Papst Leo XIV. landet nach 39 Jahren wieder in Argentinien
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 21:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLeos Reise führt nach Buenos Aires
- Javier Milei begrüßte Leo XIV. am Abend in der argentinischen Hauptstadt.
- Leo XIV. feierte zuvor in Uruguay eine Messe mit etwa 50.000 Teilnehmern.
- Der letzte Papstbesuch in Argentinien fand 1987 unter Johannes Paul II. statt.
Papst Leo XIV. ist zu einem dreitägigen Besuch in Argentinien eingetroffen und wurde am Abend in Buenos Aires von Präsident Javier Milei begrüßt. Es ist der erste Papstbesuch in dem südamerikanischen Land seit 1987 und die erste Reise eines Papstes dorthin seit dem Tod von Franziskus.
Begrüßung in Buenos Aires
Leo XIV. war zuvor in Uruguay unterwegs, der ersten Station seiner insgesamt zwölftägigen Südamerika-Reise. Dort feierte er eine Messe mit etwa 50.000 Teilnehmern, bevor er nach Argentinien weiterreiste.
Der Besuch im Heimatland von Franziskus ist auf drei Tage angelegt. Franziskus, der im vergangenen Jahr starb, war als Papst nie nach Argentinien zurückgekehrt.
Fast vier Jahrzehnte ohne Papstbesuch
Der letzte Papstbesuch in Argentinien liegt fast vier Jahrzehnte zurück. 1987 reiste der polnische Papst Johannes Paul II. in das Land mit rund 46 Millionen Einwohnern.
Bei Franziskus wurde vermutet, dass er eine Rückkehr vermied, weil sein Besuch in die argentinische Innenpolitik hätte hineingezogen werden können. Das Land wird heute von dem rechtspopulistischen Staatschef Milei regiert.
Kirche verliert an Bindung
Der Aufenthalt fällt zudem in eine Zeit, in der sich weniger Menschen in Argentinien zum katholischen Glauben bekennen. Der Papstbesuch dürfte deshalb nicht nur wegen der Begegnung mit Milei, sondern auch wegen der Zukunft der katholischen Kirche im Land Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Leos Reise durch Südamerika umfasst insgesamt zwölf Tage. Nach Uruguay und Argentinien ist Peru als weitere Station vorgesehen.
Der Besuch in Argentinien verbindet eine symbolische Heimkehr mit einer politisch sensiblen Begegnung. Leo XIV. reist in das Land, aus dem sein Vorgänger Franziskus stammte und das seit Jahrzehnten keinen Papstbesuch erlebt hat. Dass Franziskus während seines Pontifikats nicht nach Argentinien zurückkehrte, wurde vielfach mit der starken politischen Polarisierung des Landes und der Gefahr einer Vereinnahmung erklärt.
Politischer und sozialer Kontext
Im Mittelpunkt dürfte deshalb nicht nur die katholische Identität Argentiniens stehen. Präsident Javier Milei verfolgt einen wirtschaftspolitischen Kurs, der auf einen weitreichenden Abbau staatlicher Leistungen setzt. Zugleich betont Leo XIV. auf seiner Südamerika-Reise soziale Gerechtigkeit, den Zugang zu Gesundheitsversorgung und die Unterstützung benachteiligter Menschen.
Damit treffen in Buenos Aires unterschiedliche politische Akzente aufeinander. Der Papst kann soziale Folgen von Armut und Ausgrenzung ansprechen, ohne sich unmittelbar in parteipolitische Auseinandersetzungen einzumischen. Für Milei bietet das Treffen zugleich die Möglichkeit, sich international als staatsmännischer Gastgeber zu präsentieren.
Bedeutung für die Kirche
Argentinien steht außerdem für einen langfristigen Wandel in Lateinamerika. Die Region beherbergt weiterhin einen großen Teil der katholischen Weltbevölkerung, doch der Anteil der Menschen, die sich zum katholischen Glauben bekennen, ist in vielen Ländern zurückgegangen. Evangelische Freikirchen und Pfingstkirchen gewinnen Anhänger, während die katholische Kirche um gesellschaftliche Relevanz ringt.
Für Leser in Argentinien wird entscheidend sein, ob der Besuch neben den offiziellen Gesprächen auch konkrete Zeichen für Arme, Kranke und gesellschaftlich Ausgegrenzte setzt. Die dreitägige Visite dürfte damit sowohl kirchlich als auch politisch über den eigentlichen Aufenthalt hinauswirken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Papst Leo als sozialpolitischer Missionar unterwegs“ (08.11.2026)
Der Beitrag ordnet die Argentinien-Station in Leos sozialpolitische Botschaft auf der Südamerika-Reise ein. Er hebt besonders die Spannungen zwischen den kirchlichen Positionen zu Armut und sozialer Gerechtigkeit sowie dem politischen Kurs Mileis hervor.
tagesschau: „Papst Leo XIV. beginnt Südamerika-Reise in Uruguay“ (07.11.2026)
Der Bericht beschreibt Argentinien als diplomatisch schwierige Station und verweist auf die politische Polarisierung sowie die sozialen Folgen des Sparkurses. Einigkeit besteht beim symbolischen Gewicht der Rückkehr eines Papstes nach fast vier Jahrzehnten; offen bleibt, wie deutlich Leo XIV. seine sozialen Anliegen in Buenos Aires formulieren wird.
