EuropĂ€er arbeiten an Garantien fĂŒr Kiew - keine US-Truppen
19.08.2025 - 19:33:18 | dpa.deDeutschland und seine Partner arbeiten nach den Worten von Verteidigungsminister Boris Pistorius mit Hochdruck an Details verlĂ€sslicher Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine. Ein Unsicherheitsfaktor dabei ist, wie genau sich die USA am Schutz des von Russland angegriffenen Landes nach einem möglichen Friedensabkommen beteiligen könnten. US-PrĂ€sident Donald Trump schloss den Einsatz amerikanischer Bodentruppen am Tag nach dem Ukraine-Gipfel im WeiĂen Haus aus und verwies auf die Bereitschaft einiger europĂ€ischer Staaten.Â
Erst Schutzversprechen, dann ZugestÀndnisse
Pistorius sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wie ein deutscher Beitrag zu den Sicherheitsgarantien aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest und wird politisch und militĂ€risch festzulegen sein.» Dabei wĂŒrden der Verlauf der Verhandlungen, der mögliche Beitrag der USA und die Abstimmungen mit den Partnern berĂŒcksichtigt. «NatĂŒrlich ist dabei auch zu prĂŒfen, welche Bereitschaft Russland zeigt, zu einer Friedenslösung zu kommen.»
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte mit Blick auf Sicherheitsgarantien gesagt: «Völlig klar ist, dass sich ganz Europa daran beteiligen sollte.» Deutschland habe «eine hohe Verantwortung», dies zu tun. Auf die Frage, ob sich auch die Bundeswehr daran beteiligen könnte, antwortete Merz, es sei zu frĂŒh, darauf eine endgĂŒltige Antwort zu geben.Â
Sicherheitsgarantien gegen weitere russische Angriffe gelten als eine Grundvoraussetzung dafĂŒr, dass die Ukraine in Verhandlungen ZugestĂ€ndnisse macht. Bei dem Treffen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj, europĂ€ischen Spitzenpolitikern und Trump am Montag war ĂŒber Schutzversprechen nach dem Vorbild des Artikel 5 des Nato-Vertrages diskutiert worden. Der Artikel 5 regelt den BĂŒndnisfall, bei dem die Nato-Staaten im Fall eines Angriffs auf die UnterstĂŒtzung der Alliierten zĂ€hlen können.
Trump sieht EuropÀer zu Truppeneinsatz in der Ukraine bereit
Trump hatte sich zwar dazu bereit erklÀrt, dass die USA Sicherheitsgarantien mittragen werden. Nach dem Treffen in Washington lieà er Details dazu aber zunÀchst offen. Er versicherte mit Blick auf die Ukrainer nur: «Wir werden ihnen sehr guten Schutz geben, sehr gute Sicherheit.»
In einem GesprĂ€ch mit dem US-Sender Fox News am Dienstag wurde Trump etwas konkreter. Er gehe davon aus, dass Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien dazu bereit seien, zur Absicherung eines möglichen Friedens Soldaten in die Ukraine zu schicken. «Wenn es um die Sicherheit geht, sind sie bereit, Bodentruppen zu entsenden», sagte er. Die Vereinigten Staaten seien unterdessen bereit, die VerbĂŒndeten â etwa aus der Luft â zu unterstĂŒtzen.
Selenskyj bezeichnete Sicherheitsgarantien fĂŒr sein Land als vorrangig fĂŒr einen Frieden mit Russland. «Es ist sehr wichtig, dass die Vereinigten Staaten ein starkes Signal geben und bereit sind fĂŒr diese Sicherheitsgarantien.» Zudem hĂ€nge die Sicherheit der Ukraine auch von den europĂ€ischen VerbĂŒndeten ab.
Russland lehnt eine Stationierung von Truppen aus Nato-Staaten in der Ukraine bislang kategorisch ab.
EU-RatsprĂ€sident zeigt sich optimistischÂ
Nach einer Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der EU zur Nachbesprechung des Ukraine-Gipfels sprach EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa von einer wachsenden Dynamik hinsichtlich der Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine. Die Anstrengungen mĂŒssten nun beschleunigt und ein Schutzversprechen gemacht werden Ă€hnlich dem in Artikel 5 des Nato-Vertrages mit fortgesetztem Engagement der USA, sagte Costa in Lissabon. Costa sagte zudem, dass er nach der Videoschalte mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten telefoniert habe.
