Religion, USA

Trump allmÀchtig? Der US-PrÀsident provoziert die Kirche

14.04.2026 - 15:11:22 | dpa.de

Sieht sich Donald Trump als Heiland? Mit seiner Kritik am Papst und einem blasphemisch anmutenden KI-Bild verÀrgert der US-PrÀsident selbst treuste AnhÀnger.

  • US-PrĂ€sident Donald Trump legt sich mit der katholischen Kirche an.  - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    US-PrÀsident Donald Trump legt sich mit der katholischen Kirche an. - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Der US-PrĂ€sident muss bei den Midterms eine Niederlage fĂŒrchten. - Foto: Alex Brandon/AP/dpa
    Der US-PrĂ€sident muss bei den Midterms eine Niederlage fĂŒrchten. - Foto: Alex Brandon/AP/dpa
  • Papst Leo XIV. lĂ€sst sich von Trump nicht einschĂŒchtern. - Foto: Alberto Pizzoli/Pool AFP/AP/dpa
    Papst Leo XIV. lĂ€sst sich von Trump nicht einschĂŒchtern. - Foto: Alberto Pizzoli/Pool AFP/AP/dpa
US-PrĂ€sident Donald Trump legt sich mit der katholischen Kirche an.  - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Der US-PrĂ€sident muss bei den Midterms eine Niederlage fĂŒrchten. - Foto: Alex Brandon/AP/dpa Papst Leo XIV. lĂ€sst sich von Trump nicht einschĂŒchtern. - Foto: Alberto Pizzoli/Pool AFP/AP/dpa

In weißem Gewand und rotem Umhang legt US-PrĂ€sident Donald Trump einem Mann im Krankenbett seine heilende Hand auf die Stirn. Eine Frau betet, im Hintergrund fliegen Kampfflugzeuge, und die Freiheitsstatue thront neben der amerikanischen Flagge. Was klingt wie eine Karikatur, ist ein inzwischen gelöschtes KI-Bild, das Trump wĂ€hrend seines Feldzugs gegen den in Chicago geborenen Papst Leo XIV. gepostet hatte. Hat sich der US-PrĂ€sident in seinen Allmachtsfantasien mit der falschen WĂ€hlergruppe angelegt?

Der «PrĂ€sident greift den Papst scharf an und erntet heftige Kritik», schrieb die «New York Times» nach selbst fĂŒr Trump außergewöhnlichen Stunden. In den USA Ă€ußerten sich mehrere einflussreiche Geistliche mindestens besorgt. «Ich bin bestĂŒrzt», sagte Erzbischof Paul Coakley als Vorsitzender der US-Bischofskonferenz. Die «Washington Post» schrieb, Trump riskiere, «konservative Katholiken zu verprellen».

Rund ein FĂŒnftel der erwachsenen US-Amerikaner sind Katholiken, in unterschiedlicher AusprĂ€gung. Trump gehört der grĂ¶ĂŸeren Glaubensgruppe der Protestanten an, sein VizeprĂ€sident JD Vance war vor Jahren zum römisch-katholischen Glauben konvertiert. In Trumps republikanischer Kernzielgruppe sind der Glaube an Gott und konservative Werte in großen Teilen tief verwurzelt - anders als die evangelikalen Protestanten sind die Katholiken bei Wahlen aber stĂ€rker gespalten, sie gelten als sogenannte «Swing»-Gruppe, die fĂŒr das Ergebnis entscheidend sein kann.

Im Februar, Wochen vor den aktuellen Trump-Angriffen auf den Papst, zeigte das Forschungsinstitut Pew Research Center auf, dass immer weniger der weißen Katholiken davon ĂŒberzeugt sind, dass der US-PrĂ€sident im Amt ethisch handele. Bei den sogenannten Midterms im November muss Trump vor allem im ReprĂ€sentantenhaus eine hauchdĂŒnne Mehrheit verteidigen - eine Niederlage wĂŒrde enorme politische EinschrĂ€nkungen bedeuten. Trump wĂŒrde zur «lame duck» (lahmen Ente) statt zum Heiland.

Nur ein Scherz statt Blasphemie? 

Entsprechend versuchte der US-PrĂ€sident, Schadensbegrenzung zu betreiben - wie gehabt ohne dabei einen Fehler einzugestehen. Das KI-Bild habe ihn als Arzt zeigen sollen, und er helfe ja schließlich den Menschen, sagte Trump. Auf die dramatische Inszenierung des Bildes, die KĂŒnstler oft in religiösem Kontext nutzen, und die VorwĂŒrfe der Blasphemie ging der US-PrĂ€sident nicht ein. Sein Vize Vance sagte, Trump habe das Bild «als Scherz gepostet», und dann gesehen, dass «eine Menge Leute seinen Humor in dem Fall nicht verstehen».

Trumps Kritik an Papst Leo XIV. wegen dessen Äußerungen im Iran-Krieg bekrĂ€ftigte Vance aber. Der 41-JĂ€hrige empfahl dem Papst, sich aus der US-Politik herauszuhalten. «In manchen FĂ€llen wĂ€re es das Beste fĂŒr den Vatikan, sich auf moralische Angelegenheiten zu konzentrieren», sagte Vance in einem Interview des Senders Fox News. Dass sich der Papst fĂŒr die Dinge einsetze, die ihm wichtig sind, sei gut, aber die US-Politik solle er dem PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten ĂŒberlassen.

Das VerhĂ€ltnis zwischen dem Papst und Trump ist seit lĂ€ngerer Zeit angespannt. Die jĂŒngste Auseinandersetzung begann, als der US-PrĂ€sident dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vorwarf, eine «schreckliche» Außenpolitik zu betreiben. «Wenn ich nicht im Weißen Haus wĂ€re, wĂ€re Leo nicht im Vatikan», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Leo XIV. antwortete unter anderem: «Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.»

US-Erzbischof Coakley sagte, der Papst sei nicht Trumps Rivale und auch kein Politiker. «Er ist der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums heraus spricht und fĂŒr das Wohl der Seelen sorgt.» Der Erzbischof von Denver, James Golka, verwies auf die katholische Lehre, die dazu aufrufe, «die WĂŒrde jedes Menschen zu achten und uns mit Höflichkeit und Respekt am öffentlichen Leben zu beteiligen».

Ärger mit langer Vorgeschichte

Leo war gleich nach seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres als «Anti-Trump» bezeichnet worden - der jetzige Ärger hat eine lange Vorgeschichte. Bereits als einfacher Kardinal unter seinem bĂŒrgerlichen Namen Robert Francis Prevost hatte sich Leo gegen Äußerungen von Vance zur Migrationspolitik gestellt, der gesagt hatte, Christen sollten sich erst um die eigene Familie kĂŒmmern und dann um den Rest der Welt: «JD Vance liegt falsch: Jesus verlangt nicht von uns, unsere Liebe zu anderen abzustufen.»

Sich mit dem Vatikan anzulegen, schien fĂŒr die Trump-Regierung immer vertretbar. Trump kam zwar zur Trauerfeier fĂŒr Leos VorgĂ€nger Franziskus, nicht aber zur AmtseinfĂŒhrung des ersten Pontifex aus den USA. In den ersten Monaten seiner Amtszeit machte Leo dann mehrfach deutlich, dass er die Dinge anders sieht als Leute wie Trump. Anfangs nannte er den US-PrĂ€sidenten aber nie beim Namen - das hat sich inzwischen geĂ€ndert.

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