Israel, Iran

Neue gegenseitige Angriffe zwischen Iran und Israel

08.06.2026 - 09:12:35 | dpa.de

Mit der im April vereinbarten Waffenruhe im Iran-Krieg endeten auch die Angriffe zwischen dem Iran und Israel - bis jetzt. Israel reagiert auf neue Attacken. Entgegen einer Forderung Trumps.

Der Iran hat am spÀten Sonntagabend Israel wieder mit Raketen angegriffen.  - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
Der Iran hat am spÀten Sonntagabend Israel wieder mit Raketen angegriffen. - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Iran und Israel haben sich das erste Mal seit der im April zwischen Teheran und Washington vereinbarten Waffenruhe gegenseitig angegriffen. Israels Luftwaffe habe Ziele im Westen und im Zentrum des Irans ins Visier genommen, teilte das israelische MilitĂ€r in den frĂŒhen Morgenstunden auf der Plattform X mit. Wenige Stunden zuvor hatte der Iran Israel mit Raketen beschossen. Auch am Morgen feuerte das Land erneut Raketen auf Israel.

Berichte ĂŒber Explosionen in Teheran

Der iranische Staatssender Irib und die Nachrichtenagentur Irna berichteten unterdessen, dass in der Hauptstadt Teheran Explosionen zu hören gewesen seien. Wohngebiete innerhalb der Stadt wurden demnach nicht getroffen. Der Angriff folgte auf iranische Raketenangriffe auf Israel am Abend zuvor.

Iran feuert Raketen auf Israel

Am spĂ€ten Sonntagabend hatten Staatsmedien der Islamischen Republik mehrere Raketensalven auf Israel gemeldet. Irans zentrales MilitĂ€rkommando bestĂ€tigte die Raketenangriffe. In einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten ErklĂ€rung begrĂŒndeten die StreitkrĂ€fte die Attacke mit «wiederholten VerstĂ¶ĂŸen» der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Irans StreitkrĂ€fte zielten eigenen Angaben unter anderem auf den israelischen LuftwaffenstĂŒtzpunkt Ramat David.

Laut dem israelischen MilitÀr wurden alle Raketen der ersten Wellen abgefangen. 

Neuer Raketenbeschuss am Morgen

In mehreren Gegenden Israels heulten nach neuem iranischem Raketenbeschuss am Morgen die Warnsirenen. Unter anderem im Zentrum und im SĂŒden des Landes gab es Raketenalarm. Etliche Menschen mussten erneut Schutz in Bunkern vor dem Angriff suchen. Zuvor hatten sie eine Warnung per Handy erhalten. «Die Verteidigungssysteme sind im Einsatz, um die Bedrohung abzufangen», teilte das israelische MilitĂ€r mit.

Israelischen Berichten zufolge wurden bei einem iranischen Raketenangriff am Morgen mehrere HĂ€user in einer israelischen Siedlung im besetzten Westjordanland beschĂ€digt. Nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs ist auch eine Rakete aus dem Jemen in Richtung Israel abgefeuert worden. Im Jemen operiert die vom Iran unterstĂŒtzte militant-islamistische Huthi-Miliz. 

Israels Armee greift petrochemische Anlage im Iran an

Das israelische MilitĂ€r griff nach eigenen Angaben im SĂŒdwesten Irans, in der Hafenstadt Mahschahr, eine Anlage der petrochemischen Industrie an. Die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den mĂ€chtigen Revolutionsgarden nahesteht, berichtete unter Berufung auf einen stellvertretenden Gouverneur der iranischen Provinz Chusesten, dass Teile der Anlage bei dem Luftangriff beschĂ€digt worden seien. Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Netanjahu setzt sich ĂŒber Forderung von Trump hinweg

US-PrĂ€sident Donald Trump telefonierte in der Nacht zum Montag mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu. Medien berichteten, dass Trump Netanjahu dazu aufforderte, auf Gegenangriffe gegen Teheran zu verzichten. An den Iran appellierte er laut dem US-Sender Fox News, an den Verhandlungstisch zurĂŒckzukehren und ein Abkommen zu schließen.

GegenĂŒber der «Financial Times» hatte sich Trump zuversichtlich geĂ€ußert, dass es trotz der jĂŒngsten Eskalation ein Abkommen geben wird. «Das wird keinerlei Auswirkungen auf das Abkommen haben», sagte Trump in einem Telefoninterview der Zeitung. 

Zudem werde Netanjahu keine andere Wahl haben, als ein Abkommen zu akzeptieren, das die USA mit dem Iran aushandelten. «Ich habe das alleinige Sagen. Er hat nicht das Sagen», meinte der US-PrÀsident demnach mit Bezug auf den israelischen MinisterprÀsidenten.

Angriffe im Libanon

Israel hatte am Sonntag in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen – trotz einer Waffenruhe im Libanon, die unter Vermittlung von den USA zustande gekommen war. Die Armee habe in Beirut «Terroristen-Hauptquartiere» als Reaktion auf vorherigen Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. 

Die Hisbollah ist der wichtigste nicht staatliche VerbĂŒndete des Irans. Teheran hatte zuvor gewarnt, dass weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet wĂŒrden.

LĂ€ngere Verhandlungen brachten keinen Durchbruch

Am 28. Februar hatten Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Teheran reagierte mit massiven Angriffen auf Israel und die Golfstaaten mit Raketen und Drohnen. Zuletzt hat der Iran in der Nacht auf den 8. April Raketen auf Israel abgefeuert. Am selben Tag einigten sich die USA und der Iran auf eine zunĂ€chst zweiwöchige Waffenruhe, die spĂ€ter verlĂ€ngert wurde. Trump knĂŒpfte diese auch an die Öffnung der Straße von Hormus. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran ĂŒber eine dauerhafte Beendigung des Kriegs haben aber bisher keine Einigung gebracht. 

Die Waffenruhe fĂŒr den Libanon, wo Israel gegen die Hisbollah-Miliz vorgeht, war Mitte April verkĂŒndet worden. Vergangene Woche einigten sich Israel und der Libanon auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der bisher faktisch kaum wirksamen Feuerpause. Die libanesische Regierung ist keine Kriegspartei. Die Hisbollah-Miliz verhandelt nicht mit Israel und lehnte die vereinbarten Bedingungen ab.

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