Pressefreiheit USA: Trump verbannt CNN, MS NOW und Politico aus dem WeiĂen Haus â Medien klagen
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie US-Medien CNN, MS NOW und das Nachrichtenportal Politico wollen juristisch gegen ihre Verbannung aus dem WeiĂen Haus durch US-PrĂ€sident Donald Trump vorgehen.
Eilantrag gegen Ausschluss aus dem WeiĂen Haus
Die drei MedienhĂ€user kĂŒndigten in einer gemeinsamen ErklĂ€rung an, noch am Montag Klage gegen das von Trump verhĂ€ngte Verbot einzureichen. Das Hausverbot stelle nach ihrer Darstellung eine Bedrohung fĂŒr die Pressefreiheit und das Recht der Ăffentlichkeit auf unabhĂ€ngigen Journalismus ohne Einmischung der Regierung dar. Ziel der Klage sei es demnach, den Grundsatz zu verteidigen, dass nicht die Regierung entscheide, worĂŒber die Presse berichte oder was sie veröffentliche.
Bei dem geplanten Rechtsmittel handelt es sich den Angaben zufolge um einen Eilantrag, ĂŒber den ein Gericht zĂŒgig entscheiden soll. Die Medien sehen den Ausschluss aus Presseveranstaltungen und vom GelĂ€nde des WeiĂen Hauses als unzulĂ€ssigen Eingriff in ihre Arbeit.
Hausverbot und entzogene Zugangsrechte
Trump hatte am Freitag erklĂ€rt, CNN, MS NOW und Politico sei ab sofort der Zugang zum WeiĂen Haus verboten. Er warf den Redaktionen vor, Falschnachrichten zu verbreiten, und kĂŒndigte an, das Verbot auf weitere Medien auszuweiten. Kritiker werten den Schritt als EinschĂŒchterungsversuch und Angriff auf die Pressefreiheit.
Am Samstag blieb Journalistinnen und Journalisten der drei Medien der Zugang zum GelĂ€nde des WeiĂen Hauses verwehrt. Nach Angaben der betroffenen HĂ€user konnten ihre Teams das GebĂ€ude nicht wie gewohnt betreten. CNN gilt als einer der weltweit bekanntesten Nachrichtensender, Politico gehört zum Portfolio des deutschen Medienkonzerns Axel Springer.
Unklarer Zeitrahmen, weitere Drohungen
Wie lange die Reporter der betroffenen Medien keinen Zugang mehr zum WeiĂen Haus erhalten, ist bislang offen. Trump nannte keinen Zeitrahmen und stellte in Aussicht, weitere kritische Medien von Presseveranstaltungen im Regierungszentrum auszuschlieĂen.
Die Verbannung hat unmittelbare Folgen fĂŒr die tĂ€gliche Berichterstattung: CNN wurde nach eigenen Angaben aus der Gruppe der TV-Sender gestrichen, die den PrĂ€sidenten abwechselnd begleiten und Videomaterial mit anderen Medien teilen. Der Sender hĂ€tte Trump an diesem Montag eigentlich auf eine Reise nach New York begleitet, wo in dieser Woche die Generalversammlung der Vereinten Nationen stattfindet.
Angriffe auf Medien in sozialen Netzwerken
Auf seiner Plattform Truth Social verschĂ€rfte Trump am Montag seine Rhetorik gegen die betroffenen Medien. Er erklĂ€rte, das WeiĂe Haus gehe nicht gegen die freie Presse vor, sondern gegen âFake Newsâ, die sich wie Krebs in den USA ausgebreitet hĂ€tten. Zugleich sprach er von einer Bedrohung der nationalen Sicherheit und griff damit eine Argumentationslinie auf, mit der er wiederholt rechtlich umstrittene Anordnungen begrĂŒndet.
Bereits am Sonntag hatte Trump auf Truth Social eine Abbildung veröffentlicht, die drei MĂŒllsĂ€cke mit den Logos von CNN, MS NOW und Politico zeigt. Die SĂ€cke sind vor dem WeiĂen Haus platziert und stellen die Medien symbolisch als Abfall dar.
Pressefreiheit unter Verfassungsrang
In seiner zweiten Amtszeit geht Trump zunehmend hart gegen Medien vor, die kritisch ĂŒber seine Politik berichten. Journalisten greift er regelmĂ€Ăig persönlich an, wenn ihm ihre Fragen missfallen, wĂ€hrend er wohlwollende Berichterstattung ausdrĂŒcklich hervorhebt.
Trump steht zugleich innenpolitisch unter Druck, auch weil in gut sechs Wochen Parlamentswahlen in den USA anstehen. Die Republikaner des PrĂ€sidenten wollen ihre knappen Mehrheiten im ReprĂ€sentantenhaus und im Senat verteidigen. Wie in Deutschland ist die Pressefreiheit auch in den USA verfassungsrechtlich abgesichert: Im ersten Zusatzartikel zur Verfassung ist festgeschrieben, dass der Kongress kein Gesetz beschlieĂen darf, das die Rede- oder Pressefreiheit einschrĂ€nkt.
