USA, Großbritannien

TÀter. MenschenfÀnger. Wer war Jeffrey Epstein?

20.02.2026 - 04:45:05 | dpa.de

Mit Charme, Macht und Manipulation schuf Jeffrey Epstein ein Netzwerk aus AbhĂ€ngigkeiten – heute will niemand etwas gewusst haben. Eine AnnĂ€herung an ein System der Ausbeutung und des Menschenhandels.

  • Der Skandal um Jeffrey Epstein wirft weltweit Fragen auf. (Archivbild) - Foto: ---/AP/dpa
  • Epstein entzog sich mit seinem Tod weiteren Verfahren. (Archivbild) - Foto: Jon Elswick/AP/dpa
  • Epstein verstand es wie kaum ein anderer, mĂ€chtige Menschen um sich zu sammeln. (Archivbild) - Foto: Alex Brandon/AP/dpa
Der Skandal um Jeffrey Epstein wirft weltweit Fragen auf. (Archivbild) - Foto: ---/AP/dpa Epstein entzog sich mit seinem Tod weiteren Verfahren. (Archivbild) - Foto: Jon Elswick/AP/dpa Epstein verstand es wie kaum ein anderer, mÀchtige Menschen um sich zu sammeln. (Archivbild) - Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Von Jeffrey Epstein existieren zwei grundlegende Narrative. Das heutige, nach seinem Tod 2019 als SexualstraftĂ€ter in einer engen GefĂ€ngniszelle mit allen mittlerweile bekannten Schrecken. Und das der frĂŒhen 2000er Jahre, als die New Yorker High Society dem «talentierten Mr. Epstein» zu FĂŒĂŸen lag. Dem «fantastischen Kerl», wie US-PrĂ€sident Donald Trump, der sich selbst fĂŒr einen solchen hĂ€lt, einst gesagt haben soll.

In den Berichten der damaligen Zeit wird ĂŒber einen mysteriös-erfolgreichen Mann geschrieben, der Milliardenvermögen fĂŒr einen auserwĂ€hlten Kreis verwaltet - und mit Charme und Intelligenz AbhĂ€ngigkeiten zu seinen Gunsten schafft. Das «New York Magazine» veröffentlichte 2002 eine gut gemeinte Karikatur von Epstein und dem frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Bill Clinton auf Reisen. Wer heute nach dem SexualstraftĂ€ter sucht, findet zuerst ein Polizeifoto. Das ist kein Widerspruch.

Epstein, der BetrĂŒger

Das von Epstein selbst aufgebaute Bild des ewig Unnahbaren mit teuflischen FĂ€higkeiten fĂŒr zwischenmenschliche Manipulation wird mittlerweile von WeggefĂ€hrten zur Verteidigung genutzt. «Er war ein BetrĂŒger. Und obwohl ich betrogen wurde, habe ich nichts Unrechtes getan und nichts zu verbergen», sagte der US-MilliardĂ€r Leslie Wexner Medien zufolge zu Kongressmitgliedern. 

Er selbst sei «naiv, töricht und leichtglĂ€ubig» gewesen, teilte er in einer Stellungnahme an einen Kongressausschuss mit. Der heute 88-JĂ€hrige hatte mit seinem Konzern L Brands zahlreiche US-amerikanische Marken groß gemacht, darunter Victoria's Secret, Bath & Body Works und Abercrombie & Fitch. Mit Epstein soll er jahrzehntelang verbunden gewesen sein.

Ähnliche Distanzierungen haben in den vergangenen Tagen und Wochen andere in den Akten erwĂ€hnte Persönlichkeiten abgegeben - unter anderem der frĂŒhere britische Minister Peter Mandelson und die Ex-Frau des in dem Skandal tief gefallenen Ex-Prinzen Andrew, Sarah Ferguson. Andrew war am Donnerstag fĂŒr fast zwölf Stunden von der Polizei festgenommen worden, ein Tiefpunkt in der Geschichte der Königsfamilie. Bekannt waren diese Prominenten alle mit Epstein - wirklich gekannt haben will ihn heute niemand mehr. Von einem tieferen Wissen ĂŒber die Verbrechen ganz zu schweigen.

