Papst Leo XIV. startet Südamerika-Reise mit Messe vor 40.000
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 09:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLeos Reiseprogramm und gesundheitliche Belastung
- Leo XIV. reist nach Uruguay, Argentinien und Peru und hält dabei mehr als drei Dutzend Predigten und Reden.
- Die Reise umfasst mehr als 30.000 Flugkilometer und führt den Papst bis auf 3.700 Meter Höhe in die peruanischen Anden.
- Nach der Entfernung eines bösartigen Lungentumors muss Leo XIV. weiterhin auf Tennis verzichten.
Leo XIV. besucht frühere Wirkungsstätten in Südamerika
Papst Leo XIV. ist erstmals wieder in Südamerika, wo er vor seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt zwei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte. Zum Auftakt seiner zwölftägigen Reise wurde er in Uruguay von mehr als 100.000 Menschen begrüßt.
Messe in Paysandú vor 40.000 Menschen
Bei einer Messe in Paysandú rief der Papst dazu auf, den Glauben an künftige Generationen weiterzugeben und mit kreativem Mut zu verbreiten. In Montevideo besuchte er außerdem ein Armenviertel; am Samstagabend kamen 70.000 Menschen in einem Stadion zusammen.
Reise führt nach Argentinien und Peru
Weitere Stationen sind Argentinien und Peru. In Peru arbeitete der gebürtige US-Amerikaner viele Jahre als Missionar und Bischof, während Argentinien die Heimat seines im vergangenen Jahr verstorbenen Vorgängers Franziskus ist.
Leo XIV. wird auf der Reise mehr als drei Dutzend Predigten und Reden in zehn Städten halten. Insgesamt legt der Papst dabei mehr als 30.000 Flugkilometer zurück.
Gute Erholung nach Krebsoperation
Die Reise begann dreieinhalb Wochen nach einer Operation, bei der dem 71-Jährigen ein Teil des rechten Lungenflügels mit einem bösartigen Tumor entfernt worden war. Nach Angaben seiner Ärzte ist Leo XIV. inzwischen krebsfrei; auf Tennis muss er weiterhin verzichten.
Andenaufenthalt und Treffen mit Missbrauchsopfern
Zum Programm gehört auch ein Ausflug auf 3.700 Meter Höhe in die peruanischen Anden. Zudem will der Papst nach Angaben des Vatikans Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche treffen.
Kirche und Staat in Uruguay getrennt
In Uruguay sind Staat und Kirche seit mehr als einem Jahrhundert strikt getrennt. Leo lobte das 3,5-Millionen-Einwohner-Land wegen vier Jahrzehnten ununterbrochener Demokratie mit friedlichen Regierungswechseln.
Leo äußert sich zu den USA
Während des Hinflugs sprach sich Leo XIV. stolz dazu aus, Amerikaner zu sein und sein Wahlrecht ausgeübt zu haben. Er hatte per Briefwahl an den Zwischenwahlen in den USA teilgenommen.
Leos Reise verbindet persönliche Rückkehr und kirchliche Schwerpunktsetzung. In Uruguay, dem am stärksten säkular geprägten Land Südamerikas, trifft der Papst auf eine Gesellschaft, in der katholische Tradition und institutionelle Distanz zur Kirche nebeneinander bestehen. Der Besuch erhält dadurch eine andere Bedeutung als eine klassische Großveranstaltung: Die Kirche muss ihren Anspruch auf öffentliche Wirksamkeit in einem Umfeld einlösen, in dem sie nicht selbstverständlich den gesellschaftlichen Ton angibt.
Zwischen Rückkehr und politischem Umfeld
In Argentinien wird Leo XIV. das Heimatland seines Vorgängers Franziskus besuchen. Die Reise fällt dort in eine Phase sozialer Spannungen und wirtschaftlicher Belastungen. Ein Papst, der wiederholt Brücken, soziale Verantwortung und die Unterstützung Bedürftiger betont, bewegt sich damit in einem politisch sensiblen Umfeld.
Peru wiederum ist für Leo XIV. der persönlichste Teil der Reise. Dort arbeitete er fast 21 Jahre als Missionar und Bischof. Seine Rückkehr dürfte deshalb besonders eng mit seiner früheren Tätigkeit und den Erwartungen lokaler Gläubiger verbunden sein. Zugleich stehen Gespräche mit Missbrauchsbetroffenen auf dem Programm.
Belastungsprobe nach der Operation
Die Reise ist auch körperlich anspruchsvoll: Mehr als 30.000 Flugkilometer, zahlreiche Reden und der Aufenthalt in großer Höhe verlangen dem Papst wenige Wochen nach der Entfernung eines Lungentumors viel ab. Für Gläubige und Beobachter wird deshalb neben den politischen und kirchlichen Botschaften auch sichtbar, wie belastbar Leo XIV. sein Amt nach dem Eingriff ausüben kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Papst Leo XIV. beginnt Südamerika-Reise in Uruguay“ (07.11.2026)
Der Beitrag ordnet die Reise als Rückkehr zu Leos früheren Wirkungsstätten ein und hebt die unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in Uruguay, Argentinien und Peru hervor. Anders als die dpa-Meldung legt er einen besonderen Schwerpunkt auf die diplomatische Sensibilität des Argentinien-Besuchs und auf Leos mögliche Rolle als Brückenbauer.
Deutschlandfunk: „Südamerika-Reise - Papst Leo XIV. feiert Messe in Paysandú“ (07.11.2026)
Der Bericht bestätigt den Auftakt mit einer Messe vor rund 40.000 Menschen und Leos Appell, Beziehungen zu stärken. Als eigenen Schwerpunkt nennt er die starke Säkularisierung Uruguays und die kurze Zeitspanne seit der Entfernung des Lungentumors. Gemeinsam bleibt offen, wie Leo seine kirchlichen Anliegen in den drei unterschiedlichen Ländern weiter ausformulieren wird.
Beide Beiträge bestätigen den Reiseauftakt und die zentrale Botschaft des Papstes. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während der Deutschlandfunk Uruguay stärker religiös-sozial einordnet, richtet die tagesschau den Blick auf politische Spannungen und Leos persönliche Vergangenheit.
