Proteste in Frankreich: Fast 1.000 Festnahmen bei Krawallen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 10:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFestnahmen und EinsĂ€tze in fĂŒnf LĂ€ndern
- In Frankreich beteiligten sich am Samstag rund 410.000 Menschen, davon rund 110.000 in Paris, an Protesten.
- Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez meldete fast 1.000 Festnahmen und kĂŒndigte eine noch ausstehende Bilanz an.
- In Barcelona nahm die Polizei rund 100 Menschen fest, etwa ein Viertel davon MinderjÀhrige.
Proteste in fĂŒnf europĂ€ischen LĂ€ndern eskalieren
Bei Protesten in Frankreich, Albanien, Spanien, Italien und Belgien ist es am Wochenende erneut zu gewalttĂ€tigen ZusammenstöĂen, Festnahmen und Verletzten gekommen. In Frankreich nahmen nach Angaben des Innenministeriums rund 410.000 Menschen an den Protesten teil, darunter rund 110.000 in Paris.
Frankreich meldet fast 1.000 Festnahmen
Innenminister Laurent Nuñez sagte am Samstag, es habe fast 1.000 Festnahmen gegeben; die Zahl werde nach Abschluss der Bilanz voraussichtlich noch steigen. Es kam erneut zu SachbeschĂ€digungen und PlĂŒnderungen.
Die Demonstrationen selbst seien nach den Worten des Ministers reibungslos verlaufen. An den RĂ€ndern hĂ€tten sich jedoch bei beinahe jeder Versammlung Risikogruppen gebildet, die sich von den UmzĂŒgen abgesetzt hĂ€tten.
TrÀnengas und Wasserwerfer in Paris
Bilder aus Paris zeigten TrÀnengas, Feuerwerkskörper und den Einsatz von Wasserwerfern. Auch aus Lyon, Bordeaux und Marseille wurden TrÀnengaswolken und Feuer gemeldet.
Nuñez machte insbesondere die radikale extreme Linke, die Ultralinke, fĂŒr die Ausschreitungen verantwortlich. Die Proteste junger Menschen fĂŒr eine bessere Ausstattung von Schulen hatten sich mit Forderungen gegen hohe Lebenshaltungskosten verbunden.
Gewalt bei Protesten in Tirana
In Albanien warfen Demonstrierende in der Hauptstadt Tirana Steine auf RegierungsgebÀude und die Polizei. Die Lage eskalierte, als Protestierende das Umweltministerium in Brand setzten.
Die Polizei setzte Wasserwerfer, TrÀnengas, Pfefferspray und Gummigeschosse ein. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur ATA und des privaten Senders Klan gab es auf beiden Seiten Verletzte; zudem sei ein Kamera-Team angegriffen worden.
Rund 100 Festnahmen in Barcelona
In Barcelona versammelten sich am Samstagabend bis in die Nacht hinein Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene. Sie beschĂ€digten StraĂenmobiliar, FahrrĂ€der und MotorrĂ€der, plĂŒnderten GeschĂ€fte und zĂŒndeten MĂŒllcontainer an.
Die katalanische und die stÀdtische Polizei nahmen rund 100 Demonstranten fest. Etwa ein Viertel der Festgenommenen war minderjÀhrig; mehr als 220 Beamte waren im Einsatz.
Belgien und Italien melden weitere EinsÀtze
In BrĂŒssel und LĂŒttich verliefen kleinere Demonstrationen nach Angaben des belgischen Innenministers ohne gröĂere ZwischenfĂ€lle. In BrĂŒssel nahmen rund 400 Menschen teil, neun wurden wegen Störung der öffentlichen Ordnung, Waffenbesitzes und Anstiftung zu Gewalt festgenommen.
In Italien demonstrierten Tausende gegen hohe Lebenshaltungskosten, Benzinpreise und AufrĂŒstung. In Mailand kam es erneut zu Auseinandersetzungen, wĂ€hrend die Polizei in Bologna TrĂ€nengas und Wasserwerfer einsetzte und SicherheitskrĂ€fte in Turin Demonstrierende mit Schilden zurĂŒckdrĂ€ngten.
Die Proteste verbinden unterschiedliche soziale und politische Konflikte, die sich in mehreren LĂ€ndern am selben Wochenende auf der StraĂe zeigen. In Frankreich stehen Forderungen nach einer besseren Ausstattung der Schulen neben dem Ărger ĂŒber steigende Lebenshaltungskosten. In Italien richten sich Demonstrationen zusĂ€tzlich gegen hohe Benzinpreise und AufrĂŒstung. In Albanien konzentriert sich der Unmut auf MissstĂ€nde im Hochschulwesen und die Regierung.
Die gemeinsame Klammer ist damit weniger eine einheitliche europĂ€ische Bewegung als die Ăberlagerung nationaler Konflikte. Hohe Preise, Zweifel an staatlichen Leistungen und Kritik an politischen PrioritĂ€ten können groĂe Teilnehmerzahlen mobilisieren. Wo spontane Aufrufe ĂŒber soziale Medien hinzukommen, erschwert die unklare Zielsetzung den Behörden die Vorbereitung.
Gewalt als eigenstÀndiges Sicherheitsproblem
Die Ereignisse zeigen zugleich die Trennung zwischen den eigentlichen Demonstrationen und gewalttĂ€tigen Randgruppen. In Frankreich betonte der Innenminister, die UmzĂŒge selbst seien reibungslos verlaufen, wĂ€hrend sich an den RĂ€ndern Risikogruppen abgesetzt hĂ€tten. In Barcelona folgten Jugendliche einem unangekĂŒndigten Aufruf; in Tirana eskalierte der Protest an RegierungsgebĂ€uden.
FĂŒr die kommenden Protesttage dĂŒrfte deshalb entscheidend sein, ob Veranstalter die Teilnehmerströme kontrollieren und Behörden zwischen friedlicher Versammlung und Straftaten unterscheiden können. Die hohen Festnahmezahlen in Frankreich und Barcelona sowie Verletzte in Albanien erhöhen den politischen Druck, zugleich aber auch das Risiko, dass SicherheitsmaĂnahmen weitere Spannungen auslösen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: âBarcelona: Rund 100 Festnahmen nach Ausschreitungen bei Protestenâ (25.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tige die Ausschreitungen in Barcelona mit PlĂŒnderungen und BrĂ€nden und lege den Schwerpunkt auf die rund 100 Festnahmen. Damit vertiefe er den regionalen Teil der Meldung, wĂ€hrend die gesamteuropĂ€ische Dimension weniger im Vordergrund stehe.
tagesschau: âProteste in Europa - auch mit Gewaltâ (25.10.2026)
Der Beitrag ordne die Proteste lĂ€nderĂŒbergreifend ein und bestĂ€tige unter anderem die Festnahmen in Barcelona. Anders als der ZDF-Bericht betone er die parallelen Entwicklungen in mehreren europĂ€ischen Staaten; offen bleibe, ob daraus eine gemeinsame politische Bewegung entstehe.
Beide BeitrĂ€ge stimmten darin ĂŒberein, dass friedliche Proteste von Gewalt und SachbeschĂ€digungen begleitet worden seien. Unterschiede lĂ€gen vor allem im Schwerpunkt: Der eine Bericht konzentriere sich auf Barcelona, der andere auf den europĂ€ischen Vergleich.
