Merz wirft Nordkorea Bedrohung Europas durch Soldaten vor
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 12:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeutschlands Rolle am Waffenstillstand
- Deutschland gehört seit zwei Jahren dem US-geführten UN-Kommando auf der koreanischen Halbinsel an.
- Seit 2025 ist dort ein Verbindungsoffizier der Bundeswehr stationiert.
- Seit diesem Jahr unterstützt zusätzlich ein deutscher Unteroffizier die Mission.
Merz warnt Nordkorea vor Folgen für Europa
Bundeskanzler Friedrich Merz hat Nordkorea wegen der Entsendung von Soldaten in den Ukraine-Krieg vorgeworfen, die Freiheit in ganz Europa zu bedrohen. Nach seinem Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung in Seoul verwies Merz zugleich auf russische Waffenlieferungen an Nordkorea.
Sicherheitskooperation wird ausgebaut
Merz und Lee vereinbarten eine Vertiefung der strategischen Partnerschaft, die auch den Sicherheitsbereich umfasst. Vorgesehen sind regelmäßiger militärischer Austausch, gemeinsame Übungen und der Austausch von Informationen.
Außerdem sollen die Rüstungsunternehmen beider Länder enger zusammenarbeiten. Nordkorea hat seine militärische Kooperation mit Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine deutlich ausgeweitet.
Nordkorea unterstützt Russland
Pjöngjang lieferte große Mengen Artilleriemunition und Raketen und entsandte nach Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes rund 15.000 Soldaten zur Unterstützung Moskaus. Im Gegenzug wird vermutet, dass Nordkorea finanzielle Unterstützung, Militärtechnik und Sicherheitsgarantien aus Russland erhält.
Raketentests vor Merz’ Ankunft
Kurz vor der Ankunft des Kanzlers feuerte Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Militärs rund zehn ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres. Seit dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 ist die Halbinsel in einen kommunistischen Norden und einen demokratischen Süden geteilt.
Ein Friedensvertrag besteht weiterhin nicht. Die südkoreanische Regierung hatte erst vor einer Woche erneut Gespräche mit Nordkorea vorgeschlagen, doch Machthaber Kim Jong Un signalisierte bislang keine Bereitschaft dazu.
Merz verweist auf deutsche Teilung
Nach Angaben Lees sicherte Deutschland Unterstützung für die Dialogbemühungen zu. Dabei verwies der Präsident auf Deutschlands Erfahrung mit der Teilung des eigenen Landes.
Merz wünschte den Menschen in beiden Teilen Koreas die Wiedervereinigung. In das Gästebuch schrieb er, Korea und Deutschland verbinde die leidvolle Erfahrung der Teilung, und er wünsche den Koreanern Einheit in Freiheit.
Besuch an der Grenze geplant
Am Freitag will Merz die entmilitarisierte Zone an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea besuchen. Die Zone erstreckt sich über 248 Kilometer entlang des 38. Breitengrads.
Deutschland gehört seit zwei Jahren dem US-geführten UN-Kommando an, das den Waffenstillstand überwacht. Seit 2025 ist dort ein Verbindungsoffizier der Bundeswehr stationiert; seit diesem Jahr ist zusätzlich ein Unteroffizier vertreten.
Abschluss der Asienreise in Japan
Zum Abschluss seines Japan-Besuchs besuchte Merz in Tokio das Unternehmen Kyoto Fusioneering, das zentrale Komponenten für künftige Kernfusionskraftwerke liefert. Außerdem traf er deutsche Soldaten, die am US-japanischen Großmanöver „Keen Sword“ teilnehmen.
Am Freitagabend fliegt der Kanzler nach Berlin zurück.
Die Reise des Kanzlers fällt in eine Phase, in der die Sicherheitslagen Europas und Ostasiens enger miteinander verknüpft werden. Nordkoreas militärische Unterstützung für Russland hat den Ukraine-Krieg über die unmittelbare europäische Kriegsschau hinaus erweitert. Für Seoul ist dabei entscheidend, dass Pjöngjang im Gegenzug Zugang zu Geld, Technologie und militärischem Wissen erhalten könnte.
Die von Merz und Lee vereinbarte strategische Partnerschaft verbindet deshalb Außen-, Sicherheits- und Industriepolitik. Regelmäßiger militärischer Austausch, gemeinsame Übungen und Informationsaustausch sollen die Zusammenarbeit institutionell absichern. Für Deutschland bietet die Kooperation zugleich einen Ansatzpunkt, die Beziehungen zu einem technologisch und wirtschaftlich wichtigen Partner auszubauen.
Die Demilitarisierte Zone als politisches Signal
Der Besuch an der Demilitarisierten Zone verleiht der Reise eine symbolische und sicherheitspolitische Dimension. Deutschland ist inzwischen am US-geführten UN-Kommando beteiligt, das den Waffenstillstand auf der koreanischen Halbinsel überwacht. Damit übernimmt Berlin dort nicht nur eine diplomatische Beobachterrolle, sondern ist in begrenztem Umfang auch in bestehende Sicherheitsstrukturen eingebunden.
Die jüngsten Raketenstarts unterstreichen die anhaltende Spannung. Zugleich bleibt der von Seoul vorgeschlagene Dialog ein möglicher, bislang nicht eingelöster Weg zur Entschärfung. Die deutsche Unterstützung für Gespräche knüpft an die eigene Teilungsgeschichte an, kann aber die fehlende Gesprächsbereitschaft der nordkoreanischen Führung nicht ersetzen.
Stern: „Kanzler auf Asienreise: Merz wünscht Koreanern die Wiedervereinigung“ (29.10.2026)
Der Artikel bestätigt Merz’ Besuch in Südkorea und seinen Wunsch nach einer Wiedervereinigung Koreas. Im Mittelpunkt steht dort stärker die historische und politische Symbolik seines Auftritts als die sicherheitspolitische Vereinbarung mit Seoul.
Stern: „Merz besucht Südkorea - Halbleiter und Abhängigkeit von China auf der Agenda“ (29.10.2026)
Dieser Beitrag ordnet den Südkorea-Besuch zusätzlich wirtschaftspolitisch ein und hebt Halbleiter sowie Abhängigkeiten von China hervor. Anders als die Meldung konzentriert er sich damit auf technologische und wirtschaftliche Interessen.
Gemeinsam ist den Beiträgen der Blick auf Merz’ Besuch in Seoul und dessen politische Bedeutung. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei Wiedervereinigung, Sicherheit sowie Wirtschafts- und Technologiepolitik.
