Afrika-Gipfel, Staats-

Afrika-Gipfel mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs

20.11.2023 - 04:46:20 | dpa.de

Schon seit 2017 gibt es die Initiative «Compact with Africa». Damals wurde sie von Deutschland ins Leben gerufen. Jetzt treffen sich die Verantwortlichen der Teilnehmerstaaten in Berlin.

Bundeskanzler Olaf Scholz empfÀngt den Àthiopischen MinisterprÀsidenten Abiy Ahmed Ali (l) am Bundeskanzleramt. In Berlin findet die «Compact with Africa» - Konferenz G20 Investment Summit 2023 statt. - Foto: Britta Pedersen/dpa

Zu Beratungen ĂŒber eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa kommen heute die Staats- und Regierungschefs zahlreicher afrikanischer Staaten nach Berlin. Hauptthemen der Konferenz «Compact with Africa» (CwA) sind die StĂ€rkung privater Investitionen auf dem europĂ€ischen Nachbarkontinent und die Zusammenarbeit bei nachhaltiger Energieversorgung.

Die Konferenz geht auf eine Initiative Deutschlands im Jahr 2017 wĂ€hrend seines Vorsitzes in der Gruppe der G20-Staaten zurĂŒck. Diese zielt darauf ab, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den CwA-Staaten zu verbessern, um sie attraktiver fĂŒr auslĂ€ndische private Investitionen zu machen.

Bilaterale GesprÀche geplant

Inzwischen gehören 13 LĂ€nder des afrikanischen Kontinents der Staatengruppe an: Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, CĂŽte d’Ivoire, Ghana, Guinea, die Demokratische Republik Kongo, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo, und Tunesien. Weitere Staaten sind an einer Aufnahme interessiert. Daher kommen auch Vertreter von Angola, Kenia und Sambia nach Berlin.

An dem Gipfel in Berlin nehmen auch EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen, EU-RatsprÀsident Charles Michel, Frankreichs StaatsprÀsident Emmanuel Macron und der niederlÀndische Regierungschef Mark Rutte teil.

Der Gastgeber, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), wird die Konferenz nach Angaben aus Regierungskreisen auch zu mehreren bilateralen GesprÀchen mit einzelnen Staats- und Regierungschefs nutzen. BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier hat die Teilnehmer zu einem Mittagessen ins Schloss Bellevue eingeladen.

Schulze: Ziel sind nachhaltige Jobs

Nach Angaben von Entwicklungsministerin Svenja Schulze steht die Schaffung nachhaltiger Jobs im Vordergrund. «Was wir jetzt neu und stĂ€rker miteinander diskutieren, ist die QualitĂ€t dieser Jobs. Wir sind uns einig, dass die Jobs nachhaltig sein mĂŒssen, dass sie zu Klimaschutz beitragen mĂŒssen», sagte die SPD-Politikerin im Deutschlandfunk.

Es gehe um Partnerschaft auf Augenhöhe, sagte Schulze. «Wir wollen Lithium, wir wollen Kobalt zum Beispiel fĂŒr die erneuerbaren Energien aus afrikanischen LĂ€ndern haben. Aber wir wollen es so tun, dass da nachhaltige ArbeitsplĂ€tze entstehen, dass da keine Kinderarbeit drin ist, dass die Umwelt nicht zerstört wird.»

Initiative zeigt Wirkung

In Berlin wird eingerĂ€umt, dass auch Mitglieder des «Compact with Africa» nicht gegen RĂŒckschlĂ€ge etwa durch BĂŒrgerkriege, Putsche, die Corona-Pandemie oder die Folgen des Ukraine-Krieges gefeit seien. Andererseits zeige die Initiative Wirkung. So hĂ€tten sich die CwA-LĂ€nder im Vergleich zu den anderen Staaten Afrikas erheblich besser von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt. Im vergangenen Jahr sei ihr Wirtschaftswachstum doppelt so hoch gewesen wie das der anderen afrikanischen Staaten. 2022 hĂ€tten die Mitglieder eine Versechsfachung der angekĂŒndigten auslĂ€ndischen Direktinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr erzielt.

Umgekehrt profitieren auch Deutschland und Europa von dieser Zusammenarbeit, wie die Bundesregierung betont. Der afrikanische Kontinent ist reich an BodenschĂ€tzen, die auch die deutsche Wirtschaft benötigt und die sie unabhĂ€ngiger zum Beispiel von China und Russland machen können. Das gilt ebenso fĂŒr Gas- und Ölvorkommen, die als Übergangsenergiequelle gebraucht werden. Auch nach dem Ausstieg aus fossiler Energie ist der afrikanische Kontinent nach Berliner Lesart durch ein hohes Potenzial an Sonnen- und Windkraft und der Möglichkeit zur Produktion von gĂŒnstigem grĂŒnen Wasserstoff interessant.

Potenzial bislang nicht ausreichend genutzt

Das riesige Potenzial des afrikanischen Kontinents sei bislang nicht ausreichend genutzt worden, heißt es in der Bundesregierung. Dies hĂ€nge aber auch mit Defiziten bei Rechtsstaatlichkeit und der Wahrung von Menschenrechten, mit der verbreiteten Korruption sowie mit praktischen Problemen wie der Konvertierbarkeit von WĂ€hrungen zusammen. Solche Hindernisse aus dem Weg zu rĂ€umen, sei das Ziel von «Compact with Africa».

Deutschland und Europa böten sich dabei als langfristige, verlÀssliche Partner an, die auch Wertschöpfung in den Staaten Afrikas schaffen wollten. Im Gegensatz dazu sei beispielsweise China in der Vergangenheit vor allem an der Ausbeutung von Rohstoffen interessiert gewesen, die es dann im eigenen Land weiterverarbeitet habe.

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