Signalwirkung fĂŒr die US-Demokratie
Der Ausschluss von CNN, MS NOW und Politico aus dem WeiĂen Haus greift einen neuralgischen Punkt der US-Demokratie an: den direkten Zugang unabhĂ€ngiger Medien zum Zentrum der Exekutive. In den USA ist die Pressefreiheit im ersten Zusatzartikel der Verfassung verankert, der staatliche Eingriffe in Berichterstattung bewusst besonders hochschwellig macht. Wenn ein PrĂ€sident bestimmten Redaktionen den Zutritt verwehrt, stellt dies mehr dar als einen Streit mit einzelnen Journalisten â es betrifft die institutionelle Rolle der Presse als Kontrolle der Regierung.
Juristisch zielt die angekĂŒndigte Klage der MedienhĂ€user auf genau diesen Verfassungsschutz. Eilrechtsschutz soll klĂ€ren, ob die Regierung Akkreditierungen ohne neutral nachvollziehbare Kriterien entziehen darf oder ob darin eine unzulĂ€ssige Bestrafung unliebsamer Berichterstattung liegt. Die US?Rechtsprechung hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass der Staat Medien nicht nach inhaltlichen MaĂstĂ€ben privilegieren oder benachteiligen darf. FĂŒr andere Redaktionen im In- und Ausland ist daher entscheidend, ob Gerichte diese Linie bestĂ€tigen und dem WeiĂen Haus enge Grenzen setzen.
Politische Lage und innenpolitischer Druck
Der Schritt fĂ€llt in eine Phase, in der die US?Innenpolitik stark polarisiert ist und in wenigen Wochen Parlamentswahlen anstehen. Trumps Republikaner wollen ihre knappen Mehrheiten im Kongress verteidigen; Angriffe auf sogenannte âFake Newsâ sprechen gezielt die eigene, medienkritische Basis an. Die Darstellung kritischer Berichte als âBedrohung der nationalen Sicherheitâ folgt einem bekannten Muster: UnabhĂ€ngiger Journalismus wird rhetorisch in die NĂ€he von Sabotage gerĂŒckt und so delegitimiert. Das erhöht den Druck auf Redaktionen, kann aber auch Gegenmobilisierung auslösen.
Folgen fĂŒr internationale Partner und Leser
FĂŒr europĂ€ische Regierungen und Medienunternehmen ist der Fall ein warnendes Beispiel dafĂŒr, wie schnell etablierte Zugangsregeln politisiert werden können. Axel Springer ist als EigentĂŒmer von Politico direkt betroffen, deutsche Nutzer verfolgen den Konflikt daher nicht nur als auĂenpolitisches Thema, sondern auch als Angriff auf ein Unternehmen mit starken Verbindungen nach Deutschland. Leserinnen und Leser mĂŒssen sich darauf einstellen, dass Berichte aus dem WeiĂen Haus kĂŒnftig stĂ€rker auf inoffizielle KanĂ€le, Leaks und alternative Bildquellen angewiesen sind, sollte das Verbot bestehen bleiben. Das erhöht die Bedeutung einer vielfĂ€ltigen Quellenlage â und die Verantwortung, sie kritisch einzuordnen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: âWeiĂes Haus verweigert Journalisten von CNN, MS NOW und Politico Zugangâ (19.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass Journalistinnen und Journalisten der drei Medien bereits am Samstag abgewiesen worden seien und ihre Presseausweise deaktiviert worden seien. Die Redaktion stelle dar, dass CNN und MS NOW rechtliche Schritte in Aussicht stellten und Experten den Schritt als verfassungswidrig bewerten wĂŒrden. ZusĂ€tzlich betone der Beitrag, dass unklar sei, wie weitreichend das Verbot in der Praxis sei und ob weitere Medien folgen könnten.
spiegel.de: âKampf um Pressefreiheit: WeiĂes Haus verwehrt Fernsehjournalisten von MS Now den Zugangâ (19.09.2026)
Der Beitrag schildert, Journalisten der drei Medien seien am Samstagmorgen gestoppt worden und ihre Ausweise seien beschlagnahmt worden. Er hebe hervor, dass die betroffenen Sender und das Portal in ErklĂ€rungen von einem illegalen Angriff auf verfassungsmĂ€Ăige Rechte sprĂ€chen und alle nötigen Schritte ankĂŒndigten, um ihre Pressefreiheit zu verteidigen. Im Unterschied zur dpa-Meldung werde ausfĂŒhrlich die Argumentation von MS NOW zur Rolle unabhĂ€ngiger Medien in der Demokratie nachgezeichnet.
br.de: âTrump erteilt CNN und anderen US-Medien Hausverbotâ (19.09.2026)
Der Bericht stelle dar, dass Trump den Ausschluss mit angeblichen LĂŒgen der betroffenen Medien begrĂŒnde und weitere Hausverbote androhe. Er ordne den Vorgang in Trumps lĂ€nger anhaltende Kampagne gegen als kritisch wahrgenommene Medien ein und betone, dass der erste Verfassungszusatz die Pressefreiheit garantiert. Im Vergleich zur dpa-Meldung lege der Beitrag mehr Gewicht auf die innenpolitische Dimension und die Reaktionen anderer US-Medien und Organisationen.
Ăbergreifend werde in den Berichten hervorgehoben, dass der Schritt des PrĂ€sidenten als erheblicher Angriff auf die Pressefreiheit bewertet werde, wĂ€hrend sich Schwerpunkte in der Darstellung der juristischen Argumente, der praktischen Folgen fĂŒr die Berichterstattung und der innenpolitischen Motive unterschieden.
