Ann Widdecombe, Nigel Farage

Mordfall Widdecombe: Angeklagter soll auch Terrorplan gegen Farage vorbereitet haben

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 02:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Im Mordfall der britischen Brexit-Politikerin Ann Widdecombe wird der angeklagte 28-Jährige zusätzlich wegen mutmaßlicher Vorbereitungen terroristischer Anschläge verfolgt. Zu den möglichen Zielen soll auch Reform-UK-Chef Nigel Farage gehört haben.

Der Vorsitzende von Reform UK, Nigel Farage, soll den Ermittlern zufolge auch ein mögliches Anschlagsziel gewesen sein. (Archivbild) - Bild: Thomas Krych/AP/dpa
Der Vorsitzende von Reform UK, Nigel Farage, soll den Ermittlern zufolge auch ein mögliches Anschlagsziel gewesen sein. (Archivbild) - Bild: Thomas Krych/AP/dpa

Der im Mordfall der britischen Brexit-Politikerin Ann Widdecombe angeklagte 28-Jährige soll auch einen Terrorplan gegen Nigel Farage vorbereitet haben.

Vorwürfe gegen Angeklagten ausgeweitet

Die britische Staatsanwaltschaft wirft dem 28 Jahre alten Briten „Handlungen zur Vorbereitung terroristischer Anschläge“ vor. Darunter soll nach Angaben der Anti-Terror-Polizei auch ein möglicher Anschlag auf Farage, den Vorsitzenden der Partei Reform UK, fallen.

Der Angeklagte soll am 7. Oktober in London vor Gericht erscheinen. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, es gebe ausreichende Beweise für die Anklage. Sie bezieht sich auf Handlungen, die zwischen dem 31. Mai 2024 und dem 8. Juli 2026 stattgefunden haben sollen.

Ermittlungen dauern an

Der für Terrorismusbekämpfung zuständige leitende Staatsanwalt Frank Ferguson erklärte, die Beweislage reiche für ein strafrechtliches Vorgehen aus. Vicki Evans von der Anti-Terror-Polizei sprach von einer intensiven und komplexen Ermittlung.

Die Ermittler hätten über längere Zeit in einem gesamten Netzwerk der Terrorismusbekämpfung gearbeitet. Weitere Einzelheiten zu den konkreten Vorwürfen gegen Farage oder zu möglichen Anschlagsvorbereitungen wurden zunächst nicht genannt.

Mordfall Widdecombe sorgte für Aufsehen

Widdecombe war Anfang Juli tot in ihrem Haus im Dartmoor in der englischen Grafschaft Devon gefunden worden. Die 78-Jährige wies schwere Verletzungen auf. Daraufhin wurde eine Mordermittlung eingeleitet, in deren Verlauf der nun Beschuldigte wegen Mordes angeklagt wurde.

Widdecombe war viele Jahre Abgeordnete der Konservativen im britischen Unterhaus. Später saß sie als überzeugte Brexit-Befürworterin für Farages Brexit-Partei im Europäischen Parlament und wurde Sprecherin der Nachfolgepartei Reform UK.

Innenministerin kündigt Schutzmaßnahmen an

Innenministerin Shabana Mahmood bekundete Farage ihr tiefes Mitgefühl und äußerte sich besorgt über die Sicherheit von Politikern. Ein Angriff auf einen Politiker sei ein Angriff auf alle, schrieb sie auf der Plattform X.

Nach der Sitzungspause des Parlaments will Mahmood über Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes von Menschen berichten, die sich für ein öffentliches Amt entschieden haben. Der Brexit und die künftige Beziehung Großbritanniens zur Europäischen Union bleiben politisch umstritten.

Politische Gewalt als Sicherheitsfrage

Der Fall verbindet einen mutmaßlichen Mord an einer bekannten Brexit-Politikerin mit dem Vorwurf, ein weiterer prominenter Politiker habe Ziel eines geplanten Terroranschlags werden sollen. Damit reicht die Bedeutung über das einzelne Strafverfahren hinaus: In Großbritannien steht erneut die Frage im Mittelpunkt, wie stark öffentliche Mandate und politische Sichtbarkeit das persönliche Sicherheitsrisiko erhöhen.

Besonders sensibel ist der Vorgang, weil Nigel Farage als Vorsitzender von Reform UK zu den prägenden Stimmen der britischen Brexit-Politik gehört. Ann Widdecombe war zunächst für die Konservativen im Unterhaus tätig, später Brexit-Abgeordnete im Europäischen Parlament und Sprecherin von Reform UK. Der Fall berührt damit ein politisches Umfeld, in dem Fragen der nationalen Souveränität, des EU-Austritts und einer möglichen engeren Beziehung zur Europäischen Union weiterhin kontrovers diskutiert werden.

Folgen für Politiker und Öffentlichkeit

Die britische Innenministerin hat nach der Anklage angekündigt, über Maßnahmen zum besseren Schutz von Menschen im öffentlichen Amt zu berichten. Für Politiker könnten daraus zusätzliche Sicherheitsprüfungen, Schutzmaßnahmen bei Veranstaltungen und eine engere Zusammenarbeit zwischen Polizei und Parlament folgen. Zugleich muss das Verfahren nun klären, welche konkreten Handlungen dem Angeklagten zugerechnet werden und wie sie rechtlich einzuordnen sind.

Für die Öffentlichkeit steht zunächst der gerichtliche Prozess im Vordergrund. Die Anklage markiert einen erheblichen Schritt der Strafverfolgung, ersetzt aber keine gerichtliche Feststellung der Schuld. Der für den 7. Oktober angesetzte Termin dürfte deshalb Aufschluss über den weiteren Verfahrensgang und über die Einzelheiten der Terrorvorwürfe geben.

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