Nach MilitÀrschlag gegen Huthi: Miliz droht mit Eskalation
04.02.2024 - 05:23:36 | dpa.de
Vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges gehen die USA mit verstĂ€rktem Druck gegen proiranische Milizen im Nahen Osten vor. Zusammen mit den StreitkrĂ€ften GroĂbritanniens griff die US-Luftwaffe in der Nacht zum Sonntag erneut Stellungen der Huthi im Jemen an. Mit UnterstĂŒtzung weiterer LĂ€nder seien 36 Ziele an 13 Orten attackiert worden, teilte das US-Verteidigungsministerium in Washington mit. Erst am Vortag hatten die Amerikaner umfangreiche Luftangriffe gegen Milizen im Irak und Syrien geflogen, die wie die Huthi mit dem Iran verbĂŒndet sind und kĂŒrzlich bei einem Drohnenangriff in Jordanien drei US-Soldaten getötet hatten. Der Weltsicherheitsrat soll sich am Montag auf Betreiben Russlands mit den VergeltungsschlĂ€gen beschĂ€ftigen. Moskau wirft Washington vor, gezielt eine Eskalation des Konflikts in Nahost herbeifĂŒhren zu wollen.
Huthi: Werden auf Eskalation mit Eskalation antworten
Die Milizen agieren aus SolidaritĂ€t mit der islamistischen Hamas, die im Gazastreifen gegen die Armee des US-VerbĂŒndeten Israel kĂ€mpft. So nehmen die Huthi im Jemen seit Beginn des Gaza-Krieges vor fast vier Monaten immer wieder Handelsschiffe mit angeblich israelischer Verbindung im Roten Meer ins Visier. Das erklĂ€rte Ziel der USA und ihrer VerbĂŒndeten ist es, die militĂ€rischen FĂ€higkeiten der Huthi zu schwĂ€chen und so die fĂŒr den Welthandel wichtige Schifffahrtsroute zu schĂŒtzen. Es handle sich bei dem erneuten Schlag nicht um eine Eskalation, sagte der britische Verteidigungsminister Grant Shapps. Vielmehr sollten unschuldige Leben geschĂŒtzt und die Freiheit der Schifffahrt bewahrt werden.Â
Die Huthi wollen ihre Attacken im Roten Meer jedoch fortsetzen. Die Bombardements «werden unsere Position nicht Ă€ndern», sagte Mohammed al-Buchaiti, Mitglied des PolitbĂŒros der militanten Huthi-Bewegung. «Wir werden auf Eskalation mit Eskalation antworten». Unterdessen feuerten die US-StreitkrĂ€fte am Sonntagmorgen erneut auf eine Antischiffsrakete der Huthi. Sie sei im Jemen zum Abschuss auf Schiffe im Roten Meer vorbereitet worden und habe eine unmittelbare Gefahr auch fĂŒr US-Marineschiffe in der Region dargestellt, teilte das US-Zentralkommando auf der Plattform X (frĂŒher Twitter) mit.
Druck auf Israels Regierungschef Netanjahu wĂ€chstÂ
Unterdessen haben in Israel Tausende Menschen bei Demonstrationen den Druck auf die Regierung von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu erhöht, mehr fĂŒr die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen zu tun. Seit nunmehr 120 Tagen befinden sich die noch mehr als 130 Geiseln in der Gewalt der Hamas. Netanjahu wird vorgeworfen, die BemĂŒhungen um die Freilassung der Geiseln seinem eigenen politischen Ăberleben unterzuordnen. Netanjahu regiert zusammen mit ultra-rechten religiösen Parteien. Deren FĂŒhrungsleute drohen mit der Sprengung der Regierungskoalition, sollte Netanjahu ZugestĂ€ndnisse an die Hamas machen.Â
Hamas will sich bald zu möglicher Feuerpause Ă€uĂern
Ein von den Vermittlern USA, Ăgypten und Katar kĂŒrzlich in Paris ausgehandelter Vorschlag, der die stufenweise Freilassung der Geiseln im Gegenzug fĂŒr eine lĂ€ngere Feuerpause sowie fĂŒr die Freilassung palĂ€stinensischer Strafgefangener vorsieht, soll von Israels VerhandlungsfĂŒhrern akzeptiert worden sein. Der Rahmenentwurf liegt nun der Hamas zur Annahme vor. Man diskutiere den Entwurf derzeit noch und werde die eigene Position dazu «bald» bekannt geben, sagte Osama Hamdan, ein Vertreter der im Exil lebenden politischen Hamas-FĂŒhrung in Beirut der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht zum Sonntag. Ohne eine Waffenruhe werde es keine Freilassung von Geiseln geben, fĂŒgte Hamdan hinzu.Â
Die Hamas und andere extremistische Gruppen hatten am 7. Oktober den SĂŒden Israels ĂŒberfallen, 1200 Menschen getötet und rund 250 Geiseln entfĂŒhrt. Auf das schlimmste Massaker in seiner Geschichte reagierte Israel mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. 105 Geiseln waren in der bisher einzigen Feuerpause im November gegen 240 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen ausgetauscht worden. Derzeit werden in dem KĂŒstengebiet am Mittelmeer noch 136 Geiseln festgehalten. Israel geht davon aus, dass knapp 30 von ihnen nicht mehr am Leben sind.
Was am Sonntag wichtig wird
Die schnelle Abfolge der MilitĂ€reinsĂ€tze der USA und ihrer Partner gegen proiranische Milizen halten die Welt in Atem. Derweil warten die USA und andere Vermittlerstaaten weiter auf eine Stellungnahme der islamistischen Hamas zum jĂŒngsten Vorschlag fĂŒr eine erneute Feuerpause und die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen. Frankreichs AuĂenminister StĂ©phane SĂ©journĂ© hĂ€lt sich unterdessen im Rahmen seiner Nahost-Reise in Jordanien auf.  Â
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