Jemen, Bab al-Mandab

Strategische Meerenge Bab al-Mandab: Heftige Gefechte und Massenflucht im Jemen

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 10:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Im Westen der jemenitischen Provinz Tais liefern sich Regierungstruppen und Huthi-Miliz heftige Gefechte um eine Region mit direktem Einfluss auf die Meerenge Bab al-Mandab. Die Kämpfe treiben Zehntausende Menschen in die Flucht und berühren eine zentrale Route des Welthandels.

Die Kämpfe zwischen den Huthi-Rebellen und der Regierung im Jemen konzentrierten sich zuletzt auf die Region Tais. (Archivfoto) - Bild: Abdulnasser Alseddik/AP/dpa
Die Kämpfe zwischen den Huthi-Rebellen und der Regierung im Jemen konzentrierten sich zuletzt auf die Region Tais. (Archivfoto) - Bild: Abdulnasser Alseddik/AP/dpa

Im Westen der jemenitischen Provinz Tais dauern heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und der Huthi-Miliz an, die sich auf eine für die Meerenge Bab al-Mandab strategisch wichtige Region konzentrieren.

Schwere Kämpfe um bergige Küstenregion

Nach Angaben aus Militärkreisen im Umfeld der international anerkannten Regierung haben sich die Kämpfe seit der Nacht auf den Westen der Provinz Tais nahe der Meerenge Bab al-Mandab fokussiert. Die bergige Region gilt als entscheidend für die Kontrolle der Küste, die die Huthi-Rebellen kürzlich erobert haben. Mit ihrer Offensive hatten sie zuvor große Teile der jemenitischen Westküste und mehrere strategisch gelegene Inseln unter ihre Kontrolle gebracht.

Regierung stoppt Vormarsch an zwei Fronten

Den Regierungstruppen gelang es demnach, das Vorrücken der Huthi an zwei Fronten zu stoppen. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem durch Luftschläge. Dabei seien Dutzende Kämpfer der Miliz getötet oder verwundet worden. Außerdem sei eine Huthi-Drohne nahe der Meerenge Bab al-Mandab abgeschossen worden.

Berichte über saudische Luftangriffe

Medien der Huthi-Miliz meldeten Luftangriffe saudischer Kampfflugzeuge in den Provinzen Tais und Haddscha. Nach diesen Angaben wurden unter anderem Sendemasten Ziel der Angriffe. Die Darstellungen der Konfliktparteien stehen einander gegenüber und lassen sich nicht durch unabhängige Beobachter bestätigen.

Massive Fluchtbewegungen im Süden des Jemen

Die fortgesetzten Kämpfe haben deutliche Folgen für die Bevölkerung. Nach Schätzungen der jemenitischen Regierung mussten allein in der Region Tais rund 67.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Insgesamt wird seit Beginn des Monats von mehr als 125.000 Menschen ausgegangen, die vor den Gefechten in der Region auf der Flucht sind. Mit der Kontrolle über die Westküste verfügt die Huthi-Miliz nach Regierungsangaben inzwischen über einen nahezu uneingeschränkten Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet und eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Asien bildet.

Strategische Schlüsselrolle der Meerenge Bab al-Mandab

Die gemeldeten Gefechte in der Provinz Tais fallen in eine Phase, in der die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz ihre Kontrolle entlang der jemenitischen Westküste deutlich ausgeweitet hat. Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Asien. Wer die Küste und vorgelagerte Inseln kontrolliert, kann den zivilen und militärischen Schiffsverkehr in diesem Nadelöhr erheblich beeinflussen. Das erklärt, warum die Kämpfe sich nun auf terrainbeherrschende Höhen und Zugänge im Hinterland konzentrieren.

Regionale Machtbalance und internationale Dimension

Die Angaben über Luftangriffe saudischer Kampfflugzeuge und den Einsatz von Drohnen zeigen, dass der Konflikt um Bab al-Mandab keine rein innerjemenitische Auseinandersetzung ist. Saudi-Arabien und andere Staaten der Region haben ein ausgeprägtes Interesse daran, dass die Wasserstraße offen und kontrollierbar bleibt. Gleichzeitig stehen die Huthi durch ihre Verbindung zum Iran in einem weiteren regionalen Spannungsfeld. Eine verfestigte Kontrolle der Meerenge durch die Huthi könnte bestehende Spannungen im Seegebiet zusätzlich verschärfen und zu einer stärkeren Militärpräsenz weiterer Akteure führen.

Humanitäre Folgen und Bedeutung für Handel und Versorgung

Der Hinweis auf mehr als 125.000 Menschen, die seit Monatsbeginn vor den Kämpfen geflohen sind, verdeutlicht neben der geostrategischen auch die humanitäre Dimension. Binnenflüchtlinge benötigen Schutz, Versorgung und medizinische Hilfe, während staatliche Strukturen in vielen Teilen des Landes geschwächt sind. Für Leserinnen und Leser in Europa ist zudem relevant, dass Bab al-Mandab Teil einer zentralen Route für Container- und Rohstofftransporte ist. Anhaltende Kämpfe und eine instabile Sicherheitslage können mittelfristig Risiken für Lieferketten, Energieversorgung und Transportkosten mit sich bringen, auch wenn Auswirkungen auf den internationalen Handel häufig zeitverzögert sichtbar werden.

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