Seltene Bilder von Aung San Suu Kyi: Treffen mit Rotem Kreuz
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 08:22 Uhr | dpa.deErstmals seit dem MilitĂ€rputsch in Myanmar vor fĂŒnfeinhalb Jahren ist ein Treffen der frĂŒheren Regierungschefin Aung San Suu Kyi mit einem auslĂ€ndischen Vertreter öffentlich bekanntgeworden. Die MilitĂ€rregierung veröffentlichte Aufnahmen, die die FriedensnobelpreistrĂ€gerin (81) bei einem Treffen mit dem Myanmar-ReprĂ€sentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Arnaud de Baecque, zeigen. Zu ihrem Aufenthaltsort und Gesundheitszustand gab es zuvor jahrelang kaum verlĂ€ssliche Informationen.
Das Staatsfernsehen berichtete, das Treffen habe am Morgen (Ortszeit) stattgefunden. Wo Suu Kyi und De Baecque zusammenkamen, wurde nicht bekannt. Die Aufnahmen zeigen beide in einem holzvertĂ€felten Raum. Die MilitĂ€rregierung veröffentlichte auch Bilder vom 81. Geburtstag der frĂŒheren Freiheitsikone im Juni, auf denen sie offenbar im Hausarrest einen Geburtstagskuchen anschneidet.
Sohn spricht von Zeichen der Hoffnung
Das Rote Kreuz bestĂ€tigte das Treffen in einer Mitteilung. «Der Besuch erfolgte gemÀà den Standards und Verfahren des IKRK fĂŒr Besuche bei Inhaftierten», hieĂ es darin. «Dazu gehörte auch die Gelegenheit, mit Aung San Suu Kyi unter vier Augen zu sprechen.» Weitere Details wurden nicht bekannt.
Suu Kyis Sohn Kim Aris sprach in sozialen Medien von einem Zeichen der Hoffnung. «Dies ist ein wichtiger erster Schritt, aber er darf nicht der letzte sein», schrieb der 49-JĂ€hrige auf Facebook. Er hoffe, der IKRK-Besuch fĂŒhre zu einem besseren humanitĂ€ren Zugang, direktem Kontakt mit seiner Mutter, glaubwĂŒrdigen Informationen ĂŒber ihr Wohlergehen und letztendlich zu ihrer Freilassung.
Vom GefÀngnis in den Hausarrest
Suu Kyi steht seit dem MilitĂ€rputsch vom Februar 2021 unter Arrest. Damals hatte das MilitĂ€r die demokratisch gewĂ€hlte Regierung gestĂŒrzt und die Politikerin festgenommen. Seitdem war sie weitgehend von der AuĂenwelt abgeschirmt. SpĂ€ter wurde sie wegen angeblicher Vergehen zu einer langjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt. Immer wieder gab es Sorge um ihren Gesundheitszustand, unter anderem war von Herzproblemen die Rede. Nach Angaben der Behörden wurde sie Ende April aus einem GefĂ€ngnis in Hausarrest verlegt.
Suu Kyi war jahrzehntelang die bekannteste Oppositionspolitikerin Myanmars und erhielt 1991 den Friedensnobelpreis fĂŒr ihren gewaltlosen Einsatz fĂŒr Demokratie. Bereits von 1989 bis 2010 verbrachte sie insgesamt 15 Jahre isoliert unter Hausarrest.Â
Seit dem Putsch von 2021 befindet sich das frĂŒhere Birma in einer schweren Krise. Die Entmachtung der gewĂ€hlten Regierung hatte damals landesweite Proteste und einen anhaltenden bewaffneten Konflikt ausgelöst. Seither prĂ€gen Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und Widerstand gegen die Junta das Land.
Kritik an umstrittener Wahl
Nach einer international sehr umstrittenen Wahl wurde Armeechef Min Aung Hlaing im April vom Parlament zum PrÀsidenten erklÀrt. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin jedoch keinen echten demokratischen Prozess, sondern eine Inszenierung zur Festigung der MilitÀrmacht. Die Veröffentlichung der Fotos kam nur wenige Tage vor einem geplanten offiziellen Besuch Min Aung Hlaings im Nachbarland Thailand.
