Nato, Bundeswehr

Nato-MilitÀrausschuss: Deutscher General Carsten Breuer wird Vorsitzender ab 2027

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 17:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Generalinspekteur Carsten Breuer ĂŒbernimmt ab Juli 2027 den Vorsitz des Nato-MilitĂ€rausschusses und wird damit wichtigster militĂ€rischer Berater des GeneralsekretĂ€rs. Die Entscheidung gilt als deutliches Zeichen fĂŒr die gewachsene sicherheitspolitische Rolle Deutschlands im BĂŒndnis.

  • Generalinspekteur Carsten Breuer wurde zum Vorsitzenden des Nato-MilitĂ€rausschusses gewĂ€hlt. (Archivbild) - Bild: Jens BĂŒttner/dpa
    Generalinspekteur Carsten Breuer wurde zum Vorsitzenden des Nato-MilitĂ€rausschusses gewĂ€hlt. (Archivbild) - Bild: Jens BĂŒttner/dpa
  • Breuer wird Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Breuer wird Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) muss nach der Wahl Breuers entscheiden, wen er an die militĂ€rische Spitze der Bundeswehr setzt. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) muss nach der Wahl Breuers entscheiden, wen er an die militÀrische Spitze der Bundeswehr setzt. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Generalinspekteur Carsten Breuer wurde zum Vorsitzenden des Nato-MilitĂ€rausschusses gewĂ€hlt. (Archivbild) - Bild: Jens BĂŒttner/dpa Breuer wird Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) muss nach der Wahl Breuers entscheiden, wen er an die militĂ€rische Spitze der Bundeswehr setzt. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Generalinspekteur Carsten Breuer ist zum neuen Vorsitzenden des Nato-MilitĂ€rausschusses gewĂ€hlt worden und ĂŒbernimmt damit ab Juli 2027 eine der wichtigsten militĂ€rischen Spitzenfunktionen im BĂŒndnis.

Deutscher General setzt sich in Kopenhagen durch

Deutschlands ranghöchster Soldat wurde bei einer Sitzung des Nato-MilitĂ€rausschusses in Kopenhagen zum Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone bestimmt. Breuer setzte sich dabei gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch, die im Fall ihrer Wahl die erste Frau an der Spitze des Gremiums geworden wĂ€re. Er soll im Juli 2027 das Amt ĂŒbernehmen und damit den derzeitigen Vorsitzenden ablösen.

SchlĂŒsselrolle in der Nato-Kommandostruktur

Der Vorsitzende des MilitĂ€rausschusses gilt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten StreitkrĂ€fte in Europa (Saceur) als einer der einflussreichsten MilitĂ€rs der Nato. In dieser Funktion ist Breuer kĂŒnftig wichtigster militĂ€rischer Berater des Nato-GeneralsekretĂ€rs und Bindeglied zwischen den Generalstabschefs der Mitgliedstaaten und den politischen Entscheidungsgremien. Über seinen Posten werden gemeinsame Empfehlungen weitergegeben sowie Weisungen und Richtlinien des MilitĂ€rausschusses an die strategischen Befehlshaber der Nato und den Generaldirektor des Internationalen MilitĂ€rstabs ĂŒbermittelt.

WertschĂ€tzung fĂŒr deutschen Beitrag zur Verteidigung

Die Wahl des deutschen Generals wird im BĂŒndnis als Zeichen der Anerkennung fĂŒr den zuletzt deutlich gestiegenen Beitrag der Bundesrepublik zur europĂ€ischen VerteidigungsfĂ€higkeit verstanden. Nach Nato-Zahlen liegt Deutschland mit etwa 125 Milliarden Euro Verteidigungsausgaben derzeit in Europa an der Spitze. Zudem besetzt die Bundesrepublik seit diesem Jahr mehr Spitzenposten in der militĂ€rischen Kommandostruktur des BĂŒndnisses als die USA. Die stĂ€rkere deutsche PrĂ€senz soll den Vereinigten Staaten ermöglichen, zusĂ€tzliche Mittel und StreitkrĂ€fte fĂŒr den Ausbau ihrer Abschreckung im Indopazifik freizumachen.

Breuer steht fĂŒr den Kurswechsel nach der „Zeitenwende“

Breuer ist seit MĂ€rz 2023 Generalinspekteur der Bundeswehr und damit militĂ€risch verantwortlich fĂŒr die Umorganisation und StĂ€rkung der StreitkrĂ€fte im Zuge der von der Bundesregierung ausgerufenen „Zeitenwende“. Ausgelöst wurde dieser Kurswechsel durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zuvor hatte Breuer das Territoriale FĂŒhrungskommando der Bundeswehr aufgebaut und gefĂŒhrt, das fĂŒr die nationale und BĂŒndnisverteidigung sowie fĂŒr die Koordinierung militĂ€rischer UnterstĂŒtzungsleistungen zustĂ€ndig ist. Bekanntheit erlangte er außerdem als Leiter des Corona-Krisenstabs im Bundeskanzleramt.

