Mohammed bin Salman, Kronprinz

Bin Salman bei Fox: Saudi-Arabien und Israel nÀhern sich an

21.09.2023 - 10:18:32 | dpa.de

Saudi-Arabien ist ein enger Partner der USA, aber nicht von Israel - jedenfalls noch nicht. In einem auf Englisch gefĂŒhrten Interview mit dem US-Sender Fox berichtet der saudische Kronprinz Bemerkenswertes.

Der israelische MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu (l) und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Saudi-Arabien und Israel nÀhern sich offenbar an. - Foto: Abir Sultan/-/EPA POOL via AP/Saudi Press Agency/dpa
Der israelische MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu (l) und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Saudi-Arabien und Israel nÀhern sich offenbar an. - Foto: Abir Sultan/-/EPA POOL via AP/Saudi Press Agency/dpa

Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel sind nach Angaben des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman auf dem Weg einer Normalisierung. «Wir kommen dem jeden Tag nÀher, es scheint zum ersten Mal etwas wirklich Ernsthaftes zu sein», sagte bin Salman in einem GesprÀch mit dem US-Sender Fox News.

Ein mögliches Abkommen mit Israel bezeichnete der faktische Herrscher des Landes als «grĂ¶ĂŸten historischen Deal seit Ende des Kalten Krieges». Berichte, dass Verhandlungen darĂŒber ausgesetzt worden seien, wies bin Salman als «unwahr» zurĂŒck.

Die US-Regierung hatte vor einigen Wochen GesprĂ€che ĂŒber eine mögliche AnnĂ€herung zwischen Saudi-Arabien und Israel bestĂ€tigt, die Erwartungen aber gedĂ€mpft. US-Medien hatten berichtet, dass die USA und Saudi-Arabien sich im Grundsatz auf die Umrisse eines solchen Abkommens verstĂ€ndigt hĂ€tten. Demnach wĂŒrde Saudi-Arabien Israel anerkennen und im Gegenzug US-Sicherheitsgarantien und Hilfe beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms bekommen. Israel mĂŒsste dafĂŒr umfassende ZugestĂ€ndnisse an die PalĂ€stinenser machen.

Noch viele offene Fragen und hohe HĂŒrden

Offiziell hat Riad keine Beziehungen zu Israel, verdeckt arbeiten beide LĂ€nder aber in Sicherheitsfragen schon lĂ€nger zusammen. Eine förmliche AnnĂ€herung schien jahrzehntelang so gut wie ausgeschlossen. Die USA sind Schutzmacht Israels und auch fĂŒr Saudi-Arabien ein wichtiger VerbĂŒndeter. FĂŒr einen möglichen Durchbruch gibt es noch viele offene Fragen und hohe HĂŒrden.

Eine Übereinkunft hĂ€nge maßgeblich vom Umgang Israels mit den PalĂ€stinensern ab, betonte Salman, den Fox-Journalist Bret Baier auf der saudischen Insel Sindalah interviewt hatte. «Wenn wir einen Durchbruch haben beim Erzielen eines Deals, der die BedĂŒrfnisse der PalĂ€stinenser erfĂŒllt und die Region beruhigt, dann werden wir mit jedem arbeiten, der dort ist», sagte der 38-JĂ€hrige laut von Fox veröffentlichten Aussagen aus dem Interview. Das Leben der PalĂ€stinenser solle leichter werden, ergĂ€nzte er. Das Königreich Saudi-Arabien ist einer der grĂ¶ĂŸten Geldgeber fĂŒr die PalĂ€stinenser.

Zur Frage einer möglichen nuklearen AufrĂŒstung des Irans sagte er, dies wĂ€re ein «schlechter Schritt». Niemand könne Atomwaffen einsetzen. «Jedes Land, das Nuklearwaffen benutzt, zettelt einen Krieg mit dem Rest der Welt an», so Bin Salman. «Die Welt kann kein zweites Hiroschima erleben.» Sollte Teheran eine Atombombe erlangen, mĂŒsste Saudi-Arabien dies auch tun, sagte er.

Israelischer Politologe: Kronprinz «wird alles bekommen»

Ein israelischer Experte stuft die Äußerungen des saudischen Kronprinzen als sehr bedeutsam ein. «Er hat zum ersten Mal bestĂ€tigt, dass es die Kontakte gibt, dass es fortschreitet, dass es im saudischen Interesse ist», sagte der Politikwissenschaftler Yoel Guzansky.

Guzansky, Sicherheitsexperte am Israelischen Institut fĂŒr Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv, findet die politische Erstarkung des Kronprinzen bemerkenswert: «Er war bis vor kurzem eine Persona non grata im Westen, er wurde verurteilt, war ein Außenseiter. Jetzt umwirbt ihn die ganze Welt. Er wird alles bekommen, was er will.»

Besorgniserregend findet Guzansky die Aussicht, dass Saudi-Arabien im Rahmen einer Vereinbarung mit den USA und Israel die Erlaubnis zur zivilen Nutzung von Atomkraft erhalten könnte. Als mögliche Gefahr sieht er etwa, dass Saudi-Arabien sich aus Sicherheitsvereinbarungen einseitig zurĂŒckziehen könnte. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr in dem Zusammenhang sei ein nukleares WettrĂŒsten in der ganzen Region.

Guzansky: Mit jetzigem Kabinett Chancen «sehr gering»

Zur Frage, ob der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu im Rahmen einer Einigung mit Saudi-Arabien notwendige Konzessionen an die PalĂ€stinenser auch innerhalb seiner rechts-religiösen Regierung durchsetzen könnte, meinte Guzansky, die Chancen dafĂŒr seien «sehr gering». Der ultranationale Finanzminister Bezalel Smotrich hatte nach Medienberichten bereits gewarnt, es werde kein «Oslo 2» geben, in Anspielung an die frĂŒheren FriedensvertrĂ€ge mit den PalĂ€stinensern.

Netanjahu mĂŒsste mit großer Wahrscheinlichkeit Änderungen in seinem Kabinett vornehmen, meinte der Experte. Seiner EinschĂ€tzung nach warte der Oppositionspolitiker Benny Gantz aber nur darauf, Teil einer gemĂ€ĂŸigteren Koalition mit Netanjahu zu werden. Ein historisches Abkommen mit Saudi-Arabien wĂŒrde Gantz die notwendige Legitimation fĂŒr einen Eintritt in die Koalition geben, sagt Guzansky. «Er wird als jemand dastehen, der Israel gerettet hat.»

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