Nato-Militärausschuss: Generalinspekteur Carsten Breuer wird wichtigster militärischer Berater des Bündnisses
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 18:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGeneralinspekteur Carsten Breuer ist von den Generalstabschefs der Nato-Staaten zum neuen Vorsitzenden des Militärausschusses gewählt worden und übernimmt damit ab Juli 2027 eine der einflussreichsten militärischen Positionen im Bündnis.
Deutscher General folgt auf italienischen Admiral
Die Wahl erfolgte bei einer Sitzung des Nato-Militärausschusses in Kopenhagen. Breuer wird Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone. Der deutsche General setzte sich dabei gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch, die im Falle eines Erfolgs als erste Frau an der Spitze des Gremiums gestanden hätte.
Schlüsselrolle als militärischer Berater des Generalsekretärs
Der Vorsitzende des Militärausschusses gilt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur) als einer der einflussreichsten Militärs der Nato. Er ist wichtigster militärischer Berater des Generalsekretärs und Bindeglied zwischen den Generalstabschefs der Mitgliedstaaten und den politischen Entscheidungsgremien des Bündnisses. Über diesen Posten werden gemeinsame Empfehlungen weitergereicht und Weisungen sowie Richtlinien des Militärausschusses an die strategischen Befehlshaber und den Internationalen Militärstab übermittelt.
Rückkehr eines Deutschen an die Ausschussspitze
Breuer ist der erste Deutsche seit mehr als 20 Jahren in dieser Funktion. Zuletzt hatte General Harald Kujat, ebenfalls zuvor Generalinspekteur der Bundeswehr, den Vorsitz des Militärausschusses von Juli 2002 bis Juni 2005 inne. Die Wahl Breuers wird im Bündnis als Zeichen der Wertschätzung für die jüngsten Beiträge Deutschlands zur Stärkung der europäischen Verteidigung gesehen.
Stärkeres Gewicht Deutschlands in der Nato
Nach Nato-Angaben liegt Deutschland bei den Verteidigungsausgaben mit rund 125 Milliarden Euro derzeit auf Platz eins in Europa. Zudem besetzt die Bundesrepublik seit diesem Jahr in der militärischen Kommandostruktur des Bündnisses mehr Spitzenposten als die USA. Dies soll den Vereinigten Staaten Spielräume eröffnen, frei werdende Mittel und Kräfte verstärkt für die Abschreckung im Indopazifik zu nutzen, wo sie China als zentrale sicherheitspolitische Herausforderung betrachten.
Breuers Rolle in der deutschen Zeitenwende
Carsten Breuer ist seit März 2023 Generalinspekteur der Bundeswehr und damit militärisch verantwortlich für Umorganisation und Stärkung der Streitkräfte im Zuge der von der Bundesregierung ausgerufenen „Zeitenwende“ nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Zuvor führte er das von ihm aufgebaute Territoriale Führungskommando der Bundeswehr und war als Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt öffentlich hervorgetreten.
Militärische Laufbahn von der Flugabwehr bis zum Weißbuch
Breuer trat 1984 in die Bundeswehr ein und begann seinen Dienst in einem Flugabwehrregiment in Zeiten des Kalten Krieges. In seiner Laufbahn war er unter anderem Truppenfachlehrer der später aufgelösten Heeresflugabwehr, deren Fähigkeiten für Landes- und Bündnisverteidigung derzeit wiederaufgebaut werden. Neben Kommandeurstätigkeiten übernahm er auch politische Verwendungen, etwa als Projektbeauftragter für das Weißbuch zur Zukunft der Bundeswehr in den Jahren 2015 und 2016.
Suche nach neuer Spitze der Bundeswehr
Mit Breuers künftigem Wechsel in die Nato-Führung muss Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in den kommenden Monaten über die Besetzung des Generalinspekteurpostens entscheiden. Der frühere Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz war einst als möglicher Nachfolger genannt worden, ist aber seit Juni 2025 Befehlshaber des operativen Nato-Hauptquartiers im niederländischen Brunssum und dort für die Ostflanke des Bündnisses verantwortlich.
Mögliche Kandidaten für das Amt des Generalinspekteurs
Als ein möglicher Kandidat gilt derzeit Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des Heeres. Er treibt die Modernisierung der deutschen Landstreitkräfte voran und war zuvor Chefkoordinator der militärischen Ukraine-Hilfe Deutschlands. Unabhängig von der Personalentscheidung bleibt Deutschland gegenüber den Verbündeten in der Verantwortung, die militärische Führung der Bundeswehr verlässlich zu besetzen.
Bedeutung für die Nato-Führungsstruktur
Die Wahl von Carsten Breuer an die Spitze des Nato-Militärausschusses stärkt die Rolle Deutschlands innerhalb der militärischen Führungsstrukturen des Bündnisses. Der Vorsitzende dieses Gremiums koordiniert die militärischen Empfehlungen der Generalstabschefs und übersetzt sie in Berichte und Vorschläge für die politischen Entscheidungsträger. Damit prägt Breuer künftig wesentlich, wie die Nato ihr Vorgehen gegenüber Russland, China und anderen sicherheitspolitischen Herausforderungen ausrichtet.
Mit dem erneuten Zuschlag für einen deutschen Offizier kehrt die Allianz zu einer Konstellation zurück, die zuletzt mit Harald Kujat Anfang der 2000er Jahre bestand. Anders als damals befindet sich Europa heute in einer Lage hoher Spannungen, ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und eine gleichzeitige strategische Fokussierung der USA auf den Indopazifik. Die Kombination aus gestiegener deutscher Verteidigungsinvestition und neuen Spitzenposten in der Nato erhöht den Erwartungsdruck: Verbündete werden genauer darauf achten, ob Berlin die zugesagte militärische Leistungsfähigkeit langfristig einlöst.
Folgen für Deutschland und die Bundeswehr
Für Deutschland bedeutet Breuers Wechsel, dass der Posten des Generalinspekteurs neu besetzt werden muss – eine Schlüsselrolle für die Umsetzung der militärischen Zeitenwende. Die Debatte über mögliche Nachfolger wie den Heeresinspekteur Christian Freuding zeigt, dass die Regierung eine Entscheidung mit Signalwirkung treffen muss: Der neue Generalinspekteur wird bestimmen, wie schnell und konsequent die Bundeswehr weiter modernisiert und auf Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet wird.
Aus Sicht von Bürgerinnen und Bürgern unterstreicht Breuers Aufstieg, dass Deutschland in der Nato nicht nur Finanzier, sondern auch militärischer Mitgestalter ist. Das kann Einfluss auf künftige Entscheidungen über Truppenstationierungen, Auslandsmissionen und Rüstungsprojekte haben. Zugleich bleibt die Herausforderung bestehen, die gesteigerte Verantwortung des Landes mit einer verlässlich einsatzbereiten Truppe und einer breiten innenpolitischen Zustimmung zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu hinterlegen.
