Migranten-Andrang in Ceuta: EU berÀt sich in Krisensitzung
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 04:00 Uhr | dpa.deIn der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat der groĂe Andrang von Migranten zwar nachgelassen â doch die Folgen der Krise sind in Europa lĂ€ngst nicht vorbei. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung ĂŒber die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen RatsprĂ€sidentschaft mitteilte.
«Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland ĂŒberschritten», versicherte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Nach Angaben des spanischen AuĂenministers JosĂ© Manuel Albares sind nahezu alle der mindestens 50.000 irregulĂ€r eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurĂŒckgekehrt. Mindestens 57 Menschen waren beim Ăberqueren der Grenze nach Ceuta ĂŒbers Meer ums Leben gekommen.
Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung hĂ€tten die Menschen enttĂ€uscht und freiwillig die RĂŒckreise angetreten, berichtete die Zeitung «El PaĂs». Trotzdem versuchten am Freitag weitere Hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen, wie Medien berichteten.Â
An der Grenze zwischen Marokko und Melilla kam es laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten. Mehrere Menschen hĂ€tten Steine auf die SicherheitskrĂ€fte geschleudert, wĂ€hrend diese TrĂ€nengas eingesetzt hĂ€tten. ZunĂ€chst war unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. In Ceuta, wo die Menschen in den vergangenen Tagen ĂŒberwiegend schwimmend ankamen, verhinderten spanische Soldaten den Zugang vom Meer zum Strand.Â
Spanien: SolidaritÀt ist freiwillig, europÀische VertrÀge nicht
Spaniens MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen â und Europa nicht zu spalten. «SolidaritĂ€t und MitgefĂŒhl sind freiwillig», schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europĂ€ischen VertrĂ€ge sei es jedoch nicht.
Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen ĂŒber den freien Personenverkehr in der EU gegenĂŒber Spanien vorĂŒbergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgefĂŒhrt werden.Â
Was ist der Schengen-Raum?
Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen grundsÀtzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Dazu gehören insgesamt 29 LÀnder, darunter EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, aber auch Nicht-EU-LÀnder wie die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Ceuta und Melilla gehören nicht zum Schengen-Raum. Ein dauerhafter Ausschluss eines Landes aus dem Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln nicht vorgesehen.
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron bekundete SolidaritĂ€t mit Spanien, lieĂ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstĂ€rken. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. «Der Schutz der AuĂengrenzen der EuropĂ€ischen Union ist entscheidend fĂŒr die BekĂ€mpfung illegaler Migration», betonte der CDU-Politiker.
Ceuta ist kleiner als der Frankfurter Flughafen
Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer FlĂ€che von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den StraĂen ĂŒbernachtet.
