Santiago Peña wegen Ueno-Skandal angeklagt – Haft beantragt
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 20:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSErmittlungen gegen Peña und Carvallo
- Die Staatsanwaltschaft klagte Santiago Peña und Carlos Carvallo wegen des Verdachts der Untreue und Selbstbegünstigung an.
- Peña erschien am Samstag binnen 24 Stunden nach dem Haftbefehl bei der Staatsanwaltschaft und verweigerte die Aussage.
- Ein Gericht muss über Untersuchungshaft, Vermögensbeschränkungen und das Einfrieren möglicher Vermögenswerte entscheiden.
Staatsanwaltschaft klagt Peña nach Amtsenthebung an
Paraguays abgesetzter Präsident Santiago Peña ist im Zusammenhang mit dem Skandal um die Ueno Bank wegen des Verdachts der Untreue und der Selbstbegünstigung angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft gegen Peña und den früheren Zentralbankchef Carlos Carvallo.
Beschuldigte verweigern Aussage
Peña erschien am Samstag innerhalb von 24 Stunden nach Erlass eines Haftbefehls bei der Staatsanwaltschaft, um sich zu den Vorwürfen zu äußern. Er und Carvallo machten von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.
Carvallo wird neben Untreue und Selbstbegünstigung auch die Herstellung inhaltlich falscher öffentlicher Dokumente vorgeworfen. Die Ermittler beantragten zudem eine allgemeine Verfügungsbeschränkung über das Vermögen der beiden Beschuldigten sowie dessen Einfrieren.
Gericht entscheidet über Haft und Vermögen
Mit den Maßnahmen sollen Vermögenswerte gesichert werden, um mögliche finanzielle Schäden aus den mutmaßlichen Straftaten ausgleichen zu können. Über die Anträge muss nun ein Gericht entscheiden.
Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die Ermittlungen erst begonnen hätten. Bislang bestehe ein Verdacht auf die genannten Straftaten; weitere Beweise würden noch zusammengetragen. Hinweise auf eine kriminelle Vereinigung seien nicht Gegenstand der Anklage.
Ueno-Krise löst politischen Machtwechsel aus
Der Fall steht im Zusammenhang mit der Digitalbank Ueno, die nach jahrelangem Wachstum in eine schwere Krise geraten war. Die Zentralbank leitete ein Abwicklungsverfahren ein, nachdem die Eigenkapitalquote unter die Hälfte des vorgeschriebenen Mindestwertes gefallen war; zeitweise konnten Kunden nicht auf ihre Konten zugreifen.
Peña hatte bis März 2025 Geschäftsbeziehungen zur Grupo Vázquez unterhalten, zu der auch die Ueno Bank gehört. Vorwürfe möglicher Interessenkonflikte wies er zurück.
Alliana übernimmt Präsidentenamt
Am Freitag entfernte ihn das Parlament durch ein Amtsenthebungsverfahren aus dem Präsidentenamt. Sein bisheriger Vizepräsident Pedro Alliana wurde als Nachfolger vereidigt und soll Paraguay bis August 2028 regieren.
Die Anklage markiert den Übergang von einer politischen Krise zu einem förmlichen Strafverfahren. Im Mittelpunkt stehen der Umgang mit der Ueno Bank und der Vorwurf, Peña habe seine frühere geschäftliche Nähe zur Grupo Vázquez nicht ausreichend von staatlichen Entscheidungen getrennt.
Für Paraguay ist der Vorgang deshalb besonders folgenreich, weil sich mehrere Ebenen überlagern: der Zusammenbruch eines wichtigen Finanzinstituts, mögliche Interessenkonflikte an der Staatsspitze und der Machtwechsel im Präsidentenamt. Die beantragte Untersuchungshaft sowie das mögliche Einfrieren von Vermögen erhöhen den Druck auf die Beschuldigten und sollen zugleich eine spätere Sicherung möglicher Schadensersatzansprüche ermöglichen.
Folgen für Politik und Finanzsektor
Die Entscheidung über Haft und Vermögensbeschränkungen liegt nun beim zuständigen Gericht. Für Kunden und Geschäftspartner der Ueno Bank bleibt entscheidend, wie die Abwicklung des Instituts fortgesetzt wird und ob sich aus den Ermittlungen konkrete finanzielle Schäden ableiten lassen.
Politisch muss die neue Führung unter Pedro Alliana ihre Legitimität unter schwierigen Bedingungen sichern. Der Fall dürfte zudem die Debatte über Aufsicht, Interessenkonflikte und die Unabhängigkeit staatlicher Institutionen prägen. Die Staatsanwaltschaft hat zugleich klargestellt, dass die Ermittlungen erst begonnen haben und weitere Beweise noch zusammengetragen werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Ueno-Bank - Staatskrise in Paraguay: Präsident Peña abgesetzt und festgenommen“ (07.11.2026)
Der Beitrag ordne die Anklage in die Staatskrise nach der Absetzung Peñas ein und nenne Vorwürfe wie Untreue, Einflussnahme und Amtsmissbrauch zum eigenen Vorteil. Der Schwerpunkt liege damit stärker auf dem politischen Gesamtbild, während die dpa-Meldung die beantragte Untersuchungshaft und die Sicherung von Vermögen hervorhebe.
tagesschau: „Paraguay: Die Bankenkrise wird zur Staatskrise“ (06.11.2026)
Der Artikel stelle den Zusammenhang zwischen der Ueno-Bank-Krise und dem Amtsenthebungsverfahren heraus. Im Vergleich zur dpa-Meldung liege sein Fokus auf der politischen Vorgeschichte; offen bleibe in beiden Darstellungen, welche konkreten Beweise die strafrechtlichen Vorwürfe letztlich tragen werden.
Beide Beiträge ordneten den Fall als Verbindung von Banken- und Staatskrise ein. Die dpa-Meldung konzentriere sich auf den Beginn des Strafverfahrens und die beantragten Maßnahmen, während die anderen Perspektiven stärker den politischen Machtwechsel und die Vorgeschichte betonten.
