskurs fordert.Â
Ebenfalls gute Chancen werden dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella eingerĂ€umt, der unter anderem fĂŒr einen schlankeren Staat und ein kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen wirbt.
«Eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre»
Der Wahlkampf wurde zuletzt zunehmend von der schwierigen Sicherheitslage ĂŒberschattet. Kolumbien erlebe derzeit «eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre», sagte die Leiterin des Kolumbien-BĂŒros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Kristin Wesemann.Â
Im Vorfeld der Abstimmung kam es zu einer Reihe von AnschlÀgen, bei denen mehrere Zivilisten, Soldaten und Polizisten ums Leben kamen oder verletzt wurden. Politische Gewalt beschÀftigt das Land aber bereits seit lÀngerem: Im Juni vergangenen Jahres wurde etwa der konservative Senator Miguel Uribe Turbay bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Bogotå angeschossen und erlag spÀter seinen Verletzungen.
Nach EinschÀtzung der KAS-Expertin haben sich bewaffnete Gruppen in vielen Regionen weiter ausgebreitet. «67 Prozent aller Gemeinden [...] sind den illegalen Netzwerken und Gruppen ausgesetzt», sagte Wesemann. Zugleich seien «die staatlichen Sicherheitsstrukturen extrem geschwÀcht».
Einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zufolge erlebte Kolumbien im Vorjahr die schwersten humanitÀren Folgen bewaffneter Konflikte seit einem Jahrzehnt. Mehr als 235.000 Menschen wurden demnach vertrieben.
Petro wollte «totalen Frieden» mit bewaffneten Gruppen
Die Sicherheitslage rĂŒckt damit auch in der Bilanz von Petro in den Mittelpunkt. Der erste linke PrĂ€sident in der Geschichte Kolumbiens war 2022 mit dem Versprechen eines «totalen Friedens» angetreten und wollte durch Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen die jahrzehntelange Gewalt eindĂ€mmen. Ein entscheidender Durchbruch blieb bislang jedoch aus.
AnhĂ€nger der Regierung verweisen dagegen auf soziale Fortschritte. Laut einer Analyse des unabhĂ€ngigen US-Thinktanks Center for Economic and Policy Research (CEPR) stiegen unter Petro die Sozialausgaben deutlich, der Mindestlohn wurde angehoben und die Armutsquote sank seit 2022 spĂŒrbar. Auch die Arbeitslosigkeit ging zuletzt zurĂŒck.
Mehrere Reformprojekte scheiterten jedoch im Kongress oder verzögerten sich. Zudem sorgten zahlreiche Ministerwechsel und in der Ăffentlichkeit ausgetragene Konflikte der Regierung immer wieder fĂŒr Kritik. Auch auĂenpolitisch trat Petro hĂ€ufig konfrontativ auf. Sein VerhĂ€ltnis zu US-PrĂ€sident Donald Trump gilt unter anderem wegen Streitigkeiten ĂŒber Migration, Abschiebungen und Drogenpolitik als angespannt.
Sollte keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreichen, kommt es am 21. Juni zu einer Stichwahl, wovon Umfragen derzeit ausgehen.
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