Laufbahn vom Flugabwehrregiment zur strategischen Spitze

Breuer trat 1984 in die Bundeswehr ein, zu einer Zeit, als in Europa noch die Konfrontation zwischen Ost und West und der Kalte Krieg den sicherheitspolitischen Rahmen bestimmten. In jungen Jahren war er Truppenfachlehrer in der Heeresflugabwehr, die spĂ€ter aufgelöst wurde und derzeit fĂŒr die Landes- und BĂŒndnisverteidigung wieder aufgebaut wird, um die LandstreitkrĂ€fte besser gegen Bedrohungen aus der Luft im Nahbereich zu schĂŒtzen. Neben Kommandeursposten ĂŒbernahm Breuer immer wieder politische Verwendungen, etwa im Verteidigungsministerium: In den Jahren 2015 und 2016 war er Projektbeauftragter fĂŒr das Weißbuch zur Zukunft der Bundeswehr.

Suche nach neuer Spitze der Bundeswehr

Mit Breuers Wechsel an die Nato-Spitze muss Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in den kommenden Monaten ĂŒber eine Neubesetzung an der militĂ€rischen Spitze der Bundeswehr entscheiden. In frĂŒheren Jahren war der damalige Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, als möglicher Nachfolger ins GesprĂ€ch gebracht worden; er fĂŒhrt seit Juni 2025 das operative Nato-Hauptquartier im niederlĂ€ndischen Brunssum und ist dort fĂŒr Teile der Nato-Ostflanke verantwortlich. Als möglicher Kandidat fĂŒr das Amt des Generalinspekteurs im kommenden Jahr gilt zudem Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des Heeres. Er treibt die Modernisierung der deutschen LandstreitkrĂ€fte voran und war zuvor Chefkoordinator der militĂ€rischen Ukraine-Hilfe Deutschlands.

Signal fĂŒr Deutschlands Rolle in der Nato

Die Wahl von Carsten Breuer an die Spitze des Nato-MilitĂ€rausschusses markiert eine sichtbare Aufwertung der deutschen Rolle im BĂŒndnis. Sie steht in engem Zusammenhang mit dem deutlichen Anstieg der Verteidigungsausgaben und der Übernahme zusĂ€tzlicher FĂŒhrungsverantwortung in der Nato-Kommandostruktur. Dass Deutschland nach aktuellen Nato-Zahlen bei den Verteidigungsausgaben in Europa vorne liegt, unterstreicht den Anspruch, sicherheitspolitisch mehr Verantwortung zu ĂŒbernehmen.

Breuer verkörpert diesen Kurswechsel: Als Generalinspekteur steuert er seit 2023 die militĂ€rische Umsetzung der „Zeitenwende“, also den Umbau der Bundeswehr hin zu einer stĂ€rker auf Landes- und BĂŒndnisverteidigung ausgerichteten Armee. Seine Wahl zum Vorsitzenden des MilitĂ€rausschusses bedeutet, dass deutsche sicherheitspolitische PrioritĂ€ten kĂŒnftig noch stĂ€rker in die strategische Beratung des GeneralsekretĂ€rs und der politischen Gremien der Nato einfließen. Zugleich zeigt die knappe Konkurrenz mit einer kanadischen Kandidatin, dass das BĂŒndnis intern um Ausgewogenheit zwischen europĂ€ischen und nordamerikanischen Stimmen ringt.

Strategischer Kontext zwischen Russland und China

Der Zeitpunkt der Entscheidung fĂ€llt in eine Phase, in der die Nato parallel zwei sicherheitspolitische Hauptachsen bewĂ€ltigen muss: die Abschreckung gegenĂŒber Russland im europĂ€ischen Raum und die stĂ€rkere Fokussierung der USA auf China im Indopazifik. Die Verlagerung zusĂ€tzlicher US-KapazitĂ€ten nach Asien ist nur möglich, wenn europĂ€ische Staaten – allen voran Deutschland – mehr Verantwortung fĂŒr die VerteidigungsfĂ€higkeit des Kontinents ĂŒbernehmen. Breuers kĂŒnftige Rolle als militĂ€rischer Berater des GeneralsekretĂ€rs ist daher auch Ausdruck einer strategischen Arbeitsteilung im BĂŒndnis.

Innenpolitische Folgen fĂŒr die Bundeswehr-Spitze

FĂŒr Deutschland hat die Personalentscheidung unmittelbare Konsequenzen: Verteidigungsminister Boris Pistorius muss in den kommenden Monaten ĂŒber die Nachfolge an der Spitze der Bundeswehr entscheiden. Im Raum stehen erfahrene Offiziere mit Nato-Hintergrund sowie mit Verantwortung fĂŒr die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine und die Modernisierung der LandstreitkrĂ€fte. FĂŒr Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass sich Deutschlands Verteidigungspolitik in den nĂ€chsten Jahren erkennbar an internationaler Verantwortung, BĂŒndnisfĂ€higkeit und der weiteren Anpassung an eine verschĂ€rfte Sicherheitslage ausrichten wird.

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