Flávio Bolsonaro erhält US-Visum trotz Ausreiseverbot
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 02:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVisa-Zusage und Ermittlungen gegen Bolsonaro
- US-Präsident Donald Trump hatte Zweifel am Ergebnis der brasilianischen Stichwahl geäußert.
- Das Oberste Gericht ließ Bolsonaros Reisepässe ungültig machen und untersagte ihm die Ausreise.
- Die Stichwahl endete laut Wahlgericht mit 48,2 Prozent fĂĽr Bolsonaro und 51,8 Prozent fĂĽr Lula.
Flávio Bolsonaro soll Brasilien verlassen haben
Nach Medienberichten über die Ausreise des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro haben die USA ihm und seiner Familie Visa zugesagt. Ein US-Regierungsbeamter bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten ermöglicht werde.
Der Aufenthaltsort des rechten Senators ist unklar, während sich Berichte über eine Reise über Argentinien in die USA mehren.
Gericht untersagte die Ausreise
Bolsonaro war einer Anordnung des Obersten Gerichts nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Richter Alexandre de Moraes hatte die Pässe ungültig machen lassen und Bolsonaro die Ausreise untersagt.
Die Verfügung steht im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz. Dabei geht es um mutmaßliche Geldwäsche im Umfeld von Unternehmen und Online-Sportwetten. Bolsonaro weist jedes Fehlverhalten zurück.
Partei kennt Aufenthaltsort nicht
Bolsonaros früherer Wahlkampfkoordinator Rogério Marinho sagte, er wisse nicht, wo sich der Senator befinde. Auch Anwalt Frederick Wassef erklärte, er könne zu den Berichten nichts sagen.
Marinho zufolge hatte Bolsonaro ihm am Dienstag per Textnachricht mitgeteilt, eine Auszeit zu nehmen und später wieder mit Parteikollegen zu sprechen.
Berichte ĂĽber Route in die USA
Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf US-Beamte, Bolsonaro sei in die USA ausgereist. „Folha de S. Paulo“ schrieb, Bolsonaro sei zunächst nach Argentinien gereist und habe von dort in die USA weiterreisen wollen.
Auch „La Nación“ berichtete über einen Flug in die USA. Argentiniens Einwanderungsbehörde teilte demnach mit, dass keine Einreise Bolsonaros registriert worden sei.
Bolsonaro hatte Ausreise bestritten
Nach seiner Wahlniederlage hatte Bolsonaro erklärt, er werde seine Pässe abgeben und gegen die Maßnahme vorgehen. Ausreisepläne bestritt er. Gegen seinen in den USA lebenden Bruder Eduardo Bolsonaro liegt in Brasilien ein Haftbefehl vor.
Ex-Präsident Jair Bolsonaro verbüßt derzeit im Hausarrest eine 27-jährige Haftstrafe. Er wurde wegen Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich verurteilt.
Lula kritisiert mutmaĂźliche Flucht
Präsident Lula kritisierte die mutmaßliche Ausreise bei einer Feier zu seinem 81. Geburtstag. „Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts fürchten“, sagte er.
Die Stichwahl am Sonntag gewann Lula laut offiziellem Ergebnis mit 51,8 Prozent gegen Bolsonaro mit 48,2 Prozent. Bolsonaros rechte Partei erkannte Lulas Wahlsieg an, Bolsonaro kĂĽndigte dagegen eine juristische PrĂĽfung der WahlkampffĂĽhrung an.
Trump stellt Wahlergebnis infrage
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Wahl als möglicherweise manipuliert, nannte dafür aber keine Grundlage. Zugleich kritisierte er die Verurteilung von Jair Bolsonaro und stellte sich im Konflikt der Bolsonaro-Familie mit Brasiliens Justiz hinter deren Lager.
Die mutmaßliche Ausreise Flávio Bolsonaros fällt in eine Phase hoher politischer Spannung in Brasilien. Der Senator hat die Stichwahl gegen Luiz Inácio Lula da Silva verloren, während sein familiäres und politisches Umfeld weiterhin mit der brasilianischen Justiz im Konflikt steht. Das Ausreiseverbot wurde im Zusammenhang mit Ermittlungen zu mutmaßlicher Geldwäsche verhängt.
Besondere Bedeutung hat die Haltung der Vereinigten Staaten. Die Visa-Zusage für Bolsonaro und seine Familie verschärft die politische Dimension des Falls, weil US-Präsident Donald Trump das brasilianische Wahlergebnis öffentlich infrage gestellt und die Bolsonaro-Familie politisch unterstützt hat. Eine Aufnahme in den USA könnte Bolsonaro zudem ermöglichen, aus größerer Entfernung auf die innenpolitische Auseinandersetzung in Brasilien einzuwirken.
Folgen fĂĽr Justiz und Politik
Für die brasilianischen Behörden steht zunächst die Frage im Mittelpunkt, ob Bolsonaro das gerichtliche Reiseverbot tatsächlich umgangen hat und wie sich ein möglicher Aufenthalt im Ausland auf das Ermittlungsverfahren auswirkt. Ein Verstoß gegen die Passauflagen könnte neue rechtliche Schritte auslösen.
Politisch dürfte der Vorgang die Polarisierung zwischen Lulas Regierung, der Bolsonaro-Partei und dem Obersten Gericht weiter verstärken. Für die Bevölkerung ist entscheidend, ob die Justiz das Verfahren unabhängig fortführen kann und ob der Machtwechsel nach der Wahl trotz der Auseinandersetzungen institutionell stabil bleibt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Focus: „US-Beamter: Stellen Visum für Flávio Bolsonaro aus“ (28.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die Visa-Zusage für Bolsonaro und seine Familie und setzt den Schwerpunkt auf die Entscheidung der US-Behörden. Die Frage nach Bolsonaros tatsächlichem Aufenthaltsort bleibt dabei ebenso offen wie der genaue Reiseweg.
Tagesschau: „Flávio Bolsonaro trotz Ausreiseverbots offenbar auf dem Weg in die USA“ (27.10.2026)
Der Bericht konzentriert sich auf die mutmaßliche Ausreise trotz des gerichtlichen Verbots und ergänzt damit den Visa-Aspekt um die rechtliche Dimension. Gemeinsam bleibt offen, ob Bolsonaro Brasilien tatsächlich verlassen hat und welche Konsequenzen daraus folgen könnten.
Die Beiträge stimmen bei der Visa-Zusage und den Berichten über eine mögliche Ausreise überein. Unterschiede liegen im Schwerpunkt zwischen US-Aufnahme und möglichem Verstoß gegen brasilianische Auflagen.
