SchĂŒsse bei Gala-Dinner mit Trump â «Möchtegern-AttentĂ€ter»
26.04.2026 - 12:25:08 | dpa.deWashingtons wichtigsten Politikern und Journalisten wurde gerade Burrata mit jungen Erbsen als Vorspeise serviert, als auf einmal SchĂŒsse fallen. Ein schwer bewaffneter Mann rennt durch die Sicherheitsschleuse, um sich Zutritt zum White House Correspondents' Dinner in Washington zu verschaffen. EinsatzkrĂ€fte können ihn stoppen.Â
US-PrÀsident Donald Trump, seine Frau Melania und etliche Kabinettsmitglieder bleiben unversehrt. Ein Sicherheitsbeamter wird angeschossen, kann aber spÀter aus dem Krankenhaus entlassen werden. Aber der Schock sitzt tief, auch bei Trump, der den VerdÀchtigen spÀter als «Möchtegern-AttentÀter» bezeichnet.
VerdÀchtiger am Montag vor Gericht
Gegen den mutmaĂlichen Angreifer wird bereits ermittelt. Bei dem VerdĂ€chtigen soll es sich um einen 31-JĂ€hrigen aus SĂŒdkalifornien handeln, wie mehrere US-Medien ĂŒbereinstimmend berichteten. Der Mann soll als Lehrer und Entwickler fĂŒr Videospiele gearbeitet haben, heiĂt es unter Berufung auf das mutmaĂliche LinkedIn-Profil des Mannes.
In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) durchsuchte die Bundespolizei FBI das Haus des VerdĂ€chtigen in Torrance, einem Vorort sĂŒdwestlich von Los Angeles. Am Montag soll er vor Gericht in Washington erscheinen, sagte die BezirksstaatsanwĂ€ltin Jeanine Pirro kurz nach dem Vorfall.
Was ĂŒber die Tat bekannt ist
«Ich habe gehört wie jemand "Runter! Runter!" gerufen hat,» berichtet eine dpa-Reporterin von vor Ort. «Einige waren ziemlich panisch.»Â
Nach bisherigen Erkenntnissen stĂŒrmte der Angreifer gegen halb neun am Abend durch eine Zugangsschleuse des Secret Service, es fallen SchĂŒsse. Trump postete ein Video in den sozialen Medien, das den mutmaĂlichen TĂ€ter zeigt, wie er an den Beamten vorbeirennt, ehe diese das Feuer eröffnen.
Bewaffnet war der Mann mit Schrotflinte, Handfeuerwaffe und mehreren Messern. Ein Beamter des Secret Service wurde Trump zufolge von mindestens einer Kugel getroffen und durch seine Schutzweste gerettet.Â
Der Angreifer sei ein Feigling gewesen, der versucht habe, eine «nationale Tragödie» herbeizufĂŒhren, sagte Matthew Quinn, der stellvertretende Direktor des Secret Service, in einer Stellungnahme auf X. Der VerdĂ€chtige habe die Sicherheitsvorkehrungen des Secret Service unterschĂ€tzt. Mehrere Anwesenden hatten diese zuvor kritisiert und warfen die Frage auf, wie der Mann ĂŒberhaupt so weit kommen konnte.
Der Angreifer wurde festgenommen, ohne von Kugeln getroffen worden zu sein. Auf einem Foto war zu sehen, wie bewaffnete EinsatzkrĂ€fte eine am Boden liegende Person umringen. Trump zufolge sei der Mann «ein kranker Mensch, ein sehr kranker Mensch.»Â
«Wir mĂŒssen unsere Differenzen beilegen»
Sowohl Trump als auch die Sicherheitsbehörden gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es sich um einen EinzeltÀter handelt. Das Motiv der Tat bleibt indes unklar. Danach gefragt, ob er einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg sehe, sagte Trump: «Ich glaube es nicht. Aber man kann es nie wissen.»
Unter dem Eindruck des Geschehens war Trump sichtlich gezeichnet vor die Presse getreten. «Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafĂŒr einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen», sagte er. «Wir mĂŒssen... wir mĂŒssen unsere Differenzen beilegen.»
Die GĂ€ste waren bei der Vorspeise, als die SchĂŒsse fielen
Das traditionsreiche White House Correspondents' Dinner hatte gerade erst begonnen, als auf einmal Tumult ausbrach im Saal. Minutenlang verharrten die GĂ€ste auf dem Boden, duckten sich unter die Tische â einige sichtlich unter Schock.
Als sie sich wieder aufrichteten, war der Ehrentisch, an dem kurz zuvor unter anderem Donald und Melania Trump, VizeprĂ€sident JD Vance und Regierungssprecherin Karoline Leavitt Platz genommen hatten, bereits leer. Schwer bewaffnete SicherheitskrĂ€fte standen im Raum, in dem zunĂ€chst von einem nicht nĂ€her definierten Schusswaffenvorfall die Rede war.Â
Trump und Veranstalter fordern Neuauflage der Gala
Mehrmals wird angekĂŒndigt, dass das Gala-Programm gleich weitergehen soll, auch Trump fordert dies in einem Post direkt nach dem Angriff. Doch dazu kommt es nicht. Wenig spĂ€ter kommen Trump und mehrere Kabinettsmitglieder mit vielen der anwesenden Journalisten im Briefing-Raum des WeiĂen Hauses zusammen â alle noch in Abendgarderobe.
Laut den Sicherheitsbehörden war der TĂ€ter Gast im Hilton Hotel, in dem das Dinner stattfand. Um ins Hotel zu kommen, mussten GĂ€ste noch keine Sicherheitsschleuse passieren. Erst wenn sie in den Ballsaal wollten, wurden ihre Taschen kontrolliert und alle durch eine Schleuse gefĂŒhrt.
Nicht der erste Vorfall im Hilton-HotelÂ
Der Vorfall im Hilton Hotel weckt dĂŒstere Erinnerungen an einen blutigen Vorfall vor 45 Jahren. Seinerzeit wurde dort ein Attentat auf den damaligen PrĂ€sidenten Ronald Reagan verĂŒbt, das er schwer verletzt ĂŒberlebte.
Auch Trump war mehrfach das Ziel von Attentatsversuchen. Im Sommer 2024 kam der damalige PrÀsidentschaftskandidat nur knapp mit dem Leben davon, als ein AttentÀter bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler im Bundesstaat Pennsylvania auf ihn schoss, eine Kugel verletzte ihn leicht am Ohr. Ein Besucher starb, zwei wurden verletzt. Der TÀter wurde von SicherheitskrÀften getötet.
