Nord-SĂŒd-Kommission mit 20 Mitgliedern nimmt Arbeit auf
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:49 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die neue Entwicklungspolitische Nord-SĂŒd-Kommission der Bundesregierung hat ihre Arbeit aufgenommen. Die Vorsitzenden Olaf Scholz und Laura Chinchilla stellten am Montag in Berlin die 20 Mitglieder des Gremiums vor.
Internationale Spitzenvertreter im Gremium
Zu den Mitgliedern gehören unter anderem Weltbank-PrĂ€sident Ajay Banga, WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala und FriedensnobelpreistrĂ€ger Denis Mukwege. Vertreten sind auĂerdem internationale Organisationen, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie frĂŒhere Spitzenpolitiker.
Die Kommission soll VorschlĂ€ge fĂŒr eine Neuordnung der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in einer multipolaren Welt erarbeiten. Nach Angaben der Bundesregierung ist sie als unabhĂ€ngiges Gremium angelegt.
Erste Sitzung in Bangkok geplant
Die Bundesregierung hatte die Kommission Ende Juni auf der Hamburg Sustainability Conference ins Leben gerufen. Die erste Sitzung ist fĂŒr Mitte Oktober in Bangkok vorgesehen.
Scholz erklÀrte, die Zusammensetzung sei mit dem Anspruch verbunden, politische VorschlÀge mit internationalem Gewicht vorzulegen. Das Gremium solle gemeinsame und politisch umsetzbare VorschlÀge entwickeln.
Alabali Radovan sieht starke Partnerschaften im Mittelpunkt
Chinchilla verwies auf verĂ€nderte globale MachtverhĂ€ltnisse und erklĂ€rte, die Gesellschaften des Globalen SĂŒdens wĂŒrden das 21. Jahrhundert prĂ€gen. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sagte: âDie hochrangige Besetzung und das groĂe internationale Interesse zeigen: Die Kommission trifft einen Nerv, die Zeichen der Zeit stehen auf starke Partnerschaften mit dem Globalen SĂŒden.â
Die beiden Ko-Vorsitzenden brĂ€chten wichtige Persönlichkeiten aus dem Globalen SĂŒden und dem Globalen Norden zusammen, um VorschlĂ€ge zur Reform der internationalen Zusammenarbeit und zur Lösung globaler Herausforderungen zu entwickeln, so die Ministerin.
Die Kommission startet vor dem Hintergrund einer internationalen Entwicklungszusammenarbeit, deren politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sich deutlich verĂ€ndert haben. Macht und Einfluss verteilen sich stĂ€rker auf mehrere Zentren, wĂ€hrend globale Herausforderungen wie Klimawandel, Verschuldung, Pandemievorsorge, ErnĂ€hrungssicherheit und fragile Staaten grenzĂŒberschreitende Lösungen erfordern.
Das Gremium verbindet dafĂŒr unterschiedliche Perspektiven: internationale Finanz- und Handelsinstitutionen, Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die Beteiligung von Persönlichkeiten aus dem Globalen SĂŒden soll sicherstellen, dass entwicklungspolitische VorschlĂ€ge nicht ausschlieĂlich aus Sicht europĂ€ischer Geber formuliert werden. Zugleich erhöht die prominente Besetzung den politischen Anspruch der Kommission.
Von Empfehlungen zu politischer Umsetzung
Entscheidend wird sein, ob aus dem Dialog konkrete, politisch tragfĂ€hige VorschlĂ€ge entstehen. Dazu gehören mögliche Reformen internationaler Finanzstrukturen, fairere Handelsbedingungen, eine verlĂ€sslichere Finanzierung globaler öffentlicher GĂŒter und eine stĂ€rkere Beteiligung betroffener Staaten an Entscheidungen. Die erste Sitzung Mitte Oktober in Bangkok bietet den Mitgliedern Gelegenheit, Arbeitsfelder und PrioritĂ€ten festzulegen.
FĂŒr Deutschland berĂŒhrt die Arbeit der Kommission auch die kĂŒnftige Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit. Ihre Empfehlungen können internationale Debatten prĂ€gen, ersetzen aber keine politischen Entscheidungen ĂŒber Haushaltsmittel, Programme oder multilaterale Verpflichtungen. Bedeutung gewinnt daher vor allem, wie verbindlich die Bundesregierung die Ergebnisse aufgreift und welche Partner im Globalen SĂŒden an der Umsetzung beteiligt werden.
