UN-Generalversammlung soll Baerbock zu PrÀsidentin wÀhlen
02.06.2025 - 06:30:39 | dpa.de
Nach mehr als drei Jahren als deutsche AuĂenministerin beginnt Annalena Baerbock ein neues Kapitel in New York. Am Montag (ab 16.00 Uhr MEZ) soll die GrĂŒnen-Politikerin zur PrĂ€sidentin der UN-Generalversammlung gewĂ€hlt werden.
Baerbock tritt ohne Gegenkandidaten fĂŒr die einjĂ€hrige Spitzenposition des gröĂten UN-Gremiums mit 193 MitgliedslĂ€ndern an. Dieser wird in erster Linie protokollarische Bedeutung beigemessen â sie ist nicht mit der Rolle von UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zu verwechseln. Die offizielle AmtseinfĂŒhrung wĂ€re am 9. September kurz vor der Generaldebatte der UN-Vollversammlung mit StaatsgĂ€sten aus aller Welt.
Hohes Amt mit wenig Macht
Als PrĂ€sidentin wĂŒrde Baerbock die Sitzungen der Generalversammlung leiten sowie AblĂ€ufe und Tagesordnungspunkte festlegen. Mit diesen Aufgaben könnte die 44-JĂ€hrige zumindest begrenzten Einfluss auf Entscheidungsprozesse hinter den Kulissen nehmen, zum Beispiel den der Wahl des nĂ€chsten GeneralsekretĂ€rs im kommenden Jahr. Dabei dĂŒrfte Baerbocks direkter Draht zu AuĂenministern weltweit â also den Chefs der UN-Botschafter in New York â helfen.
GegenĂŒber der Vollversammlung gilt der 15-köpfige UN-Sicherheitsrat mit den fĂŒnf VetomĂ€chten dagegen als deutlich mĂ€chtiger. Er kann völkerrechtlich bindende Resolutionen erlassen. Die politischen Entscheidungen der Generalversammlung dagegen haben oft einen eher symbolischen Wert und gelten als weltweites Stimmungsbild.
Baerbock will diplomatischer auftreten
«Als PrĂ€sidentin, sollte ich gewĂ€hlt werden, werde ich allen 193 Mitgliedstaaten dienen â groĂen wie kleinen. Als ehrliche Vermittlerin. Als einende Kraft. Mit offenem Ohr. Und offener TĂŒr», hatte Baerbock im Mai bei der Vorstellung ihrer PrioritĂ€ren gesagt. Und auch klargemacht, dass sie in der neuen Rolle einen diplomatischeren Ton anschlagen wĂŒrde als noch zu ihrer Zeit als deutsche AuĂenministerin, in der sie immer wieder vor allem mit klarer Kante unter anderem gegen Russland aufgefallen war.
Baerbock wĂŒrde das neue Amt in Zeiten immensen finanziellen Drucks auf die Vereinten Nationen beginnen, unter anderem wegen der KĂŒrzungen der Trump-Regierung. Baerbock hatte angekĂŒndigt, Reformen mit vorantreiben und die Ressourcen der Vollversammlung so effizient wie möglich einsetzen zu wollen. Sie nannte als Schwerpunkte ihrer angestrebten Amtszeit das Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele, den Kampf gegen die Klimakrise sowie die Gleichstellung der Geschlechter.
Wahl ist Formsache â eigentlich
Die Wahl im Plenum vor 193 UN-MitgliedslĂ€ndern gilt als Formsache â eigentlich: Normalerweise besiegelt die Vollversammlung Personalien ohne Gegenkandidaten per Akklamation, also im Konsens ohne formelle Wahl. Nach Angaben des BĂŒros des bisherigen PrĂ€sidenten des Gremiums, dem Kameruner PhilĂ©mon Yang, könnte es aber auch zu einer geheimen Abstimmung kommen â vorausgesetzt, ein Land beantragt das.
Russland hatte in den vergangenen Wochen kein Hehl daraus gemacht, dass es Baerbock fĂŒr eine ungeeignete Kandidatin hĂ€lt und ihr «eklatante Voreingenommenheit» unterstellt. Baerbock war als AuĂenministerin gegenĂŒber Russland im Zuge des Ukraine-Kriegs einen harten Kurs gefahren und damit immer wieder ins Visier Moskaus geraten.
UrsprĂŒnglich war fĂŒr das Amt der PrĂ€sidentin der UN-Generalversammlung die deutsche Top-Diplomatin Helga Schmid vorgesehen, die auch von Russland akzeptiert war. Baerbock wurde fĂŒr ihre spĂ€te Kandidatur nach der verlorenen Bundestagswahl kritisiert.
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