Nach Angaben des britischen Premierministers Starmer wollen sich Vertreter der sogenannten Koalition der Willigen mit ihren US-Partnern treffen, um Sicherheitsgarantien fĂŒr Kiew zu konkretisieren. Es werde dabei auch darum gehen, die Vorbereitungen fĂŒr den Einsatz von Friedenstruppen im Falle einer Waffenruhe voranzubringen, erklĂ€rte er nach der Videoschalte von rund 30 Staats- und Regierungschefs. Laut Costa sollen diese GesprĂ€che in den kommenden Tagen, voraussichtlich noch in dieser Woche, stattfinden.Â
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron hatte zuvor vor einem vorschnellen Friedensvertrag ohne Absicherung gewarnt. «Dieser Frieden darf nicht ĂŒberstĂŒrzt werden und muss durch solide Garantien abgesichert sein, sonst stehen wir wieder am Anfang», sagte Macron dem Sender TF1/LCI.
Zweiertreffen von Putin und Selenskyj?Â
US-PrĂ€sident Trump strebt ein Zweiertreffen von Selenskyj mit Kremlchef Wladimir Putin an. Danach solle es ein Dreiertreffen geben, an dem auch er teilnehmen werde, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.Â
Putin habe in einem TelefongesprÀch mit Trump eingewilligt, an einem bilateralen Treffen mit dem ukrainischen PrÀsidenten teilzunehmen, hieà es aus deutschen Regierungskreisen. Laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist das Selenskyj-Putin-Treffen innerhalb der nÀchsten zwei Wochen geplant.
Die Bundesregierung wertete den Ukraine-Gipfel in Washington als historisches Treffen. Die Dynamik des Gipfels von Trump und Putin am vergangenen Freitag in Alaska sei gedreht worden, hieĂ es aus Regierungskreisen. Trump habe sich jetzt weitgehend auf die Position der EuropĂ€er zurĂŒck orientiert.Â
Verhaltene Reaktion aus Moskau
Die öffentliche Reaktion aus Russland war zunĂ€chst verhalten. Moskau sei prinzipiell fĂŒr jedes GesprĂ€chsformat offen, sagte AuĂenminister Sergej Lawrow im Staatsfernsehen. «Aber alle Kontakte unter Beteiligung der Staatschefs mĂŒssen Ă€uĂerst sorgfĂ€ltig vorbereitet werden», fĂŒgte er hinzu. Schon zuvor hatte Russland mit diesem Argument Forderungen Selenskyjs nach einem schnellen Treffen mit Putin zurĂŒckgewiesen. Nach Ansicht Moskaus mĂŒssen zuerst Delegationen auf unterer Ebene eine Vereinbarung aushandeln.Â
Uneinigkeit ĂŒber Notwendigkeit einer WaffenruheÂ
Uneinigkeit herrscht in der Frage einer sofortigen Waffenruhe als Voraussetzung fĂŒr Friedensverhandlungen. Diese zentrale Forderung hatte Trump nach dem Alaska-Gipfel mit Putin aufgegeben. Bei dem Treffen im WeiĂen Haus wurde die Frage unterschiedlich bewertet. Kanzler Merz hĂ€lt weiterhin an dieser Forderung fest: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nĂ€chste Treffen ohne eine Feuerpause stattfindet», sagte er im WeiĂen Haus.Â
Selenskyj verzichtete dagegen auf die Forderung nach einer Waffenruhe vor einem Treffen mit Putin. «Ich finde, dass wir uns ohne irgendwelche Vorbedingungen treffen und darĂŒber nachdenken mĂŒssen, wie dieser Weg zur Beendigung des Krieges weitergehen könnte», sagte er.Â
Trump sagte bei seinem Treffen mit Selenskyj, er möge zwar das Konzept einer Feuerpause, weil damit das Töten von Menschen sofort aufhören wĂŒrde. «Aber wir können an einem Deal arbeiten, wo wir auf ein Friedensabkommen abzielen.»
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