Russische Staatsagentur: Assad und Familie in Moskau
08.12.2024 - 19:25:25 | dpa.de
Der entmachtete syrische PrĂ€sident Baschar al-Assad und seine Familie sind nach einem Bericht der russischen Staatsagentur Tass in Moskau eingetroffen. «Russland hat ihnen aus humanitĂ€ren GrĂŒnden Asyl gewĂ€hrt», zitierte die Agentur einen Vertreter des Kreml. Details waren zunĂ€chst nicht bekannt. Russland gewĂ€hrt immer wieder gestĂŒrzten PrĂ€sidenten und Machthabern Zuflucht.
Zuvor hatte das russische AuĂenministerium mitgeteilt, dass Assad seinen Posten in Syrien aufgegeben und das Land verlassen habe, um eine friedliche MachtĂŒbergabe zu ermöglichen. «Russland hat sich an diesen Verhandlungen nicht beteiligt. Zugleich appellieren wir nachdrĂŒcklich an alle beteiligten Parteien, auf Gewaltanwendung zu verzichten und alle Fragen der StaatsfĂŒhrung mit politischen Mitteln zu lösen.»Â
Angaben zum genauen Aufenthaltsort Assad, der stets engste Kontakte zu Kremlchef Wladimir Putin pflegte, gab es zunĂ€chst nicht. Moskau sei auch in Kontakt mit den Gruppierungen in Syrien, seinen russischen MilitĂ€rstĂŒtzpunkten in dem Land drohe derzeit keine Gefahr, hieĂ es in Moskau.
EnttĂ€uschung und ErnĂŒchterung in Moskau
Russland leistete seit 2015 militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr Assad. Nun machten sich ErnĂŒchterung und EnttĂ€uschung in Moskau breit. Unter den derzeitigen Bedingungen des voll aufgeflammten BĂŒrgerkrieges könne Russland Syrien nicht mehr unterstĂŒtzen, schrieb der prominente AuĂenpolitiker und stellvertretende Vorsitzende des russischen Föderationsrates, Konstantin Kossatschow, bei Telegram. «Damit mĂŒssen die Syrer nun alleine klarkommen.»Â
Moskau werde nur noch helfen, wenn das syrische Volk das wĂŒnsche, sagte Kossatschow. Der Krieg sei nicht vorbei, weil es dort viele gegnerische Gruppierungen gebe, darunter Terroristen. Wichtig sei jetzt vor allem, die Sicherheit der russischen Soldaten in Syrien sowie die SouverĂ€nitĂ€t und die territoriale Unversehrtheit des Landes zu gewĂ€hrleisten, sagte er.Â
Marinebasis in Syrien fĂŒr Moskau strategisch wichtig
Russland unterhĂ€lt in Syrien eine Luftwaffenbasis und einen MarinestĂŒtzpunkt mit Kriegsschiffen im Mittelmeerhafen von Tartus. FĂŒr Russland hat die PrĂ€senz dort strategische Bedeutung wegen des Zugangs zum Mittelmeer. Laut russischem AuĂenministerium sind die StĂŒtzpunkte in erhöhter Bereitschaft, es gebe aber keine Bedrohung fĂŒr die Soldaten.Â
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Andrej Kartapolow, sagte, dass ĂŒber das in Syrien stationierte MilitĂ€r Moskaus nachgedacht werden mĂŒsse â ausgehend von den Erfahrungen etwa des Abzugs der sowjetischen Truppen aus der DDR und anderen LĂ€ndern. Andere Experten meinten, dass Kremlchef Wladimir Putin nun sein «persönliches Afghanistan» erlebe â wie bei dem Abzug der Sowjettruppen aus dem Land 1989.
Diskussion um Fehler in Russland
Kommentatoren in russischen Medien sprachen von Fehlern, die Russland in Syrien gemacht habe. Moskau habe Assad die Bedingungen geschaffen, das Land wieder aufzubauen und aus der Isolation zu bringen. Er habe aber nichts daraus gemacht, hieĂ es.Â
Der Propagandist Andrej Medwedew vom staatlichen Rundfunk sprach ebenfalls von Fehlern Russlands, die sich seine Gegner zunutze gemacht hĂ€tten und aus denen Moskau lernen mĂŒsse. Russland hatte nach Berichten russischer Medien auch wegen seines Angriffskrieges gegen die Ukraine zuletzt kaum noch Ressourcen, um den Assad-Gegnern etwas entgegenzusetzen.
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