Schwerer Anschlag Pakistan: Autobombe trifft Polizeizentrale und Moschee in Kohat
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 16:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf eine Polizeizentrale in der nordwestpakistanischen Stadt Kohat sind nach Behördenangaben mindestens 20 Menschen und sieben Angreifer getötet worden.
Angriff während des Freitagsgebets
Der Angriff ereignete sich in der Unruheprovinz Khyber Pakhtunkhwa während des Freitagsgebets. Nach Angaben aus Polizeikreisen rammte ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug zunächst das Tor der Polizeizentrale und explodierte. Bewaffnete Angreifer stürmten anschließend das Gelände, einer von ihnen zündete einen Sprengstoffgürtel.
Moschee beschädigt, viele Verletzte
Durch die Wucht der Detonation wurde auch eine Moschee auf dem Gelände beschädigt. Fernsehbilder zeigten Menschen, die in Panik vom Anschlagsort flohen, sowie leblose Körper am Boden. Bei der Attacke wurden mehr als 70 Menschen verletzt. Videos in sozialen Medien, deren Echtheit von der Deutschen Presse-Agentur geprüft wurde, zeigen eine schwer beschädigte Häuserfront und Helfer, die Trümmer beiseiteschaffen.
Unklarer Täter, IS und Taliban aktiv
Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag. In der Region an der Grenze zu Afghanistan sind sowohl ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat als auch die pakistanischen Taliban (TTP) aktiv. In den vergangenen Jahren hat sich die Sicherheitslage dort weiter verschlechtert.
Serie von Angriffen auf Polizei in der Region
Erst Anfang August waren bei einem Selbstmordanschlag im Swat-Tal in derselben Provinz 14 Menschen getötet worden. Auch dieser Angriff richtete sich gegen eine Polizeiwache, vor der Hunderte Menschen gegen die zunehmende Gewalt in der Region demonstrierten. Bereits in den Monaten zuvor gab es mehrere Anschläge auf Polizisten in Khyber Pakhtunkhwa.
Eskalierter Konflikt mit Afghanistan
Pakistan wirft der Taliban-Regierung im Nachbarland Afghanistan vor, Terrorgruppen im Grenzgebiet Unterschlupf zu gewähren. Die Führung in Kabul weist diese Vorwürfe zurück. Im Frühjahr 2026 eskalierte der Konflikt zwischen beiden Staaten, seither kommt es nach pakistanischen Angaben regelmäßig zu gegenseitigem Beschuss im Grenzgebiet.
Region mit hoher Gewaltbelastung
Der Anschlag in Kohat reiht sich in eine Serie schwerer Gewalttaten in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa ein. Die Region an der Grenze zu Afghanistan gilt seit Jahren als besonders instabil, weil dort verschiedene islamistische Gruppen, lokale Milizen und kriminelle Netzwerke aktiv sind. Polizeieinrichtungen und andere Symbole des Staates werden immer wieder gezielt angegriffen, um die Sicherheitskräfte zu schwächen und staatliche Autorität infrage zu stellen.
Polizei als Hauptziel bewaffneter Gruppen
Dass sich der Anschlag erneut gegen eine Polizeizentrale richtet und vor allem Polizisten unter den Todesopfern sind, unterstreicht die Rolle der Sicherheitskräfte als vorrangiges Angriffsziel. Die Kombination aus Autobombe, bewaffnetem Sturm auf das Gelände und Sprengstoffgürtel deutet auf eine gut vorbereitete Operation hin, wie sie in der Region schon mehrfach angewandt wurde. Für die Bevölkerung bedeutet dies, dass selbst vermeintlich gesicherte Orte wie Polizeiwachen und Moscheen auf deren Gelände keine verlässliche Zuflucht bieten.
Konflikt mit Afghanistan und mögliche Folgen
Der seit dem Frühjahr 2026 eskalierte Konflikt zwischen Pakistan und der Taliban-Regierung in Afghanistan bildet den übergeordneten Rahmen. Pakistan wirft Kabul vor, extremistischen Gruppen Rückzugsräume zu bieten, die von afghanischem Gebiet aus Anschläge in Pakistan vorbereiten. Die wiederkehrenden Angriffe auf Polizeiposten und Demonstrationen gegen Gewalt zeigen, dass die Sicherheitslage für Zivilisten weiter prekär bleibt. Für Leser bedeutet dies, dass sich Spannungen im Grenzgebiet zunehmend in Form von Anschlägen und grenzüberschreitendem Beschuss entladen können und damit auch internationale Bemühungen um Stabilisierung der Region erschwert werden.
