Somalia, Hungersnot

Somalia: Hungersnot-Risiko für Tausende Binnenvertriebene in Baidoa

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Somalia könnte sich die Ernährungskrise bis Jahresende weiter verschärfen. Laut IPC droht fast 26.000 Binnenvertriebenen in Baidoa eine Katastrophensituation – zugleich gefährden mögliche El-Niño-Überschwemmungen Millionen Menschen.

Schon jetzt gelten fast zwei Millionen Kinder in Somalia akut unterernährt. (Archivbild) - Bild: Eva-Maria Krafczyk/dpa
Schon jetzt gelten fast zwei Millionen Kinder in Somalia akut unterernährt. (Archivbild) - Bild: Eva-Maria Krafczyk/dpa

In Somalia droht sich die Ernährungskrise nach monatelanger Dürre weiter zu verschärfen; für fast 26.000 Binnenvertriebene in Baidoa wird bis Jahresende eine Katastrophensituation befürchtet.

Mehr als fünf Millionen Menschen betroffen

Nach neuen Zahlen der Initiative IPC befanden sich von Juli bis September rund 5,1 Millionen Menschen in Somalia in einer Ernährungskrise oder einer noch höheren Notlage. Das entspricht einem Anstieg um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Fast zwei Millionen Kinder sind demnach akut unterernährt.

Für die Monate Oktober bis Dezember erwartet die IPC einen Anstieg auf 5,4 Millionen Menschen in den Stufen 3 oder höher. Somalia hat etwa 19 Millionen Einwohner.

Baidoa droht Katastrophenstufe

Zu den besonders gefährdeten Menschen gehören rund 26.000 Binnenvertriebene in Baidoa in Zentralsomalia. Für sie wird voraussichtlich die IPC-Phase 5 erwartet, die höchste Stufe des fünfteiligen Alarmsystems und eine Katastrophensituation bezeichnet.

Die Stufen 3 und 4 stehen für Krise beziehungsweise Notstand. Rund zwei Millionen Somalis sind laut der Einschätzung von Stufe 4 betroffen. Die fünfte Stufe steht für eine Hungerkatastrophe.

Dürre und Überschwemmungen

Dürre, unregelmäßige Niederschläge, Unsicherheit und hohe Lebensmittelpreise treiben den Hilfsbedarf in dem fragilen Land am Horn von Afrika in die Höhe. Zugleich gehen die Mittel für humanitäre Hilfe zurück.

Die bevorstehenden, durch das Wetterphänomen El Niño verursachten Überschwemmungen könnten nach Angaben von Alex Fenwick von der Welthungerhilfe 2,7 Millionen Menschen gefährden. Zusätzlich zu den 5,4 Millionen Menschen mit prognostizierter schwerer Ernährungsunsicherheit drohten dadurch weitere Belastungen für Leben und Lebensgrundlagen.

Meteorologen erwarten, dass der diesjährige El Niño besonders stark ausfällt und bis Februar kommenden Jahres andauern könnte. Fenwick forderte angesichts der Entwicklung ein rasches und umfangreiches Handeln der internationalen Gemeinschaft.

Hungerkrise trifft auf Klimarisiken

Die IPC-Prognose beschreibt keine einzelne Ursache, sondern das Zusammenwirken mehrerer Belastungen. Ausbleibende oder unregelmäßige Regenfälle schwächen Viehzucht und Landwirtschaft, während hohe Lebensmittelpreise den Zugang zu Nahrung zusätzlich erschweren. Unsicherheit und Vertreibung nehmen vielen Familien zudem die Möglichkeit, ihre Lebensgrundlagen selbst zu sichern.

Besonders gefährdet sind Binnenvertriebene in Baidoa. Sie verfügen häufig über wenig Land, Vieh oder Einkommen und sind deshalb stark auf Märkte und humanitäre Hilfe angewiesen. Wird die Versorgung durch Überschwemmungen unterbrochen, können Preise steigen, Wege unpassierbar werden und Krankheiten sich leichter ausbreiten.

Entscheidende Monate für die Versorgung

Die prognostizierte Entwicklung von 5,1 auf 5,4 Millionen Menschen in IPC-Phase 3 oder höher zeigt, dass sich die Krise in den kommenden Monaten ausweiten könnte. Phase 3 bedeutet Krise, Phase 4 Notstand; Phase 5 bezeichnet eine Katastrophensituation. Der Übergang zur höchsten Stufe hängt dabei nicht allein von der verfügbaren Nahrungsmenge ab, sondern auch vom Zugang der Menschen zu Nahrung, Einkommen, Märkten und Hilfe.

Für die Bevölkerung bedeutet die Warnung vor allem, dass frühe Unterstützung entscheidend ist. Hilfslieferungen, Bargeldhilfen, medizinische Versorgung, Wasserprojekte und Schutz vor Überschwemmungen können den weiteren Absturz gefährdeter Haushalte begrenzen. Kürzungen bei der humanitären Finanzierung erhöhen dagegen das Risiko, dass Hilfe erst eintrifft, wenn Mangelernährung und Vertreibung bereits deutlich zugenommen haben.

Disclaimer...

de | ausland | 70168100 |