Somalia, Hungersnot

Somalia: Risiko einer Hungersnot in Zentralsomalia steigt

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 17:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Somalia droht sich die Ernährungskrise weiter zu verschärfen. Laut einer neuen IPC-Prognose könnten in Zentralsomalia fast 26.000 Binnenvertriebene in die höchste Notfallstufe abrutschen.

Schon jetzt gelten fast zwei Millionen Kinder in Somalia akut unterernährt. (Archivbild) - Bild: Eva-Maria Krafczyk/dpa
Schon jetzt gelten fast zwei Millionen Kinder in Somalia akut unterernährt. (Archivbild) - Bild: Eva-Maria Krafczyk/dpa

In Somalia droht nach monatelanger Dürre in den kommenden Monaten in einer Region eine Hungersnot, während die Zahl schwer unterernährter Menschen landesweit weiter steigen dürfte.

5,4 Millionen Menschen in schwerer Not

Nach neuen Zahlen der Initiative Integrated Food Security Classification (IPC) befanden sich von Juli bis September rund 5,1 Millionen Menschen in Somalia in IPC-Phase 3 oder höher. Diese Stufen stehen für eine Krise oder einen noch schwereren Ernährungsnotstand. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 50 Prozent.

Fast zwei Millionen Kinder sind den Angaben zufolge akut unterernährt. Für den Zeitraum von Oktober bis Dezember wird ein weiterer Anstieg auf 5,4 Millionen Menschen in IPC-Phase 3 oder höher prognostiziert. Somalia hat etwa 19 Millionen Einwohner.

Katastrophenlage für Binnenvertriebene erwartet

Besonders gefährdet sind demnach fast 26.000 Binnenvertriebene in Baidoa in Zentralsomalia. Für sie wird voraussichtlich IPC-Phase 5 erwartet – die höchste Stufe des fünfteiligen Alarmsystems, die für eine Hungerkatastrophe steht.

In Somalia gelten derzeit die IPC-Stufen 3 und 4 als Krise beziehungsweise Notstand. Rund zwei Millionen Menschen sind von der vierten Stufe betroffen.

Dürre und Überschwemmungen belasten die Hilfe

Dürre, unregelmäßige Niederschläge, Unsicherheit, hohe Lebensmittelpreise und die erwarteten Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño erhöhen den Hilfsbedarf. Gleichzeitig gehen die Mittel für humanitäre Hilfe zurück.

Die bevorstehenden Überschwemmungen könnten nach Angaben von Alex Fenwick, Landesdirektor der Welthungerhilfe für Somalia, 2,7 Millionen Menschen gefährden. Die prognostizierte schwere Ernährungsunsicherheit betreffe zusätzlich 5,4 Millionen Menschen. Meteorologen erwarten, dass El Niño besonders stark ausfällt und bis Februar kommenden Jahres andauern könnte.

Eine Krise mit mehreren Auslösern

Die IPC-Prognose beschreibt keine isolierte Dürre, sondern das Zusammenwirken mehrerer Belastungen. Ausbleibende oder unregelmäßige Niederschläge schwächen Ernten, Viehbestände und Einkommen. Unsicherheit erschwert zugleich den Zugang zu Märkten und Hilfsleistungen; hohe Lebensmittelpreise verringern die Kaufkraft der Haushalte.

Besonders schwer wiegt die Lage für Binnenvertriebene. Sie haben häufig Vieh und Besitz verloren und leben in überfüllten Siedlungen, in denen Wasser, sanitäre Einrichtungen und medizinische Versorgung begrenzt sind. Dass für fast 26.000 Menschen in Baidoa eine Einstufung in IPC-Phase 5 erwartet wird, markiert deshalb eine örtlich konzentrierte Zuspitzung innerhalb einer landesweiten Krise.

Wetterrisiko nach der Dürre

Die angekündigten El-Niño-Folgen können die Situation paradox verschärfen: Auf lange Trockenheit können heftige Regenfälle und Überschwemmungen folgen. Dadurch drohen nicht nur weitere Vertreibungen und Schäden an Feldern und Infrastruktur, sondern auch neue Gesundheitsrisiken sowie unterbrochene Versorgungswege.

Für die Bevölkerung bedeutet der prognostizierte Anstieg auf 5,4 Millionen Menschen in IPC-Phase 3 oder höher, dass Hilfe vor dem erwarteten Höhepunkt der Not ausgeweitet werden müsste. Bleiben Finanzierungen aus, könnten Ernährung, Gesundheitsversorgung und Schutz besonders für Kinder und Vertriebene nicht Schritt halten. Die Entwicklung in Somalia steht damit beispielhaft für die wachsende Bedeutung frühzeitiger, flexibel einsetzbarer humanitärer Hilfe bei gleichzeitig zunehmenden Klima- und Sicherheitsrisiken.

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