Epstein, der Manipulator

Im November 2021 - knapp zweieinhalb Jahre nachdem Epstein tot in seiner Zelle aufgefunden worden war - veröffentlichte die «New York Times» einen Bericht ĂŒber Dokumente des Federal Bureau of Prisons, wonach Epsteins Spiel mit seinen Mitmenschen bis zuletzt angehalten hatte. «Ich habe kein Interesse daran, mich selbst umzubringen», soll der Inhaftierte zu einem GefĂ€ngnispsychologen gesagt haben. Er sei schließlich «ein Feigling». Die Zeitung schrieb: «Doch zwei Wochen spĂ€ter tat er genau das.»

Das Ausmaß von Epsteins Verbrechen, das durch die Veröffentlichung der in weiten Teilen allerdings noch geschwĂ€rzten Ermittlungsakten weiter offengelegt wird, war da schon in strafrechtlich relevanten GrundzĂŒgen bekannt. Der Finanzier betrieb mit seiner GefĂ€hrtin Ghislaine Maxwell, die 2022 unter anderem wegen Menschenhandels mit MinderjĂ€hrigen zu Missbrauchszwecken verurteilt wurde, ĂŒber Jahre einen professionellen Missbrauchsring mit einer bis heute unbekannten hohen Zahl an Opfern. 

Mit seinem Tod in Untersuchungshaft entging Epstein weiteren Gerichtsverfahren. Die heute 64-jÀhrige Maxwell, die im Missbrauchssystem jahrelang als eine Art ZuhÀlterin agierte, macht in Haft beharrlich von ihrem Recht Gebrauch zu schweigen.

RechtskrĂ€ftig verurteilt worden war Epstein nur nach einem umstrittenen Deal samt GestĂ€ndnis bereits 2008. Damals gestand der Amerikaner die Inanspruchnahme von Prostitution sowie die Beschaffung einer Person unter 18 Jahren zur Prostitution. Er trat eine 18-monatige Haftstrafe an und verbĂŒĂŸte davon weniger als 13 Monate.

Epstein, der TĂ€ter

Insbesondere die E-Mail-VerlĂ€ufe aus den Dokumenten - es sind Tausende, teils einzeln gespeicherte Seiten - zeigen, dass sich viele aus seinem Umfeld nicht an der Strafe störten. Epsteins Verbrechen wurden nicht unter dem Deckmantel seiner erfolgreichen Milliardendeals begangen - sie verhalfen ihm zu seinem Status. Frauen und MĂ€dchen als Objekte fĂŒr GeschĂ€ftstreffen zu vermitteln, schien in Epsteins Welt zum guten Ton zu gehören.

«Wer war Jeffrey Epstein?», fragte die britische Rundfunkanstalt BBC in diesem Februar, nachdem das US-Justizministerium weitere Teile der Akten veröffentlicht hatte. Der Mann, der heute einer der bekanntesten SexualstraftĂ€ter ist, war einst ein Mathematik- und Physiklehrer in New York. Ab Ende der 1970er Jahre machte er Karriere in der Welt des großen Geldes. Kunden mit weniger als einer Milliarde US-Dollar soll sein Unternehmen abgelehnt haben.

Das ihm frĂŒher wohlwollend beschiedene Image als Lebemann mit wechselnden Partnerinnen erscheint mit dem Wissen von heute in einem anderen Licht. Im Internet hat sich mittlerweile die Frage, ob der oder die eigene Lieblingsprominente in den Epstein-Akten steht, verselbststĂ€ndigt. Es gibt etliche Fotos von dem Unternehmer Arm in Arm mit bekannten Persönlichkeiten - unter anderem Trump, der die VorwĂŒrfe, von den kriminellen Machenschaften gewusst zu haben, stets zurĂŒckgewiesen hat.

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